Melbourne: Effizienz im Museum

Die Beziehung zwischen Siemens und Australien begann vor 144 Jahren mit 40.000 Holzpfählen und einem 3.200 Kilometer langen Kupfertelegrafendraht. Sie setzt sich gegenwärtig mit der Lieferung von Zukunftstechnologie fort. Diesmal profitiert der größte Museumskomplex Melbournes von Kosteneinsparungen und Energieeffizienz.

Seit 2012 wird das australische Melbourne zum fünften Mal in Folge als weltweit lebenswerteste Stadt bezeichnet. Die Auszeichnung wird von der Economist Intelligence Unit verliehen, die jedes Jahr 150 der weltweit besten Metropolen erforscht und ihre Kultur, die Atmosphäre, den Lifestyle und den geschickten Einsatz von Technologie zur Verbesserung des Lebens- und Arbeitsumfelds beurteilt.

Diese Auszeichnungen sind Zeugnis von Melbournes Vision, Planung und langfristige Investition in modernste Technologien zur Verbesserung des Lebensraums. Siemens pflegt mit Melbourne bereits eine langjährige Partnerschaft  in den Bereichen Umweltkontrolle, öffentliche Verkehrsmittel und Gesundheitswesen. Außerdem wird zunehmend Wert gelegt auf Kostensenkung, Nutzung von nachhaltiger Energie und Reduktion von Treibhausgasemissionen.

Museum Victoria

Das neueste Projekt ist eine millionenschwere Investition über einen Energiesparvertrag  zwischen Siemens und der Regierung Victorias. Modernste Technologien im Bereich der Energie- und Umwelteffizienz unterstützen die größte öffentliche Museumsorganisation Australiens, Museum Victoria. Es umfasst vier unterschiedliche Einzelmuseen: das 80.000 Quadratmeter große Melbourne Museum, das größte in der südlichen Hemisphäre, das 1880 vollendete, reich verzierte Royal Exhibition Building, das zum Weltkulturerbe gehört und praxisbezogene Technologie ausstellt, das Immigration Museum sowie zwei klimatisierte Lagerhallen. An den sechs Standorten befinden sich insgesamt 17 Millionen Objekte und Ausstellungsexemplare.

Die Beziehung zwischen Siemens und Australien begann vor 144 Jahren mit dem Bau des Überland-Telegrafen, einem monumentalen Projekt mit 40.000 Holzmasten und einem 3.200 Kilometer langen Kupferdraht von Darwin nach Adelaide durch eine unerschlossene Wüste ohne Wasser oder menschliche Behausung und mit Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius.

Die damals entstandene Partnerschaft dauert immer noch an und umfasst heute zukunftsorientierte Technologien aus den Bereichen Umweltkontrolle, Kommunikation, Verkehr, Gesundheit und vielem mehr. Das jüngste Zusammenarbeit verschafft dem Museum Victoria eine große Kosteneinsparung sowie Gewinne in der Energieeffizienz. Dessen Herzstück, das Melbourne Museum, in das täglich Tausende von Besuchern strömen, um sich zu vergnügen und etwas über die  Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu lernen.

Melbourne Museum

Das beste Beispiel dafür ist wohl die Forest Gallery, ein lebendes Zeugnis der alten Berglandschaft Victorias. In einer sorgfältig überwachten Umgebung hinter Glastüren bieten dort unzählige Regenwaldpflanzen, von winzigen Moosen bis zu Farnen und klassischem Eukalyptus, lebenden Wildtieren ein Zuhause. Die Luft ist neblig, wird mit fortschreitendem Weg aber trockener. Vögel singen und flattern unter den Zweigen hindurch und Blumen blühen und Beeren reifen nach den Jahreszeiten. Ein Bach, der durch die Ausstellung fließt, beherbergt Süßwasserfische und stachlige Krebse.

Das Museum ist eine Zeitleiste des Lebens aller Art – von Dinosauriern zu Erfindern, und umfasst CSIRAC, Australiens ersten Computer, der 1949 konstruiert wurde und heute als weltweit letzte solche Maschine gilt.

Royal Exhibition Building

Quer durch die Carlton Gardens und Teil des Museumskomplexes, steht das historische, reich verzierte, Weltkulturerbe Royal Exhibition Building. 1880 vollendet, ist es eine Erinnerung an Australiens koloniale Vergangenheit und den immensen Reichtum, der dem Großen Goldrausch von 1850 zu verdanken ist. So ist das Museum gleichzeitig Wächter der Vergangenheit und Zukunft und veranschaulicht die Politik des Staates und der Stadt.

Reduzierung der Kosten und Treibhausgase

Die Arbeit von Siemens im Museum Victoria ist eine Antwort auf die Verpflichtung von Seiten der Regierung, das Verständnis der Öffentlichkeit in Bezug auf  Klimawandel und ähnliche wichtige Themen zu fördern. Darum führt Siemens nach einer detaillierten Anlagenstudie Verbesserungen bei Klimaanlagen, Beleuchtung und Wassereffizienz durch, welche die Kohlendioxid-Emissionen bereits um 35 Prozent und die Betriebskosten um 32 Prozent reduziert haben. Glüh-, Leuchtstoff- und Metall-Halogenleuchten wurde mit den neuesten LED-Technologien ersetzt. Manuell geschaltete Bereiche werden mit automatischen präsenzabhängigen Regelungen aufgerüstet.

Das Gebäudemanagement im Melbourne Museum wurde mit der modernen Desigo CC-Plattform mit 3.000 Datenpunkten aufgerüstet, die eine zentrale Steuerung ermöglicht. Dadurch können bestehende, aber bereits modernisierte Anlagen genutzt werden und es wird gezeigt, wie Gebäude mit hoher Besucherfrequenz zukünftig verwaltet werden sollten, besonders jene in Städten wie Melbourne, die im Sommer mit sehr hohen Temperaturen rechnen müssen.

Siemens rechnet durch diese und andere Maßnahmen mit einer Einsparung von 4.590 Tonnen Kohlendioxid während der Vertragslaufzeit. Die größte Einzelreduktion von CO2-Emissionen kommt aus einer Abwärmenutzungsanlage, die einen Erdgas-Kolbenmotor verwendet, der den größten Anteil des Strom- und Wärmebedarfs für das Melbourne Museum liefert und die aktuellen Kosten des Netzstroms aus Victorias Kohlekraftwerken im Latrobe Valley deutlich senkt. Energieeffiziente Verbesserungen bei Klima- und Beleuchtungssystemen ergänzen die CO2-Einsparungen.

Senkung des Wasserverbrauchs

Weitere Leistungsfähigkeit wird bereits aus dem Ersatz eines veralteten luftgekühlten Wasserkühlsystems im Immigration Museum mit einem hocheffizienten Kühler mit Magnetlager gewonnen.

Siemens hat an allen sechs Standorten den Wasserverbrauch gesenkt, ein wichtiges Thema in Einrichtungen mit hohem Besucherstrom in einem Land, wo Dürre üblich ist.

Schließlich installierte Siemens im Rahmen des Energieleistungsvertrags due Cloud-basierte Energie- und Nachhaltigkeits-Plattform Navigator. Die Plattform, die daten-getriebene Leistungsoptimierungs-Dienstleistungen von Siemens unterstützt, bietet eine zentrale Energie- und Nachhaltigkeitsleistungs-Intelligenz. Sie erfasst und verarbeitet die durch die Systeme der Museen erstellten Daten und liefert sie an das Siemens Service Center, wo Ingenieurteams ständig Möglichkeiten zur Optimierung des Energieverbrauchs prüfen. Das System überprüft außerdem Geräte auf eine Verschlechterung der Effizienz und strebt durch proaktive Wartung weniger Ausfallzeiten an. Eingesetzte Technologien umfassen den Ersatz von Leuchtstoff-, Halogen-Metalldampf- und Glühlampenbeleuchtung mit LED, den Einsatz von Sonnenkollektoren, die Modernisierung von Heizungs-, Lüftungs- und Kühlsystemen und die Automation ihrer Regelung. Sie werden alle in das Museum Victoria-Projekt mit einbezogen.

Die Arbeit von Siemens für Museum Victoria ist ein weiteres Beispiel des Projekts Greener Government Buildings (GGB) der Staatsregierung Viktorias, eine grüne Regierungs-gebäude-Politik zur Kostensenkung, Verbesserung der Energieeffizienz und Reduzierung der Treibhausgasemissionen in bestehenden Regierungsgebäuden. Und die Arbeit wird fortgesetzt: Im August 2016 machte die Regierung bekannt, dass sie 33 Millionen AUD investieren würde, um weitere Regierungsgebäude und Infrastruktur durch Energie-leistungsverträge auf GGB-Standard zu bringen, wie dies von Siemens im Museum Victoria geschieht.

 

Transparenz ist der Schlüssel für gesteigerte Gebäude-und Betriebs-effizienz. Die cloud-basierte Plattform Siemens Navigator sammelt und analysiert Daten zu Verbrauch und Leistung eines Gebäude. Das Resultat: ganzheitliche Informationen und starke Analytik kombiniert in einer einfach anzuwendenden Plattform, die genau zeigt was benötigt wird, um maximale Performance zu erreichen.

27.09.2018

Text: Garry Barker, Journalist in Melbourne

Bilder: Siemens AG

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