Cloudbasierte Wartung: Dank Fernwartung länger auf See

Wie kann man wartungsbedingte Ausfallzeiten reduzieren? Die Reederei Fjord Line hat auf ihrer Fähre im Oslofjord Heizung, Lüftung und Klimaanlage mit mit einem cloudbasierten Fernwartungssystem ausgerüstet.

 

Nils Lindstrand

Schiffe generieren nur Einnahmen, wenn sie von Hafen zu Hafen ziehen – egal, ob sie Passagiere oder Fracht befördern. Daher ist das Ziel, die Liegezeit vor Anker im Dock zu minimieren und das Schiff so schnell wie möglich wieder in See stechen zu lasen. Deswegen werden Reinigung, Entsorgung von Abfällen und Betankung in Eile absolviert und kompliziertere Aufgaben wie das Ausbessern von Hardware oder das Upgraden technischer Systeme unter Zeitdruck durchgeführt – was aber sowohl die Kosten als auch das Risiko kritischer Fehler erhöht.

 

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, die Schiffe auf offener See zu warten. Bei komplizierten Arbeiten können die Kosten aber schnell so weit ansteigen, dass ein zusätzlicher Tag im Hafen günstiger ist.

Wartung von Land aus

Muss das sein? Diese Frage stellten sich der führende europäische HLK-Lieferant Novenco Marines & Offshore und sein Kunde, die dänische Reederei Fjord Line A/S. Was wäre, wenn Wartungsarbeiten auf See aus der Ferne durchgeführt werden könnten? Auf der MS Oslofjord ist genau dies heute möglich.

 

Ein Fernwartungssystem erlaubt es, einen Großteil der Wartungsarbeiten, Upgrades und die Planung von Reparaturen automatisch oder von Land aus durchführen zu lassen. Falls Experten benötigt werden, können diese an Land bleiben und die Aktionen von ihrem Arbeitsplatz aus steuern.

Ruhige Fahrt

Fjord Line A/S hat dieses Konzept zur Effizienzsteigerung auf seiner Passagierfähre MS Oslofjord konsequent umgesetzt. Mit 370 Autos und etwa 1.800 Passagieren unternimmt die Fähre täglich zwei Hin- und Rückfahrten von Sandefjord nach Strömstad. Sie überquert viermal täglich den Fjord zwischen Norwegen und Schweden und benötigt zweieinhalb Stunden für eine einfache Überfahrt.

 

Weil die MS Oslofjord eine Passagierfähre ist, müssen alle Komfortsysteme wie Lüftung, Heizung und Klimaanlage sorgfältig gewartet und so reibungslos wie möglich betrieben werden. Gleichzeitig muss die Fähre aber ihren Fahrplan streng einhalten, sonst leidet das Geschäft der Fjord Line.

Zugang zur Cloud auf dem Wasser

Ende 2015 installierte die Fjord Line ein HLK-System von Novenco Marines & Offshore, das mit einem Siemens Climatix-Steuersystem ausgestattet war. Mit der Lösung kam auch zum ersten Mal das cloudbasierte System NovenCloud zum Einsatz, das auf dem Climatix IC Remote Service System beruht, um alle HVAC-Daten sowohl für die Fjord Line als auch für Novenco verfügbar zu machen.

 

An Bord der MS Oslofjord befinden sich 16 Klimaanlagen, die mit Climatix-Steuerung ausgestattet sind, sowie viele andere HLK-Systemen. Mit dem cloudbasierten System können nun die meisten Upgrades und andere Aufgaben per Fernwartung durchgeführt werden. Für die Zeit im Hafen können umfangreichere Arbeiten sorgfältig vorbereitet werden. Das System sammelt nämlich kontinuierlich wichtige Gerätedaten, die es Novenco ermöglichen, alle anstehenden Wartungsarbeiten vorherzusehen und zu planen.

Mit den Daten, die Climatix IC automatisch in der Cloud sammelt, sind wir gut auf Wartungseinsätze vorbereitet und nutzen die kurze Zeit, in der die Fähre im Dock liegt, optimal aus.
Jonas Johansen, Produktmanager bei Novenco

Zeit und Geld sparen

„Mit Climatix IC von Siemens konnten wir die Qualität der Wartungsarbeiten sowie unsere Reaktionszeiten für die MS Oslofjord deutlich verbessern”, sagt Jonas Johansen, Produktmanager bei Novenco. „Wir können kleinere Probleme mit der Kabinenlüftung oder den Hauptsystemen per Fernzugriff über das Internet lösen. Für gelegentliche größere Arbeiten stehen dann die Servicetechniker mit allen notwendigen Ersatzteilen und Werkzeugen am Kai bereit, wenn die Fähre in den Hafen einläuft. Mit den Daten, die Climatix IC automatisch in der Cloud sammelt, sind wir gut auf Wartungseinsätze vorbereitet und nutzen die kurze Zeit, in der die Fähre im Dock liegt, optimal aus. Das spart uns und unseren Kunden Zeit und Geld.”

 

Im Januar 2017 beschloss der Eigentümer Fjord Line A/S, seinen Passagieren auf der MS Oslofjord durch eine druckabhängige Kabinenbelüftung noch mehr Komfort zu bieten. Da diese Leistung in den auf der Fähre installierten Primärsystemen schon angelegt war, mussten nur geringfügige Hardware-Änderungen vorgenommen werden.

 

Als Betreiber der HLK-Systeme auf dem Schiff konzentrierte sich Novenco auf die Neuprogrammierung der Steuerungssoftware. Das Software-Update wurde über Climatix IC schnell und einfach an die Klimaregler übertragen. Arbeiten, für die früher ein Servicetechniker mehrere Tage auf dem angedockten Schiff benötigt hätte, schaffte Climatix IC innerhalb weniger Stunden und zu deutlich geringeren Kosten.

 

Dieses Upgrade machte die MS Oslofjord zum ersten Schiff, das erfolgreich eine hundertprozentige Fernaktualisierung erhalten hat – kein einziger Mitarbeiter von Novenco war an Bord, um die Maßnahme durchzuführen.

Schneller Überblick für eine effiziente Planung

Ein weiterer Vorteil von NovenCloud ist die geografische Darstellung aller angeschlossenen Systeme und deren Status. Dies gibt den Technikern einen schnellen Überblick und ermöglicht ihnen, Prioritäten zu setzen und bevorstehende Wartungsleistungen effizient zu planen.

 

„Climatix IC ist unsere Antwort auf eine Herausforderung, der sich viele unserer Kunden stellen müssen”, erklärt Reiner Werner, Leiter Field Devices & OEM bei Siemens Building Technologies. „Immer engere Wartungsfenster und Kostenoptimierung erfordern, dass wir schneller reagieren.” Und genau hier setzt Climatix IC an, indem es höchste Flexibilität bietet, die effiziente Wartung der unterstützten Systeme fördert und die Kosten pro Servicefall senkt. „Insbesondere in maritimen Umgebungen, in denen strenge regulatorische Anforderungen und schwierige Umweltbedingungen herrschen, ist Climatix IC die ideale Lösung für einen optimalen Service”, fügt er hinzu.

04.10.2018

Text: Nils Lindstrand, Journalist in Schweden.

Bilder: Siemens AG

Gesamtlänge: 134,4 m

Breite: 24 m

Bruttoregistertonnen: 17.851

Kapazität:
1.800 Passagiere
370 Fahrzeuge

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