Hvidovre Krankenhaus: Größtes EPC-Projekt Dänemarks

Mit dem größten Energy Performance Contracting (EPC) Projekt Dänemarks wird das Krankenhaus von Hvidovre bei Kopenhagen umfassend renoviert. Dank Siemens erreicht es eine Energieersparnis von 33 Prozent. Die dänische Regierung spricht von einem Vorzeigeprojekt.

Die Erneuerung beginnt im Innern. Im Krankenhaus in Hvidovre wird ein Zimmer neu eingerichtet. Draußen auf dem Korridor der Abteilung für Innere Medizin herrscht lebhafter Alltag, Krankenschwestern bringen Essen oder Medikamente, Besucher Blumen für die Patienten. Im Zimmer mit dem bräunlichen, aber doch hellen Interieur reguliert Christian Johansen die Temperatur, fährt per Knopfdruck die Jalousien hoch – so wie es einmal auf 500 neuen Patiententerminals vom Bett aus möglich sein wird. Noch ist das Gebäudemanagementsystem Desigo von Siemens erst in Testräumen installiert. Ab 2018, nach einer umfassenden Renovierung, wird das System die energieeffizientesten Bedingungen für Lüftung und Temperaturregelung einstellen – für jeden Raum einzeln. Die bisherigen Leuchten werden mit 15.000 LEDs ersetzt. „Diese sind nicht nur wesentlich energiesparender, sie lassen sich auch dimmen und den Bedürfnissen von Personal und Patienten anpassen“, sagt Johansen.

Intelligentes Management und bauliche Modernisierung

Das Projekt in dem 245.000 Quadratmeter großen, in den 70er-Jahren erbauten Krankenhaus wird von Siemens durchgeführt, während der Betrieb rund um die Uhr weiterläuft. Genaue Planung, in enger Partnerschaft mit der Spitalleitung sei deshalb entscheidend, sagt Lars Nielsen, Direktor Building Performance and Sustainability bei Siemens Dänemark. Ziel ist eine Senkung des Energiebedarfs um ein Drittel; der Verbrauch von Heizenergie, Strom und Wasser soll um 41 Prozent respektive 23 Prozent und 8 Prozent reduziert werden. Ein ambitiöses Ziel in einem sehr energieintensiven Betrieb mit 60.000 Patienten pro Jahr. Doch durch intelligentes Management und bauliche Modernisierung können die Energieeffizienz stark gesteigert und die Kosten nachhaltig gesenkt werden. „Siemens hilft die Erfahrung aus einer Vielzahl ähnlich gelagerter Projekte, weltweit und in Dänemark“, sagt Nielsen.

Zur Anwendung kommt eine Palette von Maßnahmen. Die bestehende Solarzellenanlage wird unter Einbezug aller vier Flachdach-Gebäude des Krankenhauses auf das Dreifache erweitert. Das neue Gebäudemanagementsystem wird neben vereinfachter Steuerung auch eine kontinuierliche Überwachung des Energieverbrauchs erlauben. Zudem sind neue Wärmepumpen sowie fünf in der Nähe errichtete Windturbinen Teil des Projekts. Damit will das Krankenhaus in fünf Jahren 10 Prozent seiner benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen.

Größtes EPC-Projekt Dänemarks

Gestartet wurde das Projekt 2015, nachdem Siemens in einer öffentlichen Ausschreibung mit einer Gesamtlösung den Zuschlag erhalten hatte. Es handelt sich mit einem Investitionsvolumen von 160 Mio. Kronen (21,5 Mio. Euro) um das größte Energy Performance Contracting Projekt (EPC) Dänemarks. Siemens trägt die Renovierungskosten, während das Krankenhaus die Investitionen in einer Zeitspanne von zehn Jahren zurückbezahlt – finanziert über die durch den gesenkten Energieverbrauch erzielten Einsparungen. „Für uns ist die Renovierung kostenneutral“, sagt Finn Bloch, Projektdirektor im Krankenhaus Hvidovre. Das von der öffentlichen Hand getragene Krankenhaus erreiche damit eine grüne Umstellung in einer Skala, für die es selbst weder Budget noch Kompetenzen hätte. „Natürlich wollen wir unsere Mittel lieber den Patienten zu Gute kommen lassen, als damit Heizkosten-Rechnungen zu bezahlen“, sagt Bloch.

Wir hoffen, dass dieses Projekt den Standard für weitere Krankenhäuser und öffentliche Bauten setzt.
Lars Nielsen, Direktor Building Performance and Sustainability, Siemens Dänemark

Das EPC-Projekt stößt auch bei der dänischen Regierung auf Interesse. Bei einem Besuch in Hvidovre diesen Sommer sprach der Energie- und Klimaminister Lars Christian Lilleholt von einem Vorzeigeprojekt für öffentliche Institutionen: Ein Weg, um „Energiekosten zu senken und gleichzeitig über mehr Geld für die primären Aufgaben zu verfügen“. Die Präsidentin des Regionalrats der Hauptstadtregion DK, politisch verantwortlich für Krankenhäuser, Sophie Haestorp Andersen, wies auf die Vorteile hin, wenn durch Know-how und Mittel eines privaten Unternehmens Energieprojekte schneller umgesetzt und damit die Reduktion von CO2-Emissionen beschleunigt werde.

Vier Gewinner

Aus dem EPC-Projekt gehen damit vier Gewinner hervor, wie Lars Nielsen von Siemens hervorhebt: Das Krankenhaus, dem trotz der Investition in den Unterhalt mehr Mittel für die Medizin bleiben, Siemens als Geschäftspartner sowie Politik und Gesellschaft dank CO2-Reduktion und der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Wir hoffen“, sagt Nielsen, „dass dieses Projekt den Standard für weitere Krankenhäuser und öffentliche Bauten setzt.“

Siemens hat eine tragende Rolle vom Consulting bis zur Umsetzung und Evaluation inne. Zunächst analysierten Siemens-Experten für Gebäudetechnik zusammen mit dem Krankenhaus das Potential für Effizienzgewinne. Aus einem Katalog von Maßnahmen entstand ein maßgeschneidertes Konzept.

Eine wichtige Komponente im Projekt sind laufende Messungen des Energieverbrauchs. Dieser wird im Siemens-Supportcenter in Ballerup bei Kopenhagen analysiert. Danach erhalten die Technikverantwortlichen des Krankenhauses Feedback. „Heute erkennen wir nicht, wo und wann wir unnötig viel Energie verbrauchen“, erklärt Projektdirektor Finn Bloch. In Zukunft wird das Krankenhaus den Energieverbrauch genau nachvollziehen  und Prozesse anpassen können. Mit nachhaltiger Wirkung.

27.09.2016

Text: Niels Anner, Journalist in Kopenhagen

Bilder: Lars Møller

Mit dem größten Energiespar-Contracting-Projekt Dänemarks im Krankenhaus Hvidovre gewinnt die Siemens-Division Building Technologies einen der European Energy Service Awards 2017 (EESA) in der Kategorie "Bestes europäisches Energiedienstleistungsprojekt". Durch das Projekt wird das 245.000 m² große Krankenhaus in der Nähe von Kopenhagen den Wärmeverbrauch um 41 Prozent und den Stromverbrauch um 23 Prozent reduzieren können. Damit sinkt der gesamte Energieverbrauch um rund ein Drittel.

 

Seit 2006 zeichnet die Berliner Energieagentur gemeinsam mit der Europäischen Kommission Institutionen und Projekte, die einen besonderen Beitrag zur Förderung von Energie-dienstleistungen erbringen, mit dem European Energy Service Award (EESA) aus. Der EESA wird im Rahmen des IEE-Projektes „European Energy Service Initiative 2020” (EESI2020) verliehen, das von der Berliner Energieagentur koordiniert wird.

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