Expo 2020 Dubai: Sieht so die Stadt der Zukunft aus?

Warum die erste Weltausstellung im Mittleren Osten das Potenzial hat, zur Blaupause für Smart Citys rund um den Globus zu werden.

Eiffelturm und Atomium, Farbfernseher und Reißverschluss: Zu einer Weltausstellung gehören spektakuläre Bauten und geniale Erfindungen. Noch nie war die Verbindung zwischen Architektur und innovativer Technologie enger, als sie es an der Expo 2020 Dubai sein wird: Das gesamte Gelände mit über 130 Gebäuden wird über das Internet der Dinge vernetzt. Dank einer neu entwickelten App kann die Infrastruktur per Smartphone in Echtzeit überwacht und gesteuert werden. 

An der Weltausstellung 1889 in Paris setzte der Eiffelturm ein architektonisches Zeichen: Er demonstrierte, wie hoch man dank einem neuen Verfahren mit Eisenfachwerk bauen konnte. Noch bis 1930 war „La Tour Eiffel“ das höchste Gebäude der Welt – und bis heute ist er der berühmteste Weltausstellungs-Bau aller Zeiten. 

Im Oktober 2020 beginnt in Dubai die erste Weltausstellung im Mittleren Osten. Und auch diesmal erwarten die Besucher aufsehenerregende Bauwerke, die in Sachen Technologie die Grenzen des Möglichen streifen, wie es einst der Eiffelturm tat.

Allerdings spielt dieses Mal die Höhe der Gebäude eine untergeordnete Rolle. In Dubai ragt mit dem Burj Khalifa ohnehin schon der höchste Wolkenkratzer der Welt in den Himmel. An der Expo 2020 Dubai stehen vielmehr die drei Themen Chancen (Opportunity), Mobilität (Mobility) und Nachhaltigkeit (Sustainability) im Zentrum. 

Entsprechend ist die Weltausstellung in drei Areale unterteilt, die jeweils um einen thematischen Pavillon organisiert sind. Die Architektur ist von diesen Themen inspiriert. So demonstriert beispielsweise der Sustainability-Pavillon mit seinem eindrücklichen Solardach, wie eine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen möglich ist und wie sich aus der Umgebungsluft Wasser gewinnen lässt.

Zahlen und Fakten zur Expo 2020 Dubai

  • Die Expo 2020 Dubai ist die erste Weltausstellung überhaupt, die im Raum Mittlerer Osten, Afrika und Südasien stattfindet. 
  • Die Veranstalter rechnen mit 25 Millionen Besuchen.
  • Das Expo-Gelände umfasst 4,38 Quadratkilometer – das sind über 610 Fußballfelder.
  • Die Expo 2020 Dubai wird über eine eigene Metrostation verfügen, die pro Stunde 44.000 Passagiere zum und vom Gelände transportieren kann.
  • Das Expo-Gelände wird nach Ende der Veranstaltung umgenutzt und als District 2020 Teil des neuen Stadtteils Dubai South, der ungefähr doppelt so groß ist wie Hong Kong Island.

Über das Internet der Dinge verbunden

Eine der aufregendsten technologischen Innovationen könnte ob der architektonischen Hingucker leicht übersehen werden: Das derzeit im Entstehen begriffene Areal wird von Siemens, dem offiziellen Partner für die Digitalisierung der Infrastruktur der Expo 2020 Dubai, komplett digital vernetzt – von der Klimaanlage über den Fahrstuhl bis zur Zutrittskontrolle. 

Alle der über 130 Gebäude auf dem 4,38 Quadratkilometer großen Gelände werden über das Internet der Dinge (IoT) miteinander verbunden sein. Insgesamt kommunizieren, vermittelt über Sub-Systeme, mehrere hunderttausend Sensoren mit einer zentralen IoT-Plattform – und machen die Expo 2020 Dubai zur am stärksten vernetzte Weltausstellung in der 167-jährigen Geschichte des Anlasses.

Das Herzstück der digitalen Infrastruktur ist MindSphere, das offene, cloudbasierte IoT-Betriebssystem von Siemens. Auf MindSphere laufen Daten von Sensoren, Gateways, Gebäudemanagement-Systemen und Anwendungen liefern. Dort können sie von Anwendungen wie Navigator, der cloudbasierten Plattform für Energie- und Asset-Management von Siemens, analysiert und visualisiert werden. Das System unterstützt die Organisatoren der  Expo 2020 Dubai dabei, mit minimalem Energieeinsatz für maximale Sicherheit und größtmögliches Wohlbefinden der Besucher zu sorgen.

Eine ganze Stadt auf dem Smartphone

Um die auf MindSphere gesammelten Daten auszuwerten, entwickelt Siemens in enger Zusammenarbeit mit den Organisatoren der Expo 2020 Dubai eine Smart-City-App, die am Mega-Anlass erstmals im Einsatz sein wird. Sie vermittelt eine Ahnung, welches Potenzial in einer durchgängig digitalisierten Infrastruktur steckt. So lassen sich über die App detaillierte Umweltdaten – etwa zur Luftqualität oder zur Wetterlage – abfragen und Bewässerungsanlagen auf dem Expo-Gelände überwachen und steuern.

Bis zur Eröffnung wird die Software auch in der Lage sein, das Laden von Elektrofahrzeugen zu überwachen und Informationen zur Nachhaltigkeit des Anlagenbetriebs zu liefern. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz wird die App zudem Prognosen machen können: Mit einer Wetterstation verbunden, nutzt sie aktuelle und historische Wetter- und Luftqualitätsdaten, um die Wahrscheinlichkeit eines Sandsturms vorherzusagen. Und sie gibt Empfehlungen ab, um die Expo-Infrastruktur bestmöglich zu schützen.

Doch das ist erst der Anfang: Was hier gemeinsam mit den Organisatoren der Expo 2020 Dubai entsteht, ist ein Probelauf für die Smart City der Zukunft, denn die App lässt sich für alle möglichen Anwendungsfälle erweitern und hat das Potenzial, zum Schweizer Taschenmesser für Smart Citys zu avancieren. „Die neue App unterstützt die Expo 2020 Dubai dabei, die am besten vernetzte Weltausstellung aller Zeiten zu werden. Das ist ein großer Schritt nach vorn, schließlich wollen wir herausfinden, wie Digitalisierung und IoT-Technologie helfen können, die Herausforderungen zu meistern, vor denen die Städte heute stehen“, sagt Dr. Roland Busch, Chief Technology Officer der Siemens AG. „Die Integration der Infrastruktur des größten Events, der je im Mittleren Osten stattgefunden hat, ins IoT eröffnet uns die Möglichkeit, an der weltweiten Entwicklung intelligenter Städte mitzuwirken.“ 

Andere Stadt, andere Herausforderungen

Bei weitem nicht jede Stadt muss sich auf Sandstürme vorbereiten:  TaipeiLos Angeles oder Buenos Aires sind vor ganz andere Herausforderungen gestellt. Die Digitalisierung der Infrastruktur gibt jedoch neue Möglichkeiten in die Hand, um ihnen zu begegnen. „Unsere Lösung in Dubai wird demonstrieren, wie intelligente Infrastruktur überall auf der Welt zu lebenswerteren, nachhaltigeren Städten beitragen könnte“, sagt Oliver Kraft, Head of Project and Account Management bei Siemens. 

Die Kooperation zwischen Siemens und Expo 2020 Dubai zeigt exemplarisch, wie man dabei am besten vorgeht: Zunächst geht es darum eine technische Grundlage zu schaffen, um Daten zentral zu sammeln. Und in einem zweiten Schritt gilt es gemeinsam zu erarbeiten, wie der riesige Datenpool am besten genutzt wird, um daraus lösungsrelevante Informationen zu gewinnen – und so das strategische Wissen um die Stadt gezielt zu erweitern.

 

Eine Innovation, die übertragbar ist

Der Eiffelturm wird auch in den nächsten Jahrzehnten nur in Paris stehen (und in kleinerer Form noch in Las Vegas). Die Idee der intelligenten Stadt hingegen, die in Dubai entsteht, könnte auf der ganzen Welt gewinnbringend genutzt werden. Solche innovativen Lösungen zu demonstrieren, ist das erklärte Ziel der Expo 2020 Dubai: "Innovation steht im Mittelpunkt der Weltausstellungen und der VAE“, sagt Mohammed Alhashmi, Chief Technology Officer der Expo 2020 Dubai. „Verbunden mit Dubais ehrgeizigen Plänen, ein Pionier für Smart-City-Technologie zu sein, und dank der Partnerschaft mit Siemens, sind wir hoch erfreut, dass wir einem weltweiten Publikum aufzeigen können, welches Potenzial in der intelligenten Stadt steckt."

Digitale Infrastruktur auf drei Ebenen: Auf Feldebene werden gigantische Datenmengen erfasst und zu den Kontrollzentren auf dem Gelände übertragen. Dort werden die Anlagen über dedizierte Systeme wie die Gebäudemanagement-Plattform Desigo CC und das Videomanagement-System Siveillance VMS von Siemens gesteuert. Dank der Cloud-Technologie von MindSphere, dem cloudbasierten, offenen IoT-Betriebssystem von Siemens, ist es zudem möglich, den Datenpool für völlig neue, gewerkübergreifende Analysen zu nutzen, um Sicherheit, Effizienz und Komfort auf dem Messegelände zu optimieren.

28.08.2019

Bilder: Expo 2020 / Siemens AG

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