Cybersicherheit: Wie schaffen wir Vertrauen in das digitale Zeitalter?

Dr. Roland Busch, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG, über Cybersicherheit.

Digitale Technologien verändern unser Leben und unsere Volkswirtschaften. Künstliche Intelligenz, Big Data Analytics, Blockchain- und Cloud-Technologien verbessern unsere Welt in vielerlei Hinsicht. Doch sie führen auch zu neuen Schwachstellen. Die kürzlich offengelegten Prozessor-Sicherheitslücken Spectre und Meltdown gefährden die Datensicherheit auf Milliarden von Geräten. Sicherzustellen, dass der digitale Wandel nicht Cyberkriminellen und Schadsoftware in die Hände spielt, wird zu einer entscheidenden Herausforderung. Um das Vertrauen in die Cybersicherheit zu fördern, bedarf es einer breiten Allianz von Unternehmen und Regierungen. Diese Aufgabe ist nur gemeinsam zu bewältigen. Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden.

Im Internet der Dinge ist Cybersicherheit eine Grundvoraussetzung – und eine große Herausforderung

Durch Digitalisierung und Globalisierung ändern sich die Spielregeln und neue Chancen entstehen. Mit Milliarden von vernetzten Geräten erschließt das Internet der Dinge eine ganz neue Ebene der Interaktion. Diese Technologien verändern die Art, wie wir leben, kommunizieren und arbeiten, und machen in allen Industriezweigen und Branchen den Weg frei für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle. Sie sind Ausdruck des voranschreitenden Fortschritts.
 

Wachstumsprognosen sehen ein Marktvolumen in der Größenordnung mehrerer Billionen Euro voraus. Doch sie bringen nicht nur Verbesserungen für unser Leben und unsere Volkswirtschaften mit sich, sondern machen uns gleichzeitig auch anfälliger für böswillige Cyberangriffe. Die Welt hat bereits erlebt, wie solche Angriffe demokratische Wahlen beeinflussen können.
 

Zunehmend werden auch sensible Infrastrukturen wie BankenMinisterien und der British National Health Service zur Zielscheibe. Der Schaden, den solche Angriffe weltweit verursachen, wird auf 3 Billionen US-Dollar jährlich geschätzt. Dies entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie Deutschland oder Frankreich.
 

Die Botschaft ist klar. Gelingt es nicht, die Systeme zu schützen, die unsere Häuser, Kliniken, Fabriken, Stromnetze und Infrastrukturen verbinden, könnte dies verheerende Folgen haben. Die digitale Welt braucht eine Grundsicherheit ähnlich den gängigen Sicherheitsvorkehrungen, die wir in der nicht-digitalen Welt für selbstverständlich erachten.
 

Letztlich geht es um unsere moderne Lebensweise und die moderne Wirtschaft. Die Cybersicherheit hat maßgeblichen Einfluss auf die Akzeptanz digitaler Technologien durch Menschen und Unternehmen. Vertrauen ist daher die Grundlage für jegliches Wachstum und jeglichen Fortschritt in der digitalen Wirtschaft.

Cybersicherheit hat einen hohen Stellenwert, doch die Maßnahmen reichen nicht aus

Jetzt sind entschiedene Maßnahmen seitens der Unternehmen und der Regierungen erforderlich, um mit den schnellen Entwicklungen auf dem Markt und zunehmenden kriminellen Bedrohungen Schritt halten zu können. Digitale Player wie IBM, Microsoft, Google und Amazon arbeiten mit Nachdruck daran, hohe Sicherheitsniveaus zu realisieren und ihr Renommee zu wahren. Dasselbe gilt für die Welt der Industrie, in der die digitale Wertschöpfung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Siemens zum Beispiel bietet mit dem Konzept „Defense in Depth“ umfassende Sicherheitsmechanismen, die physische Sicherheit, Netzwerksicherheit sowie System- und Softwaresicherheit vereinen.
 

Auch die Regierungen sind bereit, zu handeln. Die Europäische Kommission zum Beispiel hat eine Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verabschiedet, die im Mai 2018 wirksam wird. Als weiteres Ziel verfolgt sie die Erarbeitung eines EU-Rahmen für die Zertifizierung der Cybersicherheit. Weltweit haben sich zahlreiche Länder das Ziel gesetzt, umfassendere und wirksamere Regelungen auf den Weg zu bringen.
 

Alle diese Bemühungen sind hilfreich. Um jedoch entscheidende Fortschritte zu erzielen, müssen Unternehmen und Regierungen gemeinsam die Verantwortung für die Cybersicherheit übernehmen. Ein fokussiertes und koordiniertes Vorgehen ist nötig, um alle relevanten Aufgabenfelder voranzutreiben.

Uneingeschränktes Vertrauen schaffen

Die weitreichenden Auswirkungen von Digitalisierung und Cybersicherheit in den Griff zu bekommen und einheitliche Wettbewerbsbedingungen in den globalisierten Märkten herzustellen, erfordert eine intensive länderübergreifende Zusammenarbeit von Politik und Unternehmen. Die Verantwortung hierfür muss auf höchster Regierungs- und Unternehmensebene übernommen werden und ihren Niederschlag in klaren Zielsetzungen und Maßnahmen finden.
 

Um Cybersicherheit möglichst umfassend sicherzustellen, muss zudem Verantwortlichkeit bei allen Akteuren entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette umgesetzt werden. Dies fußt auf einer entsprechenden Grund- und Weiterbildung sowie einer fachlichen Ausbildung aller Arbeitskräfte. Unternehmen und Politiker müssen zu einem gemeinsamen Verständnis hinsichtlich der Voraussetzungen gelangen, die für weitere Innovationen, technische Anpassungen, Regelungen und Standardisierungen nötig sind. Datenströme machen auch an Landesgrenzen nicht halt. Internationale Regeln wären für alle Seiten von Vorteil.
 

Die Umsetzung aller notwendigen Maßnahmen kann nur gemeinsam erreicht werden. Die „Charter of Trust“ ist der Versuch, zu einer engen Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu gelangen. Sie wird im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz von mehreren Unternehmenspartnern und im Beisein politischer Vertreter unterzeichnet.
 

Die Sicherheit von Informationen, Produkten und Lösungen muss ein wesentlicher Bestandteil unserer digitalen Welt sein. Unternehmen und Länder, die in den globalen digitalen Märkten eine Führungsrolle übernehmen möchten, müssen sich gemeinsam für die Cybersicherheit einsetzen, um sich das Vertrauen von Gesellschaften, Kunden und Geschäftspartnern zu sichern.

Bildquellen: Dr. Roland Busch, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG

 

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