#WeAreStillIn: Die Klimadiplomatie der Städte

Um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen und CO2-Emissionen zu reduzieren, engagieren sich Stadtoberhäupter als wichtige Akteure auf dem internationalen diplomatischen Parkett – gestärkt durch jahrzehntelange internationale Vernetzung und Aktivismus.

Städte stehen bei der Bewältigung des Klimawandels an vorderster Front. Sie sind die größten Energieverbraucher und stoßen einen Großteil der Treibhausgase aus. Gleichzeitig sind ihre ständig wachsenden Bevölkerungen auch besonders gefährdet durch steigende Meeresspiegel und Überschwemmungen, Dürreperioden, sengende Hitze, eisige Kälte und andere extreme Wetterphänomene. 

 

Schon seit Jahrzehnten haben sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der großen Weltstädte in Initiativen und Netzwerken wie ICLEI (gegründet 1990) oder C40 Cities (gegründet 2006) zusammengeschlossen, um durch den Austausch über  erfolgreiche Projekte und die Nutzung ihres schöpferischen, innovativen Potenzials gemeinsam eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Sie sind bestens vernetzt und wissen, dass Veränderung in Städten besonders wirksam ist.

 

Als die USA im Juni 2017 ihre Absicht bekannt gaben, vom Pariser Abkommen zurücktreten zu wollen, bildete sich sofort eine beeindruckende Koalition von 380 US-amerikanischen Bürgermeistern – gemeinsam mit Staats-, Stammes- und Wirtschaftsführern und namhaften Wissenschaftlern – und erklärte: „We are still in! – Wir bleiben drin!“ (Streng genommen dürfen die USA frühestens am 4. November 2019 den Rücktritt vom Pariser Klimaabkommen offiziell einreichen, welcher erst ein Jahr später in Kraft treten würde.)

Klimastrategie der vernetzten Städte

Seither setzen sich mehrere mächtige, nichtstaatliche Initiativen dafür ein, dass in den USA auch weiterhin klimafreundliche Strategien und Technologien umgesetzt und gefördert werden.

 

Eine davon ist America’s Pledge, unter der Leitung von Michael Bloomberg, Sondergesandter des UN-Generalsekretärs für Städte und Klimawandel und ehemaliger Bürgermeister von New York City, und Edmund Brown, Gouverneur von Kalifornien. Es handelt sich um eine Plattform, welche die Aktivitäten von nicht-nationalen Akteuren in den USA zusammenfasst und quantifiziert, um so die Vorgaben des Pariser Abkommens bis 2025 zu erfüllen.

 

Eine weitere ist Mayors National Climate Agenda, kurz: Climate Mayors, ein Netzwerk von mehr als 400 US-Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die gemeinsam an der Förderung und Unterstützung lokaler Initiativen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen arbeiten.

Starke Präsenz auf Klimakonferenzen

Als die Zeit kam, den USA eine Stimme auf dem internationalen Parkett zu geben, waren diese Städtediplomaten bereit: Auf der COP 23-Klimakonferenz in Bonn im November 2017 war America’s Pledge ein sichtbarer und lautstarker Verfechter der Klimadiplomatie. „Die Gruppe amerikanischer Städte, Staaten und Unternehmen, die dem Pariser Abkommen verpflichtet bleiben, vereinen eine größere Wirtschaftskraft als jede Nation außerhalb der USA und Chinas“, betonte Michael Bloomberg auf der Veranstaltung. „Zusammen werden sie dafür sorgen, dass die USA im Kampf gegen den Klimawandel weiterhin eine weltweit führende Rolle spielen.“

Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, arbeitet Chicago mit Städten im ganzen Land und auf der ganzen Welt zusammen, um sich der Herausforderung des Klimawandels zu stellen.
Rahm Emanuel, Bürgermeister von Chicago

Ein weiterer wichtiger Schritt: Im Dezember 2017 trafen sich mehr als 50 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Chicago zum ersten Nordamerikanischen Klimagipfel, der von Bürgermeister Rahm Emanuel ausgerichtet wurde. Bei der Veranstaltung betonte er: „Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, arbeitet Chicago mit Städten im ganzen Land und auf der ganzen Welt zusammen, um sich der Herausforderung des Klimawandels zu stellen.“ Die Gastgeberstadt bewies, dass sie bereits auf dem richtigen Weg ist: Zwischen 2005 und 2015 reduzierte Chicago die CO2-Emissionen um 11 Prozent und erfüllte damit schon die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens zu 40 Prozent.

Wirksame und verbindliche Maßnahmen: neue Verträge, neue Standards

Der Nordamerikanische Klimagipfel fand in Zusammenarbeit mit dem Global Covenant of Mayors for Climate and Energy statt, welcher zuvor auf der COP 23 einen neuen, transparenten Standard zur Erhebung von Treibhausgasemissionen für Städte und Gemeinden angekündigt hatte. Dieser Berichtsrahmen wird Beiträge und Maßnahmen zum Klimaschutz quantifizierbar und vergleichbar machen und ermöglicht so, dass der kollektive Fortschritt bei der Erfüllung des Pariser Klimaabkommens überhaupt nachverfolgt werden kann.

 

Nach dem Klimagipfel in Chicago unterzeichneten 67 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die Chicago Climate Charter. Mit dieser rechtlich bindenden Vereinbarung verpflichteten sie sich beispielsweise, die CO2-Emissionen im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen zu reduzieren; die städtischen Emissionswerte zu quantifizieren und vierteljährlich zu veröffentlichen; eine neue klimafreundliche Wirtschaft anzustreben; und ganzheitliche Lösungen für Klimaschutz und Resilienz zu entwickeln. Der Vertrag enthält auch spezifische Handlungsaufforderungen, beispielsweise für Investitionen in öffentliche Verkehrssysteme oder einen raschen, bezahlbaren Zugang zu erneuerbaren Energien und eine geringere CO2-Bilanz in neuen und bestehenden öffentlichen und privaten Gebäuden und Infrastrukturen. Eine der ersten Unterzeichnerinnen war übrigens die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, als derzeitige Vorsitzende der C40-Cities-Gruppe.

 

Ohne Frage: Städtische Entscheidungsträger in den USA und auf der ganzen Welt kommen mit großem Engagement ihrer Verantwortung nach. Vielleicht wird am Ende  die Diplomatie der Bürgermeister die entscheidende Rolle für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens spielen.

12.04.2018

Text: Barbara Simpson, Journalistin in Zürich.

Bilder: Shutterstock

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