Dieses Gebäude kann die Zukunft beeinflussen

Als der Schulbezirk East Syracuse-Minoa (ESM) mit Siemens einen Energieleistungsvertrag abschloss, erwarteten die Verantwortlichen Einsparungen bei der Energieversorgung. Was sie bekamen, war ein Partner, der ein in den 1960er-Jahren erbautes Schulareal in ein Vorzeigeprojekt für innovatives Lernen im 21. Jahrhundert verwandelte.

Gleichzeitig mit der Modernisierung der Schulgebäude im Bezirk East Syracuse-Minoa (ESM) wollte Schulbezirksleiterin Dr. Donna DeSiato auch das Bildungsmodell überarbeiten. Denn nicht nur die gebäudetechnischen Anlagen, sondern auch das Ausbildungskonzept war in die Jahre gekommen. „Unser Schuldistrikt war in einer Ära gebaut worden, die auf die Industrie ausgerichtet war“, erzählt sie. „Es war an der Zeit, das Denken in isolierten Fächern und Inhalten hinter uns lassen und uns dem transdisziplinären, lösungsorientierten und projektbezogenen Lernen zuwenden.“

 

Im Rahmen der Erneuerung der Gebäudeautomationssysteme wollte Siemens den Schulbezirk auch bei der Modernsisierung des Bildungssystems unterstützen. Steve Heaslip, Kundenberater bei Siemens, tauschte sich mit DeSiato und anderen Bezirksvertretern aus, um herauszufinden, wie Siemens zur Umsetzung der neuen Ideen beitragen könnte. Aus diesen Gesprächen resultierten in einem ersten Schritt Lerntouren zu anderen Schulen, auf denen nach dem sogenannten STEM-Modell unterrichtetet wird. (STEM ist ein Akronym für die Fächer Naturwissenschaften ("Science"), Technik ("Technology"), Ingenieurswissenschaften ("Engineering") und Mathematik.) „Es wurde schnell klar, dass wir dem Schulbezirk viel mehr zu bieten haben“, sagte Heaslip nach Abschluss dieser Touren.

Bildung für die digitale Revolution

Mit der digitalen Revolution ist es unausweichlich geworden, die Ausbildung den Erfordernissen einer neuen Arbeitswelt anzupassen. Der Schulbezirk East Syracuse-Minoa beriet daher mit Siemens, wie Mittelstufen- und High-School-Lernmodelle attraktiv, schülerzentriert, relevant und praxisnah gestaltet werden könnten.

Wir müssen uns aktiv für die Vorbereitung der Schüler auf die Arbeitsplätze der nächsten Generation einsetzen.
Charles Cohen, Siemens Sustainability Education Director

„Alles, was wir als Unternehmen tun, hat einen Bezug zu Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik“, sagt Charles Cohen, Leiter des Bildungsprogramms zum Thema Nachhaltigkeit bei Siemens, welches den Lehrern im Schulbezirk East Syracuse-Minoa bei der Zertifizierung ihrer STEM-Bildungsangebote helfen und den Distrikt bei der Mittelbeschaffung unterstützen konnte.

 

„Uns war bewusst, dass wir Unterricht im Zeitalter der Digitalisierung und der globalisierten Wirtschaft anbieten. Es galt also, das Gebäude so zu gestalten, dass es ein Lernmodell unterstützt, das auf Problemlösung, Zusammenarbeit, kritisches Denken, Kreativität und Innovation ausgerichtet ist“, erklärt DeSiato. Weitere Firmen wurden in die öffentlich-private Partnerschaft aufgenommen, darunter King + King Architects.

Planung für die Zukunft

Es wurden „Community-Cafés“ ins Leben gerufen, in denen sich Interessenvertreter aus der ganzen Community für zwei Tage trafen: Schüler, Pädagogen, Verwalter, Eltern, Vorstandsmitglieder, Community-Mitglieder und Unternehmenspartner. Sie diskutierten darüber, was Bildung im 21. Jahrhundert bedeutet. Und so entstand eine gemeinsame Vision für das neue Gebäude.

 

Teilnehmer der „Community-Cafés“ füllten Fragebögen und Schwerpunktformulare aus. Es wurde in kleinen Gruppen gearbeitet, die dann die Ideen präsentierten. Folgende Frage wurde im Schülerforum diskutiert: „Was sind unsere ungenutzten Ressourcen?“ Die Antwort darauf: „Wir selbst.“

 

Die Schüler trafen sich mit den Architekten, um darüber zu sprechen, was für sie am neuen Gebäude wichtig ist. Sie wollten „Eigentümer“ ihrer Räume sein. Daraus ergab sich dann die Gestaltung der Gemeinschaftsbereiche für die  6., 7. und 8. Klasse. „Wir mussten das Gebäude aus den 60er Jahren den Bedürfnissen der Gegenwart anpassen und dabei auch über die Zukunft nachdenken. Denn viele der Gebäude werden nun für lange Zeit nicht mehr modernisiert“, sagt Architekt Jim King. „Es war nötig, über das Jahr 2020 hinauszudenken. Wir mussten 50 Jahre vorausschauen und überlegen, wie Bildung im Jahr 2067 aussehen könnte.“

Form folgt Funktion

Eine der sieben Schulen im Bezirk, die Pine Grove Middle School, sollte so gestaltet sein, dass sie verschiedenen Lerntypen und Gruppengrößen angepasst werden kann. Die Architekten experimentierten mit größeren Öffnungen zwischen den Zimmern und in die Korridore hinaus, bevor sie die endgültige Gestaltung festlegten. Von den Ergebnissen ermutigt, schufen sie sowohl Räume für einzelne Schüler, als auch Gruppenräume, von denen der grösste 125 Personen fasst, etwa für gemeinsame Übungen. Das Gebäude wurde so zu einem Bildungsraum, statt bloß zu einer Ansammlung von Klassenzimmern.

 

Für das neue Hightech-Schulhaus nutzten die Architekten ein Gebäudeautomations-System von Siemens. Im Rahmen des Energie-Leistungsvertrags mit dem Schulbezirk hatte Siemens bereits Boiler, Beleuchtung und andere Gebäudeanlagen im Schuldistrikt mit einem digitalen Leittechniksystem für die zentrale Wartung aufgerüstet. „Wir stellen sicher, dass zum Heizen und Kühlen des Gebäudes so wenig Energie wie möglich benögigt wird“, so Heaslip.

 

„Wir freuen uns sehr, dass wir eine angemessen beleuchtete Umgebung haben und die Heiz- und Kühlanlagen auf dem neuesten Stand sind“, meint DeSiato. „Das Klima im Gebäude ist für die Schüler zum Lernen optimal.“ Zusätzlich spart der ESM School District jährlich über 500.000 USD an Energiekosten. 

Die Neugestaltung der Pine Grove Middle School geht als umwälzende Veränderung in die Geschichte unseres Schulbezirkes ein.
Dr. Donna DeSiato, Superintendent East Syracuse-Minoa School District

Ein Vorbild für innovatives Lernen

Die Pine Grove Middle School öffnete 2016, vor Kurzem standen die Abschlussprüfungen der 8. Klasse an – dank längeren Präsenzzeiten der Studenten sind auch die Prüfungsresultate besser ausgefallen, „Die Kriterien, die vor 50 Jahren für die Bewertung angelegt worden sind, haben 2017 kaum noch eine Bedeutung“, glaubt DeSiato. Es ist ihr wichtig, die Schüler auf Tätigkeiten vorzubereiten, die durch neue Technologien geschaffen werden. Steve Heaslip von Siemens ist derselben Meinung. „Wir versuchen, diese Verbindung herzustellen und bei den Kindern das Interesse für die Außenwelt zu wecken.“

Es ist einfach unglaublich, wie Schüler und Lehrer diese Erfahrung bereitwillig mit ihren Kollegen im ganzen Bundesstaat teilen.
Steve Heaslip, Kundenberater bei Siemens Smart Infrastructure

Auch Siemens hat sich verändert und ist verstärkt an Bildungsmodellen und Lehrplänen beteiligt. Bei Energiestudien gehört es für die Techniker nun dazu, in die Klassenräume zu gehen und mit den Schülern über Energie zu diskutieren und für Pädagogen und Verwalter regelmäßig Lerntouren zur Pine Grove Middle School zu organisieren. Heaslip arbeitet mit King + King weiter an andern Bildungsprojekten. „Wir werden auf unserem Markt jetzt mit ganz anderen Augen betrachtet, weil wir Unterstützung in Bildungsprojekten anbieten“, meint er.

 

ESM hat für die folgenden Jahre Kunst und Forschung in den Lehrplan aufgenommen und STEM in STREAM (Science, Technology, Research, Engineering, Art, Mathematics) verwandelt. Im Jahr 2015 wurde der Schuldistrikt als einer der ersten 27 STEM-Lernmodelle im Land ausgewiesen. Außerdem wurde er von den Colleges of Nanoscale Science und Engineering und als New York State School Board Change for Kids Model anerkannt. In den letzten sechs Jahren führte er über 100 Besichtigungstouren für Lehrer und Verwalter durch und wurde – der Kreis schließt sich – zum Vorbild für Bildung im 21. Jahrhundert.

25.09.2017

Bilder: Lynn Campbell

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