Die Zukunft des Autos ist autonom

Olivier Reppert, CEO von SHARE NOW, über die sauberere, kostengünstigere und sicherere städtische Mobilität von morgen mit autonomen, vollelektrischen Fahrzeugen und über die Rolle des Car-Sharings als wichtiger Impulsgeber für die Elektromobilität.

Wie futuristisch wirkt sie eigentlich noch, die Vorstellung, morgens mit einem autonom fahrenden Auto zur Arbeit zu fahren? Mit einem, das einfach um die Ecke biegt, kurz nachdem wir es auf dem Mobiltelefon bestellt haben? Das uns zuerst bei der Arbeit abliefert, danach weitere Passagiere in der Stadt von A nach B bringt und zwischendurch selbstständig zur Ladesäule fährt? Und das nachts zusätzlich unser Paket mit den online bestellten Sneakers vom Logistikzentrum in die Stadt transportiert?

 

Die Zukunft des Automobils wird autonom sein, und sie wird elektrisch sein – daran haben wir bei SHARE NOW keinen Zweifel. Wie das kleine Beispiel vom Anfang zeigt, wird sich damit auch die Art und Weise, wie wir das Auto in der Stadt nutzen, grundlegend verändern.

 

Diese Zukunft ist heute gar nicht mehr so weit entfernt wie es vielleicht scheint. Autobauer und -zulieferer, Wissenschaftler und diverse Branchenneulinge rund um den Globus arbeiten unter Hochdruck an der Entwicklung selbstfahrender Autos, effektiverer Energiespeicher und neuer Mobilitätskonzepte. Weltweit gibt es Modellversuche mit autonom fahrenden Autos, und auch die für die Elektromobilität essentielle Ladeinfrastruktur wird massiv ausgebaut.

Car-Sharing macht aus Stehzeugen Fahrzeuge

Für die Bewohner größerer Städte ist diese Zukunftsvision des elektrischen, autonomen Fahrens eine in mehrfacher Hinsicht sehr gute Nachricht. Viele Ballungsräume auf der ganzen Welt stehen vor der gleichen Herausforderung: Die Bevölkerung wächst rasant, und mit ihr der Bedarf an innerstädtischer Mobilität. Damit nimmt die Belastung durch den Verkehr zu, mangelnder Parkraum, Staus, Lärm und Luftverschmutzung sind die Folge. Selbstfahrende, vollelektrische Autos werden die städtische Mobilität dagegen sauberer, kostengünstiger und nicht zuletzt sicherer machen.

 

Die meisten Autobesitzer wissen aus eigener Erfahrung, dass Privatfahrzeuge im Durchschnitt mehr als 23 Stunden am Tag ungenutzt herumstehen. Ein Car-Sharing-Fahrzeug von SHARE NOW wird schon heute bis zu 15 Mal pro Tag angemietet und kommt somit auf erheblich höhere Auslastungen. Einer Studie der Universität Berkeley zufolge ersetzt ein einzelnes Car-Sharing-Auto so bis zu acht private Fahrzeuge auf den Straßen, verringert dadurch die Verkehrsbelastung in den Städten und gibt zusätzlich Parkraum frei. Ein autonomes Car-Sharing-Fahrzeug der Zukunft wird nahezu rund um die Uhr in Bewegung sein. Die positiven Effekte des Car-Sharings auf den innerstädtischen Verkehr und Parkraum werden sich damit nochmals vervielfachen.

Viele Millionen nicht gefahrene Kilometer  

Allein der Parksuchverkehr macht heute fast ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs aus. Eine halbe Stunde um den Häuserblock kurven, bis sich doch irgendwann eine Lücke findet – das ist der Status Quo. Umso verlockender erscheinen die immensen Auswirkungen auf das Leben in der Stadt, wenn dieser Verkehr einfach verschwindet, weil die autonomen Autos der Zukunft entweder gar nicht mehr parken, oder weil sie intelligent zum nächsten freien Parkplatz gelotst werden. Viele Millionen nicht gefahrene Kilometer – was für ein enormer Gewinn für die Innenstädte. Ähnlich groß werden die Auswirkungen auf die Luftqualität sein, wenn der Großteil der Fahrzeuge in unseren Städten mit einem elektrischen Antrieb unterwegs sein wird.

 

Diese autonome und elektrische Zukunft wird für das Konzept des Car-Sharings ein Quantensprung sein. Ich bin außerdem der festen Überzeugung, dass das Car-Sharing von dieser Entwicklung nicht nur profitieren wird, sondern dass es den Durchbruch sowohl des autonomen Fahrens als auch der Elektromobilität aktiv vorantreibt.

 

Schauen wir zuerst auf die Elektromobilität. Rein elektrische Car-Sharing-Flotten, wie SHARE NOW sie in Stuttgart, Madrid, Amsterdam und Paris betreibt, leisten schon heute ganz konkrete Beiträge, um das gesamte System der Elektromobilität zu befeuern. Von den privaten Interessenten für den Kauf eines E-Autos haben manche erst einmal wieder Abstand von dem Plan genommen, weil es in ihrer Stadt kaum öffentliche Ladesäulen gibt. Das liegt vermutlich daran, dass der Aufbau der Infrastruktur für die Städte ein eher zähes Zuschussgeschäft ist, weil noch zu wenige E-Autos auf den Straßen unterwegs sind. Die Städte zahlen also erstmal drauf. 

 

Unsere elektrisch betriebenen Car-Sharing-Flotten sorgen dagegen als eine Art Impulsgeber dafür, dass neu aufgebaute Ladenetze in den Städten von Beginn an ausgelastet sind. In den SHARE NOW Standorten Stuttgart und Amsterdam und auch am neuen Standort in Paris gibt es heute ein dichtes Netz an Ladesäulen, das auch die Hürden für die potenziellen privaten Käufer eines E-Autos senkt. Mit verschiedensten eigenen Maßnahmen arbeiten Städte wie Madrid oder Stuttgart längst daran, die Elektromobilität im Stadtgebiet weiter zu fördern.

Ein Hochleistungs-Praxistest für Elektrofahrzeuge

Elektrisches Car-Sharing baut zudem erste Berührungsängste mit der Elektromobilität ab. So haben hunderttausende Kundinnen und Kunden, die bei SHARE NOW erstmals mit einem Elektroauto unterwegs gewesen sind, festgestellt: tolles Fahrerlebnis, völlig alltagstauglich. Auch für unsere Shareholder Daimler und BMW liefert dieser „Hochleistungs-Praxistest“, den unsere Elektrofahrzeuge Tag für Tag absolvieren, wichtige Erkenntnisse in Sachen Batterien und Antriebstechnologie. Und zu guter Letzt profitieren auch weitere Unternehmen, die sich etwa um innovative Ladekonzepte kümmern, von unserem „Experimentierfeld der Elektromobilität“. Unser elektrisches und stationsunabhängiges Car-Sharing bringt also die Elektromobilität als Ganzes auf verschiedenen Ebenen voran.

 

Ähnliches leistet Car-Sharing auch, wenn es um das autonome Fahren geht. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren bei SHARE NOW große Erfahrungen darin gesammelt, Fahrzeugflotten mit vielen hundert Autos in einer Stadt zu managen. Wir wissen, wie man höchsteffizient und softwarebasiert die Wartung und Pflege organisiert und so die bestmögliche Verfügbarkeit für die Kundinnen und Kunden auf den Straßen herstellt. Ein enormer Vorteil, wenn wir eines Tages eine autonome Fahrzeugflotte haben.

Viele Millionen nicht gefahrene Kilometer – was für ein enormer Gewinn für die Innenstädte.
Olivier Reppert, CEO von SHARE NOW

In den Startlöchern für die autonome, vollelektrische Zukunft  

Gleiches gilt für die so genannte “Demand Prediction“. Wir können bereits heute kontinuierlich die Nachfrage in allen SHARE NOW Städten per lernendem Algorithmus prognostizieren und damit schon vorher sehr genau einschätzen, wann und wo die Kunden demnächst ein Auto von uns benötigen werden. Die Fahrzeuge können dann vorab dort hinbewegt werden – derzeit noch durch Servicemitarbeiter, in der Zukunft aber werden autonome Fahrzeuge selbstständig dort hinfahren. Dabei müssen alle Fahrzeuge der Flotte intelligent und zentral gesteuert werden, um sie bestmöglich, mit möglichst wenigen Leerfahrten und entsprechend der vorhergesagten Nachfrage im Stadtgebiet zu verteilen. Diese „Flottenintelligenz“ wird das Herzstück einer autonom fahrenden Car-Sharing-Flotte sein.

 

Für SHARE NOW ist das keinesfalls nur Zukunftsmusik. Wir haben diese ausgeklügelte Logik bereits heute im täglichen Einsatz, um die Flotten optimal über die Geschäftsgebiete zu verteilen. Und schon heute läuft diese Steuerung für die meisten unserer Städte zentral, datenbasiert und komplett automatisiert ab.

 

Wenn es eines Tages soweit ist und wir eine Flotte aus autonomen Fahrzeugen aufbauen, dann werden wir auf diese unschätzbaren Erfahrungen beim Flottenmanagement, der Demand Prediction und der Flottenintelligenz zurückgreifen können. Wir stehen also in den Startlöchern für die autonome, vollelektrische Zukunft des Car-Sharing. Für Nutzerinnen und Nutzer wird es eines Tages ganz normal sein, sich von einem autonom fahrenden Car-Sharing-Fahrzeug ins Büro fahren zu lassen, dabei entspannt die Zeitung zu lesen oder schon mal die Termine für den Tag durchzugehen. Und das sind nun wirklich keine schlechten Aussichten, oder?

11.06.2019

Bildquellen: SHARE NOW

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