Die Blue Line rüstet auf: Auf Vertrauen lässt sich bauen

Der massive Ausbau des Nahverkehrs in Bangkok ist Teil des ehrgeizigen Entwicklungsplans Thailands. Die Blue Line - Bangkoks erste U-Bahn - soll demnach bald eine halbe Million Fahrgäste pro Tag befördern. Der Leiter von Siemens Mobility vor Ort weiß, wie das gelingen kann...

 

Rushhour in Bangkok. Stoßstange an Stoßstange schmiegen sich die Autos aneinander, als hätten sie alle ein einziges Ziel. Die verbleibenden Zentimeter werden vollständig von Motorrädern erobert. Ein einziger zäher Brei, der sich nur langsam vorwärts bewegt. Für viele Menschen in Bangkok ihr täglich Brot. Und das kann problematisch werden, wenn Pünktlichkeit gefordert ist, um tatsächlich seine Brötchen zu verdienen.

Und mitten im Trubel: Tomasz Mazur. Nach Thailand zu gehen, war eine bewusste Entscheidung, die er vor zehn Jahren traf und er hat sie nie bereut. Ursprünglich stammt er aus Polen. Nach einer langen Zeit in Deutschland hat er Projekterfahrung in Europa und China gesammelt. Schließlich suchte er nach einer neuen Herausforderung, einem anderen Umfeld und einer ihm fremden Kultur. Dies alles fand er in Bangkok. „Ich fand es so spannend und war sehr neugierig“, erinnert sich Tomasz Mazur. Heute, zehn Jahre später, empfindet er dies noch immer so. Mazur ist Leiter von Siemens Mobility in Thailand – eine Position in die er Schritt für Schritt hineingewachsen ist. Seine momentane Herausforderung ist die Erweiterung der „Blue Line“, der ersten U-Bahn Linie in der thailändischen Hauptstadt, die vor vierzehn Jahren in den Betrieb ging.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Inzwischen weiß Mazur nur zu gut, dass für asiatische Kunden zwei Dinge sehr wichtig sind. „Wir bei Siemens müssen nicht nur in Bezug auf die Bereitstellung zuverlässig sein, sondern auch im Hinblick auf die Kenntnis und die Unterstützung unserer Kunden“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass Siemens den Zuschlag für die Erweiterung der U-Bahn-Linie „Blue Line“ in Bangkok erhielt, weil das Unternehmen diese Kriterien erfüllt. Bereits im September letzten Jahres bekam Siemens von den Betreibergesellschaften Bangkok Expressway und Metro Public Company Limited (BEM) sowie deren Mutterkonzern Ch. Karnchang Public Company Limited, einem Bauunternehmen, den Auftrag für die Erweiterung der U-Bahn. Dabei handelt es sich um ein schlüsselfertiges Projekt. Der Lieferanteil von Siemens umfasst 35 dreiteilige Metro-Züge, die Signaltechnik, die Bahnstromversorgung und die komplette Ausrüstung des Depots und der Werkstatt.

 

Da die Verfügbarkeit von Zügen für die Kosteneffizienz der Verkehrssysteme entscheidend ist, erhielt Siemens auch den Zuschlag für die Wartungs- und Serviceleistungen bis 2029. Dr. Sombat Kitjalaksana, Geschäftsführer von BEM: „Siemens ist einer der wenigen Anbieter weltweit, die eine so hohe Qualität bieten, dass das Unternehmen für uns auch die Wartung und den Service für das Gesamtsystem übernehmen kann.“ Die Entscheidung für Siemens fiel auch auch aus Gründen der Kontinuität. Beide Unternehmen blicken auf eine lange erfolgreiche Zusammenarbeit zurück: Die „Blue Line“ wurde von Siemens bereits 2004 als schlüsselfertiges Schienensystem bereitgestellt. Jeden Tag befördert es etwa 320.000 Fahrgäste über die 20 Kilometer lange Strecke mit 18 Haltestellen. Diese U-Bahn-Linie wird nun um zusätzliche 19 Stationen erweitert und eine Strecke von rund 28 Kilometer Länge bedienen. Prognosen zufolge wird die U-Bahn-Linie nach der Erweiterung bis zu 500.000 Fahrgäste täglich befördern.

Gute Kenntnis des Kunden

Doch Mazur erinnert sich auch an eine schwierigere Phase.  Im Jahr 2007 schrieb der Betreiber von Skytrain eine weitere Station für diese Strecke aus. Nachdem Siemens das Skytrain-Projekt bereits als schlüsselfertige Lösung bereitgestellt hatte, schien es offensichtlich, dass Siemens auch hier ein schlüsselfertiges System anbot. Wie sich jedoch herausstellte, hatte der Kunde andere Vorstellungen, und Siemens verlor den Auftrag an einen Mitbewerber.

 

„Verstehen Sie mich nicht falsch. Wir haben stets ausgezeichnete Arbeit geleistet. Doch das war hier nicht der Punkt. In der asiatischen Kultur, zumal in Thailand, muss auch die Botschaft zwischen den Zeilen gelesen werden. Unzufriedenheit wird hier oftmals durch Rückzug zum Ausdruck gebracht. Man muss dem Kunden sehr aufmerksam zuhören und auf die Hinweise achten, die er gibt“, erläutert Mazur. „Für uns war das eine sehr bewegte Zeit, doch wir haben definitiv daraus gelernt.“ In den letzten drei Jahren konnte Siemens Mobility nicht nur langfristige Wartungsverträge für die U-Bahn-Linien „Blue Line“ und „Green Line“ verlängern, sondern erhielt auch den Zuschlag für mehrere Schienenprojekte mit Zügen, Stromversorgung und Signaltechnik für diese Metro-Nahverkehrsnetze. Zudem wird Siemens Mobility auch die Signaltechnik für die wichtigsten Strecken in Thailand liefern.

 

Im Rahmen des jüngsten Auftrags wird Siemens Mobility das moderne automatisierte People Mover-System vom Typ Airval für den Internationalen Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok realisieren.

Vertrauen durch Erfahrung

Dr. Sombat Kitjalaksana ist schon lange im Geschäft und weiß daher, dass Nahverkehrsprojekte nur mit dem richtigen Partner erfolgreich umgesetzt werden können. „Siemens ist schon sehr lange in Thailand aktiv. Und das Unternehmen kennt die Gegebenheiten vor Ort bestens“, sagt er. „Siemens weiß genau, in welche Richtung Projekte gehen müssen, damit das Land davon profitiert.“ Für Dr. Sombat hat der Ausbau des Nahverkehrssystems in Bangkok eine noch größere Bedeutung: „Bei dieser U-Bahn-Linie geht es nicht nur um die Bedürfnisse der Fahrgäste – es geht dabei um nichts weniger als unsere Wirtschaft. Wenn wir dieses Nahverkehrssystem nicht hätten, wären die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sofort zu spüren.“

Nicht mehr wegzudenken

Als Mazur im Jahr 2006 in Thailand ankam, verfügte Siemens bereits über eine sichtbare Präsenz in Bangkok. Der Skytrain lief seit sechs Jahren und das Nahverkehrsnetz der U-Bahn war schon zwei Jahre in Betrieb. Bei beiden schlüsselfertigen Projekten lief in Bezug auf die Bereitstellungen alles nach Plan. Damals lag der Fokus auf dem Betrieb und der Wartung der Systeme sowie auf der Instandsetzung der Züge. Zudem lieferte Siemens bereits das nächste schlüsselfertige Projekt für die Schienenanbindung zum Flughafen. Während seiner ersten drei Jahre in Bangkok leitete Mazur die Wartung von Skytrain. Später übernahm er die Leitung des Servicegeschäfts für ganz Thailand.

 

„In Bangkok eröffnen sich stets neue Perspektiven“, so Mazur. „Insbesondere die historische Entwicklung des Verkehrssystems in Bangkok ist interessant. Hier habe ich das Gefühl, in Bewegung zu sein, meine eigenen Kompetenzen weiterentwickeln und gleichzeitig ein Team von nahezu 700 Mitarbeitern unterstützen zu können. Diese Aufgabe empfinde ich als äußerst befriedigend. Dabei ist es nicht nur die Position, die mich antreibt. Mich motiviert vor allem die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern bei Mobility und natürlich mit unseren Kunden.“

Die Vision

Jetzt sind Ergebnisse gefragt

Mazur ist davon überzeugt, dass die Erweiterung der „Blue Line“ nach Plan laufen wird. Ein erfahrenes Team für das Projektmanagement wurde bereits eingesetzt. Derzeit befindet sich das Projekt in der Konzeptphase. „Intern sind wir allerdings schon in der Fertigungsphase für diejenigen Komponenten, die nach unserem Wissensstand Bestandteil des Systems sein werden“, erläutert Mazur. Er kennt das Projekt bis ins Detail und sagt, dass ihm die Zusammenarbeit mit den Menschen und der regelmäßige und enge Kontakt zum Kunden und zum Projekt Spaß mache.

 

Auch wenn Bangkok für andere Anbieter von Mobilitätslösungen immer attraktiver wird, so sieht Mazur Siemens klar im Vorteil aufgrund seiner starken Tradition in diesem Bereich und der wachsenden Belegschaft vor Ort. Diese besteht inzwischen zu 90 Prozent aus Thailändern. Mazur besucht alle fünf Standorte in Bangkok regelmäßig, als Führungskraft ist er auch mit den operativen Aspekten des Mobility-Geschäfts vertraut. Aufgrund der täglichen Verkehrssituation in Bangkok sind seine Besuche bei den Standorten nicht gerade einfach. Doch genau deshalb ist Mazur dort – um zur Lösung dieses Problems beizutragen.

17.07.2018

Lesley Nicol

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