Schöner Schein mit nachhaltiger Wirkung

Das richtige Beleuchten ist eine Kunst. Gefragt ist sie nicht nur im Theater, sondern auch auf Verkaufsflächen. Worauf es  ankommt, zeigt die neue Beleuchtung des luxuriösen Kaufhauses Jelmoli in Zürich. Sie rückt die Waren ins beste Licht und braucht dabei fast zwei Drittel weniger Energie als die alten Lampen. 

Wie beleuchtet man einen Halbschuh? Die Frage scheint banal. Doch ganz so einfach ist es nicht. Besonders dann nicht, wenn besagter Schuh eines von über zwei Millionen Produkten ist, die in bestem Licht erscheinen sollen, um das Interesse der Kunden zu wecken.

Bei der Beleuchtung von Verkaufsflächen gibt es sehr unterschiedliche Philosophien. Einige Ladenbesitzer wählen bewusst ein dunkles Setting, in dem sich gezielt Lichtakzente setzen lassen. Andere präsentieren ihr Sortiment lieber in strahlendem Licht. Einen Königsweg gebe es bei der Beleuchtung von Ladenflächen nicht, sagt Andreas Hartwig, Beleuchtungsplaner bei Siemens. “Was richtig ist und was falsch, liegt letztlich immer im Auge des Betrachters.” Dennoch bestehe in Einkaufszentren die Tendenz, es mit der Helligkeit zu übertreiben: “Die Läden wollen sich wechselseitig überbieten, was zu immer mehr Lichteinsatz führt”, sagt Hartwig. “Das verbraucht unnötig viel Energie und hat keineswegs zwingend eine verkaufsfördernde Wirkung.”

Licht beeinflusst Atmosphäre

Unbestritten ist, dass die Beleuchtung die Stimmung eines Raums prägt. Einfluss auf die Atmosphäre hat nicht nur die Helligkeit. Mindestens so wichtig ist die Farbtemperatur, die in Kelvin angegeben wird: Warmes Licht mit einem relativ hohen Rotanteil – und einer tiefen Kelvinzahl – wirkt warm und behaglich. Im heimischen Wohnzimmer beispielsweise ist warmweißes Licht deshalb sehr beliebt. Kühlere Farbtemperaturen – mit einer höheren Kelvinzahl – wirken anders: Sie erzeugen eine sachlichere Atmosphäre, die der Aufmerksamkeit förderlich ist. 

Ziel des Beleuchtens ist es letztlich, ein positives Einkauferlebnis und eine optimale Warenpräsentation zu kombinieren.
Andreas Hartwig, Beleuchtungsplaner bei Siemens

Das Spiel mit Licht und Farbe gehört zum Standardrepertoire eines professionellen Beleuchtungsplaners. Seinen Ursprung hat das Handwerk im Theater. Nicht von ungefähr spricht man von Inszenierungen, wenn es um die Beleuchtung von Waren geht. „Im Wesentlichen kommen auf Ladenflächen die gleichen Prinzipien zum Einsatz wie bei der Bühnenbeleuchtung”, sagt Andreas Hartwig.
 

Doch es gibt einen gewichtigen Unterschied: Während das Geschehen auf einer Theaterbühne in der Regel einen klaren Fokus hat, setzt die schiere Menge an Produkten in einem Warenhaus der Beleuchtung natürlich gewisse Grenzen: Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit, jedes einzelne Produkt wie im Theater zu inszenieren. Hinzu kommt, dass eine Kaufhausbeleuchtung nicht nur Waren ins beste Licht rücken muss. Sie soll zudem die Orientierung im Gebäude erleichtern und dafür sorgen, dass sich Angestellte und Kunden wohl fühlen. “Ziel des Beleuchtens ist es letztlich, ein positives Einkauferlebnis und eine optimale Warenpräsentation zu kombinieren”, fasst Hartwig zusammen.

Zwei Millionen Artikel, eine Beleuchtung

Mit diesem Ziel vor Augen entwickelte Andreas Hartwig mit seinen Kollegen ein neues Beleuchtungskonzept für eines der renommiertesten Warenhäuser der Schweiz: den Jelmoli Department Store im Herzen von Zürich, der auf sechs Stockwerken rund zwei Millionen Artikel anbietet. Die Beleuchtung des Gebäudes war in die Jahre gekommen. Die alten Gasentladungslampen, bei denen ein stehender Lichtbogen zwischen zwei Elektroden erzeugt wird, entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik und mussten häufig gewartet werden. Eine Analyse vor Ort ergab weitere Verbesserungsmöglichkeiten: “Historisch bedingt gab es im Jelmoli keine einheitliche Beleuchtung”, berichtet Hartwig. Etagenweise seien unterschiedliche Farbtemperaturen eingesetzt worden. Einige Stockwerke waren mit 4000 Kelvin beleuchtet, die anderen mit deutlich wärmeren 3000 Kelvin. “Wenn man mit der Rolltreppe von einer kaltweißen in eine warmweiße Etage hochfuhr, musste sich das Auge erst an die neue Farbtemperatur gewöhnen”, sagt Hartwig. “In den ersten Momenten nimmt man bei so einem Temperaturwechsel den Rotanteil im Licht zu stark wahr.” Die Folge: Man sieht die Umgebung für einige Sekunden in einem unnatürlichen Orangeton.

 

Die neue Beleuchtung sollte keine solchen Effekte mehr erzeugen und stattdessen einen einheitlichen Eindruck hinterlassen. “Dank Einsatz modernster LED-Technik hatten wir die Möglichkeit, vom Erdgeschoss bis ins dritte Obergeschoss die Mischtemperatur von 3500 Kelvin zu verwenden”, sagt Hartwig. Die neue Lösung eignet sich für die Beleuchtung fast aller Warengruppen – vom weißen Hemd über den silbernen Kochlöffel bis zum knallroten Bikini. 


Damit die Verkaufsflächen gleichmäßig in Licht getaucht werden, haben Hartwig und seine Kollegen zudem die Leuchtdichten angepasst. Ebenso wurden Wand- und Warenbeleuchtung aufeinander abgestimmt. Das verbessert die Kontrastverhältnisse, erhöht die Übersichtlichkeit und erleichtert die Orientierung. “Weiter haben wir die Beleuchtungsstärke auf ein sinnvolles Niveau abgesenkt”, sagt Hartwig. “Neu steht nicht mehr die reine Helligkeit im Vordergrund, sondern ein gutes Verhältnis der Lichtverteilung im Raum”, so der Fachmann.


Schwächeres Licht? Nur noch eine Farbtemperatur? – Die Vorschläge, die Hartwig in seinem Konzept machte, stießen bei den Jelmoli-Verantwortlichen zunächst auf Skepsis. Auf einer Testfläche in einem abgetrennten Bereich des Department-Stores wurde das neue Konzept mit rund 60 Leuchten auf Herz und Nieren geprüft. “Wir haben alle möglichen Waren aus dem Laden geholt und unter dem neuen Licht betrachtet”, sagt Hartwig. In enger Abstimmung mit den Betreibern und den Eigentümern wurde am Konzept gefeilt.

Nachdem alle Details geklärt waren, startete der Umbau. In wenigen Wochen waren die rund 9000 Leuchten umgerüstet. Das Resultat kann sich sehen lassen. „Das Licht der neuen Beleuchtungslösung ist viel weißer und passt zu den unterschiedlichsten Warengruppen. So können wir in Zukunft deutlich freier gestalten und beispielsweise mehr mit sattfarbigen Objekten dekorieren und Akzente setzen”, urteilt Jelmoli Chefdekorateur Lars Jöge.

Effizienteres Licht braucht weniger Kühlung

 

Angesichts der ästhetischen Qualitäten der neuen Beleuchtung geht leicht vergessen, dass am Ursprung dieses Projektes etwas ganz anderes stand: Die Siemens-Ingenieure sollten den Department Store auf energetisches Optimierungspotenzial abklopfen. Ihre Analyse ergab, dass die Betreiber in drei Bereichen massiv sparen können: bei der Belüftung, bei der Kälteproduktion und beim Licht. Allein beim letzten Punkt konnte durch die Umstellung auf neueste LED-Technologie eine beachtliche Einsparung erzielt werden: “Die neuen Leuchten verbrauchen 60 Prozent weniger Energie als die alten”, sagt Andreas Hartwig. Die Anschlussleistung der Beleuchtungsanlage habe um mehrere hundert Kilowatt gesenkt werden können.


Zugleich wirkt sich die effizientere Beleuchtung vorteilhaft auf die anderen untersuchten Gewerke aus: „Die neuen Leuchtmittel geben weniger Wärme ab. Dadurch konnten wir auch die Lüftungs- und Kühlungsanlagen sparsamer auslegen”, sagt Hartwig. Es habe sich gelohnt, die drei Bereiche gemeinsam zu untersuchen – ansonsten wären solche versteckten Sparpotenziale verborgen geblieben.

Optimierte Lüftung und Kälteerzeugung

 

Neben dem Beleuchtungskonzept erarbeitete Siemens für den Jelmoli Department Store auch Maßnahmen zur optimierten Lüftung und Kälteerzeugung. Im Rahmen des Projekts wurden 34 Lüftungsanlagen modernisiert. Sie wurden zum Teil mit Frequenzumformern nachgerüstet. Dadurch lässt sich der Volumenstrom der Lüftungsanlagen besser dem Bedarf anpassen, was den Strombedarf verringert.
 

Zur Kühlung des Gebäudes kommt das sogenannte Freecooling zum Zug. Das heißt, dass nach Möglichkeit mit Außenluft gekühlt wird. Zudem erfasst die verbesserte  Gebäudemanagementsoftware laufend die CO2-Anteile im Gebäude und reagiert, falls die Konzentrationen zu hoch werden. So ist eine hohe Luftqualität sichergestellt. Durch das optimierte Verhältnis von Außen- und Innenluft ist der Kühlbedarf gegenüber früher deutlich kleiner geworden.


Bildquellen: Siemens Schweiz AG 

 

 

Der Department Store „Jelmoli – The House of Brands” in Zürich zieht Kunden aus der ganzen Schweiz an. Seit 2009 gehört die Jelmoli AG zur Swiss Prime Site (SPS) Immobiliengesellschaft. Die SPS AG ist verfügt über ein Immobilienportfolio im Wert von über 10 Milliarden Schweizer Franken. Die Immobilienbewirtschaftung übernimmt die Immobiliendienstleisterin Wincasa.

 

Seit 2012 unterstützt Siemens die SPS bei der Realisierung selbstgesteckter Klimaschutzziele. Die Siemens-Ingenieure durchleuchten ausgewählte Großobjekte der SPS auf der Suche nach energetischen Einsparpotenzialen.

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