Konzernzentrale mit Wohlfühlfaktor

2017 trägt die Ruhrgebietsmetropole Essen den begehrten Titel „Grüne Hauptstadt Europas“. Und die mit Siemens-Gebäudetechnik ausgestattete neue Zentrale von DB Schenker leistet ihren Anteil. 

Wer hätte das gedacht? Der Industriestadt Essen im Herzen des Ruhrgebiets, noch vor wenigen Jahrzehnten bekannt für Kohlegruben und rauchende Fabrikschlote, hat die Europäische Kommission in diesem Jahr den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ verliehen. Denn heute ist Essen mit seinen vielen Parks und Grünanlagen eine besonders lebenswerte Stadt – und ein Beispiel für erfolgreichen Strukturwandel.
 

Anteil daran trägt auch der Logistikkonzern DB Schenker, der gerade sein neues Hauptquartier bezogen hat. Das vor wenigen Monaten eröffnete X-förmige, feingliedrige Gebäude liegt wenige Schritte vom Essener Hauptbahnhof entfernt. Mit seinen acht Stockwerken nimmt es sich geradezu bescheiden aus im Vergleich zu den hochgewachsenen Nachbarn von RWE, ThyssenKrupp oder Evonik.
 

„The Grid“ – das „Netz“ hat das Unternehmen das neue Hauptquartier genannt. „Da wir von hier aus unser weltweites Logistik-Netz organisieren, finde ich das sehr passend für DB Schenker“, sagt DB-Schenker-Vorstandsvorsitzender Jochen Thewes. Von hier aus betreut der Konzern die größten seiner insgesamt 700.000 Kunden weltweit.

Integrierte, digitalisierte Gebäudeautomation 

DB Schenker hat hier seine Mitarbeiter aus den bislang sieben auf Essen verteilten Standorten zusammengebracht. Auf 19.000 Quadratmetern finden nun 900 Mitarbeiter Platz. Damit das Raumklima stimmt, hat sich das Unternehmen für eine auf seine Bedürfnisse angepasste Lösung von Siemens entschieden: die Gebäudemanagementplattform Desigo CC.


Der Grad der Digitalisierung und Gebäudeautomation ist beeindruckend: Das System umfasst eine Brandmeldeanlage mit 1.500 Brandmeldern, ein Zutrittskontrollsystem mit 40 Siport-Lesern, eine Einbruchmeldeanlage mit 50 Elementen, ein Videoüberwachungssystem und 560 Desigo-Raumautomations-Einzelraumregler sowie die Beleuchtungssteuerung Dali.


Lichtmesser auf dem Dach des Gebäudes sorgen abhängig von Sonnenstand und Bewölkung für eine optimale Ausrichtung der Jalousien. Das spart Energie. Aber natürlich kann auch jeder Nutzer die Jalousien selbstständig regeln – etwa wenn er es einmal dunkel braucht, um eine Präsentation zu zeigen. Über Desigo CC sind alle Systeme miteinander vernetzt – Brandschutz, Licht, Heizung, Lüftung und Klimatechnik – und werden zentral gesteuert.

Internationaler Wohlfühlfaktor

Mit seinem Nachhaltigkeitskonzept hat das Gebäude sich eine LEED-Silver-Zertifizierung verdient. Jeder Raum ist mit mehreren Raumautomations-Reglern ausgestattet. Einerseits verfügen diese über integrierte Sensoren, andererseits kann der Nutzer mit ihnen Temperatur und Licht steuern, und sie zeigen ihm mit einem grün oder rot leuchtenden Blatt an, ob sein Raumverhalten umweltfreundlich ist oder nicht.

 

Grundlegend für eine erfolgreiche Umsetzung war von Anfang an die enge Zusammenarbeit von Facility-Manager Wolfgang Glücks und Ozan Yildiz, Vertriebsleiter von Siemens in Essen. Und die Zusammenarbeit geht weiter, obwohl das Gebäude schon im Frühjahr 2016 an den Kunden übergeben wurde.

 

Ein Beispiel: Das Team von DB Schenker ist – entsprechend seiner Kunden – sehr international, und so stellten sich bald nach dem Einzug unterschiedliche Vorstellungen über die angemessene Innentemperatur heraus. Viele Mitarbeiter empfinden im Sommer 23 Grad als angenehm, Mitarbeiter aus dem arabischen Raum wollen es aber bedeutend kühler haben. Glücks hat im Dialog mit den Experten von Siemens und den Mitarbeitern eine salomonische Lösung gefunden: In jedem Raum kann der Nutzer die Zimmertemperatur nun drei Grad höher oder niedriger einstellen.

DB Schenker und Siemens arbeiten Hand in Hand 

An den Monitoren im Steuerungsraum der Facility-Manager im Erdgeschoss sitzen an diesem Tag die Techniker von DB Schenker und Siemens zusammen. Gerade haben sie neue Drucksensoren für die Kaltwasserversorgung installiert, nun wird an den Monitoren geprüft, ob das System einwandfrei läuft. Facility-Manager Glücks ist sehr zufrieden mit der Technik: „Abgesehen von einem Wasserschaden gleich zum Einzug, der auch die Technik in Mitleidenschaft gezogen hat, läuft alles einwandfrei“, sagt er mit einem Lächeln. 

Wir arbeiten auch nach der Übergabe weiter Hand in Hand mit Siemens. Das hat für uns einen großen Wert.
Wolfgang Glücks, Facility-Manager bei DB Schenker

DB Schenker hat mit Siemens einen Servicevertrag über fünf Jahre abgeschlossen, und Glücks ist überzeugt, dass sich jeder Cent davon lohnt. „Wir arbeiten auch nach der Übergabe weiter Hand in Hand mit Siemens. Das hat für uns einen großen Wert“, sagt er. Hand in Hand – das ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen, denn zu Ozan Yildiz hat Glücks ein äußerst vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Beide ziehen an einem Strang.

 

Früher konnte sich DB Schenker nur um den Hausmeisterdienst selbst kümmern – alle anderen Bereiche mussten an Spezialfirmen ausgelagert werden, weil im Haus die Kompetenz fehlte und für die Kontrolle viel Personal nötig war. Dank Desigo hat Glücks zusammen mit seinen drei Mitarbeitern nun alles auf dem Schirm: Brandmeldetechnik, Gebäudesicherheit, Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung und Beschattung. Und für den Ernstfall sind seine Mitarbeiter bestens gerüstet. „Unsere Mitarbeiter sind alle Desigo-geschult. Das Troubleshooting machen sie selber“, erklärt Glücks. 

27.02.2017

Text: Moritz Gathmann, Journalist in Berlin.

Bilder: Andreas Teichmann

  • Fläche: 19.000 m2 Mietfläche
  • 30.000 m2 insgesamt
  • Stockwerke: Erdgeschoss und 7 Obergeschosse plus 2 Untergeschosse (Tiefgarage)
  • Kapazität: 900 (derzeit etwa 800) Mitarbeiter
  • Architekten: BN Architekten, Hamburg
  • Technik: Gebäudemanagementplattform Desigo CC
  • Brandmeldeanlage: FC2080 mit 1.500 Brandmeldern und 900 Sockelsirenen
  • Zutrittskontrollsystem: Siport mit 40 Lesern sowie 200 Offlinezylindern
  • Einbruchmeldeanlage: CIC 2000 mit 50 Elementen
  • Videoüberwachungssystem: SINVR mit SiteIQ Analytics
  • Fluchttürsteuerung: Dorma mit OPC-Anbindung

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