Robuste Zierde fürs „kühle Blonde“

Aus einem einfachen Papier entsteht ein individuelles Markenzeichen: Das Bieretikett veredelt Flaschenbauch und -hals – und ist dabei viel mehr als nur Schmuck. Bevor es im Supermarktregal glänzen kann, muss es erst einmal seine Qualität unter Beweis stellen.

Ob zur gemütlichen Brotzeit, auf Volksfesten oder auf Partys – bei vielen Gelegenheiten gehört ein Glas Bier dazu. Rund 106 Liter trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr (Quelle: Statista, 2015). Bundesweit macht das mehr als acht Milliarden Liter des Hopfengetränks, das in Fässern und zum großen Teil in handelsüblichen Flaschen abgefüllt wird.

 

In die Kessel der deutschen Braumeister kommen traditionell nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser, doch auch ein echtes Traditionsgetränk muss vermarktet werden – hier hat das Bieretikett seinen großen Auftritt.

Optik entscheidet, Qualität zahlt sich aus

 

Denn die Kaufentscheidung für eine bestimmte Biermarke steht und fällt nicht zuletzt auch mit der Optik der Flasche. Brust- und Bauchetikett, Halsschleife und Siegel – die Flasche soll dem Käufer direkt ins Auge springen, wenn er die Regalreihen im Supermarkt entlang schlendert.
Doch Aussehen ist nicht alles – solch ein Etikett muss robust sein. Es sollte wechselnde Temperaturen, Kondenswasser, Lagerzeiten oder Waschanlagen aushalten können. Die Erwartungen sind also hoch und damit auch die Anforderungen an die Produzenten entlang der Wertschöpfungskette. Viele Unternehmen vertrauen bei den einzelnen Arbeitsschritten auf Technik von Siemens. Der Konzern ist sowohl Partner der Fiber Industry als auch der Branche Food & Beverage. 

Veredelt, bedruckt und verleimt

 

Der Geburtsort des Bieretiketts ist die Papierfabrik. Um das einfache Papier nach den ersten Herstellungsschritten zu veredeln, wird es häufig metallisiert und geprägt. Der dadurch entstehende Glanz unterstützt die Vorfreude auf einen kühlen und frischen Biergenuss. Diese Aufgabe übernimmt beispielsweise der Spezialpapierhersteller Glatfelter Gernsbach GmbH, dessen Maschinen mit Siemens-Antriebstechnik laufen.


Weiter geht es beim Drucker: Für einen optimalen Farbauftrag muss das Papier die passenden Laufeigenschaften der Fasern vorweisen. Letztere sind oft eine echte Herausforderung, weil Etiketten asymmetrisch aufgebaut sind und die Oberflächen der Etikettenseiten unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Das Papier benötigt eine einwandfreie Planlage, damit es beim Drucken nicht zu Störungen kommt. Beim anschließenden Schneiden und Stanzen dürfen die Etiketten nicht in Blöcken aneinanderhaften. Außerdem soll das Papier gut „stanzbar“ sein, damit die Messer gut durch viele Lagen gleiten können. 


Gedruckt, veredelt und geschnitten kommen die Etiketten zum Abfüller, meist einer der zahlreichen kleinen Brauereien. Hier gelangen die Etiketten in die Etikettiermaschine. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60.000 Flaschen pro Stunde müssen sich die Etiketten einwandfrei und passgenau auf die Flaschen auftragen lassen. Bei der Kaltabfüllung kommen sie zudem richtig „ins Schwitzen“ – da muss der Leim auf der Rückseite halten. Häufig werden die Flaschen anschließend abgeduscht und in Kästen oder Sixpacks verpackt. Durchgängige Steuerungstechnik von Siemens verhindert, dass dabei Schäden, Blasen oder Falten entstehen. 

Eine Zehntelsekunde im „Rampenlicht“

 

Steht die Bierflasche im Ladenregal, hat das Etikett seinen großen Auftritt. Einen recht kurzen allerdings: Nur eine Zehntelsekunde bleibt dem Eyecatcher, bis sich der Käufer entscheidet.
Der Lebensweg des Etiketts ist damit aber noch nicht zu Ende. Die Flasche kommt nach dem Genuss des Bieres wieder zurück zum Abfüller. Die letzte Herausforderung für das Etikett ist der Ablösevorgang: Die Glasflaschen werden in Laugen von 80 Grad Celsius gereinigt. Dabei muss sich das Etikett von der Flasche lösen – ohne Druckfarbe zu verlieren oder sich zu zersetzen. Ein Teil der hochwertigen Papierfasern wird dann als Rohstoff für weitere Papiere aufbereitet.

17.07.2017

 

 

Das Etikettenpapier (Spezialpapier „Paper Stock“ mit speziellen Eigenschaften wie Glanz und hohe Oberflächenglätte) wird zunächst in einer Lackieranlage (Offline-Coating-Maschine) lackiert, um einen noch höheren Glättegrad mit einer geschlossenen Oberfläche zu erzielen. Im nächsten Schritt wird die Oberfläche metallisiert.

 

Die lackierte Rolle wird in der Metallisierungsanlage im Hochvakuum metallisiert. Während dieses Vorgangs verdampft Aluminium und schlägt sich auf dem Papier nieder, das gerade eine Kühlrolle passiert. 

 

Die metallisierte Papierrolle wird nun mit einer weiteren Lackschicht ummantelt, damit man das metallisierte Papier im nächsten Schritt bedrucken kann. Gleichzeitig wird die Rückseite der Papierrolle konditioniert. So bleibt das Etikettenpapier bei den nachfolgenden Bearbeitungsstufen – Prägen, Drucken, Stanzen, Etikettieren – plan. 

 

Die metallisierte Rolle wird, je nach Kundenwunsch, teilweise geprägt und in Rollen an den Drucker versendet. Alternativ kann das Papier auch erst nach dem Drucken geprägt werden. Entscheidet man sich für einen Offset-Druck, der bei „kleineren“ Auflagen gewählt wird, können die Rollen vor dem Versand mit einem Querschneider auf Formatware geschnitten werden.

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