Präventiver Brandschutz: Rechtzeitig erkannt – Gefahr gebannt

Eine historische Hamburger Villa bietet seit Februar 2018 Platz für eine moderne Kindertagesstätte. Kurz vor Übergabe an die Bauherren alarmierte ein Brandschutzschalter einen gefährlichen Mangel in der Elektroinstallation gerade noch rechtzeitig.

1868 als Sommerresidenz des Hamburger Kaufmanns Wilhelm Amsinck erbaut, bietet die historische „Amsinck-Villa“ im Hamburger Stadtteil Lokstedt heute wieder einen prächtigen Anblick – und außerdem reichlich Platz für eine moderne Kindertagesstätte. 

 

Das denkmalgeschützte Gebäude stand lange leer und war schon fast zur Ruine verkommen. Nach einer Komplettsanierung erstrahlt es nun seit dem Frühjahr 2018 wieder in neuem altem Glanz – das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts der Rudolf-Ballin-Stiftung e.V., einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe, und des kommunalen Wohnungsunternehmens SAGA Unternehmensgruppe. 

Die komplette Elektro- und Sicherheitstechnik verantwortete als Auftragnehmer der SAGA Unternehmensgruppe die Hamburger Fachfirma Gerhard Köpke Elektromontagen GmbH, die als Schaltschrankbauer die ASE Schaltanlagenbau Ströhl GmbH aus Ahrensburg mit ins Boot nahm.

Historische Bausubstanz als besondere Herausforderung

Ob historisches Treppenhaus oder originale Wanddekoration: sehr viel von der ursprünglichen Ausstattung der Villa sollte bei den Sanierungsarbeiten als wertvolle Bausubstanz erhalten bleiben. Speziell für die Elektroinstallation brachte dies enorme technische Herausforderungen mit sich: „Wir konnten keine Leitungen in den Wänden verlegen, sondern nur im Boden oder zum Beispiel auch in alten Kaminschächten“, erinnert sich Projektleiter Oliver Steinfath von Köpke Elektromontagen und nennt ein besonderes Beispiel: „Für die Zuleitung zu einer Sicherheitsleuchte musste unser Monteur sogar ziemlich akrobatisch durch den Dachstuhl klettern.“ Nachträgliche Korrekturen sind in einem solchen Umfeld nur mit sehr hohem Aufwand möglich.

Alarm kurz vor Übergabe

Kurz vor der Übergabe trat ein Fehler in der Elektroinstallation auf: Ein Brandschutzschalter in einer der Unterverteilungen löste reproduzierbar aus, was auf eine eindeutig fehlerhafte Leitung hinwies. „Da stand uns kurz wirklich der Schweiß auf der Stirn“, gibt Oliver Steinfath zu. Doch konnte durch das korrekte Funktionieren des Schalters eine Zuleitung zur Außenbeleuchtung als betroffener Stromkreis eindeutig identifiziert, der Fehler so gefunden und behoben werden: Die schadhafte Stelle lag in einer nicht mehr zugänglichen Hohlwand, bei deren Errichtung eine Leitung mit einer Tigersäge beschädigt worden war. 

 

„Ein herkömmlicher Leitungsschutzschalter hätte in diesem Fall gar nicht erst ausgelöst“, so die Einschätzung des Elektrotechnik-Experten. Leitungsschutzschalter bieten zwar Schutz bei Kurzschluss und vor Überlast, an der beschädigten Stelle hingegen hatte sich ein gefährlicher Fehlerlichtbogen gebildet. In Folge hätte dies eine punktuelle Hitzeentwicklung von mehreren tausend Grad verursachen können. Tatsächlich ist Elektrizität eine der häufigsten Brandursachen, von denen wiederum knapp 30 Prozent durch Mängel in der Elektroinstallation, vom Verteiler bis zur Steckdose, verursacht werden.

DIN VDE 0100-420 fordert Brandschutzschalter

Nicht nur in der Bauphase, sondern viel mehr im laufenden Betrieb einer Kindertagesstätte muss diese Brandgefahr durch mögliche Fehlerlichtbögen zuverlässig ausgeschlossen werden. Darauf reagiert auch die aktuelle DIN VDE 0100-420, für die die Übergangsfrist bereits am 19. Dezember 2017 abgelaufen ist. Seitdem sind Brandschutzschalter für viele Einsatzbereiche als „anerkannte Regel der Technik“ vorgeschrieben. Zu den in der Norm genannten Bereichen, in denen Brandschutzschalter verpflichtend vorzusehen sind, gehören auch Schlaf- und Aufenthaltsräume von Kindertagesstätten und Seniorenheimen. „Deshalb war es natürlich auch für uns und unsere Auftraggeber keine Frage, dass wir entsprechende Schutzkomponenten einsetzen“, so Projektleiter Oliver Steinfath. „Damit sind wir garantiert auf der sicheren Seite.“

Villa mit umfassendem Schutzkonzept

Rund 30 Brandschutzschalter „arbeiten“ in der „Amsinck-Villa“. Sie sichern insbesondere in allen Schlaf- und Sozialräumen sämtliche Steckdosen und weitere Stromkreise normenkonform ab. Die Schutzkomponenten stehen neben einer Variante für Bemessungsströme bis 16A auch für 40A zur Verfügung. Die Geräte punkten durch ein vereinfachtes Handling und erlauben rund 300 Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Schutzgeräten wie etwa FI/LS-Schaltern. Beide Varianten, für 16A wie für 40A, bieten eine LED-Multifunktionstaste, über die sich auch die mechanische Testfunktion einfach ausführen lässt. Die Auslösung wird durch das Herausspringen der LED-Multifunktionstaste angezeigt. Im Betriebszustand leuchtet die LED rot. Bei Fehlern blinkt sie gelb, rot oder gelb/rot.

Ein herkömmlicher Leitungsschutzschalter hätte in diesem Fall gar nicht erst ausgelöst
Oliver Steinfath, Projektleiter, Köpke Elektromontagen GmbH

In der Amsinck-Villa ergänzen die Brandschutzschalter die ebenfalls von Siemens gelieferten Fehlerstromschutzschalter, FI/LS-Kombinationen und LS-Schalter zu einem durchgängigen Schutzkonzept für einen perfekten und normenkonformen Rundumschutz für Personen, Anlagen und Güter und für die beste Brandprävention. Diese Einschätzung bestätigte auch das Zertifizierungsunternehmen TÜV Nord, das die gesamte Elektroinstallation in der „Amsinck-Villa“ geprüft und abgenommen hat. Auch nach ihrer ersten Bewährungsprobe arbeiten die Siemens-Brandschutzschalter einwandfrei. Sie waren aber glücklicherweise noch nicht wieder gefragt

10.09.2018

Bilder: Siemens AG/W. Geyer/O. Steinfath

Die Brandschutzschalter sind Teil des durchgängigen Sentron-Portfolios von Siemens. Technische Basis der Brandschutzschalter ist die von Siemens patentierte Erkennungstechnologie SIARC: Die Geräte messen permanent das Hochfrequenz(HF)-Rauschen von Spannung und Strom in deren Intensität, Dauer und den dazwischenliegenden Lücken. Ein integrierter Mikrocontroller wertet diese Signale aus und veranlasst bei Auffälligkeiten innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde das Abschalten des angeschlossenen Stromkreises.

 

Mit dem Brandschutzschalter 5SV6 präsentiert Siemens als erster Hersteller bereits die dritte Produktgeneration für präventiven Brandschutz und damit eine neue Innovation: Der AFDD 5SV6 ist das erste Gerät am IEC-Markt mit integriertem Leitungsschutzschalter in nur einer Teilungseinheit (statt bisher 2 TE). Aufgrund seiner besonders schmalen Bauform lässt sich der Schalter besonders platzsparend in Verteilersysteme einbauen: Bei neuen Elektroinstallationen spart dies 50 Prozent Platz, verglichen mit der Installation von zwei separaten Geräten.

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