Service: In der Boxengasse

Rund um den Globus sind Service-Experten von Mobility Services im Einsatz. Mit innovativen Lösungen kümmern sie sich um die Instandhaltung von Verkehrssystemen und Technik aller Art – immer mit dem Ziel dauerhaft hoher Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Zahlreiche Beispiele zeigen die ganze Vielfalt dieser Aufgabe.

Seit Mobilität immer komplexer wird, fokussieren sich Verkehrsbetriebe zunehmend auf den Transport von Menschen und Gütern als ihr eigentliches Kerngeschäft und überlassen Planung, Durchführung und Überwachung der Technik kompetenten Service-Partnern. Siemens hat daher seinen Mobility Service so aufgestellt, das er über den gesamten Produkt-Lebenszyklus hinweg die Verfügbarkeit von Verkehrssystemen sichern kann – von Test und Inbetriebsetzung in Siemens-eigenen Prüfzentren über die Instandhaltung mit umfassendem Ersatzteilmanagement bis hin zu Reparatur und Verlängerung der Lebensdauer durch Aufbereitung und Modernisierung älterer Systeme. Dazu sammelt der Service umfangreiche elektronische Daten: Sensoren, Kontrolleinheiten oder Kameras erfassen weltweit Betriebs- und Umfelddaten – vorrangig von verschleißanfälligen Bauteilen. 

Prädiktiv statt korrektiv – innovative Instandhaltung

Intelligente Software analysiert diese Daten, um Trends auch über verschiedene Projekte hinweg zu erkennen. So lassen sich Fehlerquellen früh identifizieren und Instandhaltungsaufgaben zielgerichtet einleiten. Dieses „Data Mining“ ermöglicht auch vorausschauende Instandhaltung, „Predictive Service“ genannt, indem etwa Abnutzungserscheinungen erkannt werden, bevor das entsprechende Bauteil einen kritischen Zustand erreicht. In der Praxis tauscht oder repariert der Service also Teile nicht mehr routinemäßig, sondern nur dann, wenn es wirklich sinnvoll ist – das sichert dem Betreiber hohe Betriebssicherheit und maximale Verfügbarkeit bei geringen Servicekosten. Zudem lassen sich die Arbeiten exakt planen: Rollt ein Zug ins Depot, liegen die Ersatzteile schon bereit.

Bangkok: Komplett-Service für Skytrain und U-Bahn

Der stationäre Werkstattservice hat deshalb nicht ausgedient. So in Thailands Hauptstadt Bangkok, die mit der Skytrain genannten „Green Line“, der U-Bahn „Blue Line“ und dem Airport Rail Link über drei der modernsten Verkehrssysteme der Welt verfügt. Siemens ist hier nicht nur für die Errichtung der Systeme verantwortlich, sondern hat die Instandhaltung der 33 Kilometer langen Skytrain-Strecke, der 35 klimatisierten Metrozüge, der Signal- und Stellwerksausrüstung, der Betriebsleitzentrale und der Stromversorgung übernommen. Bei der U-Bahn im Zentrum Bangkoks umfasst die Instandhaltung unter anderem das automatische Fahrgelderhebungs- und Zugangskontrollsystem (AFC), den gesamten Fahrzeugpark, die Depot- und Werkstattausstattung, Signaltechnik, Stromversorgung, die 432 Bahnsteigtüren, das Fahrweg- und Stromschienensystem, die Störungsmeldezentrale sowie Einkauf, Logistik und Lagerverwaltung und einiges mehr.

Nach Maß: Servicekonzepte für Russland und Spanien

Oft greifen die Zuständigkeiten zwischen dem Siemens-Service und Mitarbeitern des Kunden oft eng ineinander, wie die Servicekonzepte rund um die Velaro-Hochgeschwindigkeitszüge in Russland und in Spanien zeigen.

 

In Russland etwa verkehrt seit Ende 2009 der „Sapsan“ als russische Velaro-Version auf einer 650 Kilometer langen Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg. Pro Jahr legt jeder Zug 400.000 Kilometer zurück und muss im neu errichteten Depot Metallostroy bei St. Petersburg (siehe como 9/2012) entsprechend instand gehalten werden – daraus resultiert eine Verfügbarkeit von über 98 Prozent. „Predictive Maintenance“ ist hier selbstverständlich, sämtliche Instandhaltungsaktivitäten werden mit einem weltweit einheitlichen Computerized Maintenance Management System (CMMS) geplant, durchgeführt und überwacht. Ein Charter-Rail-Vertrag regelt eine sehr enge Kooperation mit der Bahngesellschaft RŽD.

Ähnlich in Spanien: Seit 2008 liegt die Instandhaltung der 26 spanischen Velaro E ebenso wie die Reinigung der Züge und die Instandhaltung der Werkstätten in den Händen von „NERTUS“, einem Joint Venture mit der spanischen Eisenbahngesellschaft RENFE. Damit der Betrieb reibungslos klappt und weiterhin Rekordtempo von über 300 km/h gefahren werden kann, arbeiten die Mitarbeiter täglich in drei Schichten rund um die Uhr. Dazu erweiterte Siemens bestehende Depots unter anderem um moderne Anlagen, mit denen sich Drehgestelle unter dem Zug innerhalb weniger Stunden wechseln lassen. Heute steuert auch hier das CMMS alle Instandhaltungsarbeiten, und die Verfügbarkeit des spanischen Velaro-Zuges liegt bei nahezu 100 Prozent. Das fördert ganz wesentlich die Pünktlichkeit – sicher einer der Gründe dafür, dass der Hochgeschwindigkeitszug zwischen Madrid und Barcelona dem Flugzeug den Rang abgelaufen hat.

Großbritannien: Boxenstopp für Züge und Verkehrsampeln

Im Vereinigten Königreich wiederum weist der Service für Schiene und Straße durchaus Gemeinsamkeiten auf. Hier führt Siemens Rail Services die Instandhaltungsaktivitäten für die fast 400 Desiro-Regionalzüge und die Züge anderer Hersteller nach dem Boxenstopp-Prinzip durch, fast wie bei modernen Autorennen: Melden Sensoren von unterwegs, dass bestimmte Komponenten abweichende Messwerte liefern, werden diese Teile beim nächsten Depotaufenthalt sofort ausgetauscht. Das verkürzt den Aufenthalt der Züge enorm – und die Siemens-Züge werden regelmäßig für ihre Zuverlässigkeit und hohe Verfügbarkeit ausgezeichnet.

Die Hauptstadt London nutzt servicefreundliche Siemens-Technik aber auch für den Straßenverkehr: Mautzonen dienen der Verkehrsvermeidung in der City, Beobachtungs- und Steuerungssysteme liefern Onlinedaten zur Verkehrssteuerung, intelligente Beleuchtungssysteme sparen Ressourcen und Kosten. Das brachte vor einiger Zeit auch die Verkehrsbehörde der Industriestadt Manchester auf die Idee, einen neuen Servicevertrag für Instandhaltung und Betrieb der Verkehrsleitzentrale nach anderen Kriterien zu vergeben: Die Konditionen fokussieren sich nicht mehr auf die Reaktionszeit im Servicefall, sondern auf Energieeffizienz und Ausfallsicherheit und fordern für die Lichtsignalanlagen 97,7 Prozent Verfügbarkeit. Hier ersetzte Siemens rund 20.000 Leuchtenköpfe durch stromsparende LED-Leuchten und tauschte 600 ältere Steuerungseinheiten aus. Die Ausfallrate der Verkehrsampeln sank schnell um 30 Prozent – und im Verbund mit den gesunkenen Energiekosten kann Transport for Greater Manchester einen hohen sechsstelligen Betrag einsparen.

SmartGuard: Verkehrsmanagement in der „Cloud“

Will ein Betreiber seine Verkehrsmanagement-Anwendungen mieten, statt sie zu kaufen, ist das Application Service Providing (ASP) von Siemens Road Services die intelligente Alternative: Mit SmartGuard, einem web-basierten Add-on zur Verkehrszentrale Sitraffic Scala, lassen sich per Internet-Browser und Private Cloud die Funktionen von Sitraffic Scala aufrufen, um direkt auf Lichtsignalanlagen (LSA), Detektoren und Parkhausmanagement zugreifen und sich mit wenigen Mausklicks einen kompletten Überblick über ihr gesamtes System verschaffen zu können. Der zentrale SmartGuard-Server erhält seine Daten vom Scala-System der jeweiligen Stadt, steht aber beim Siemens-Service in München. Passwortanmeldung und Einmal-Kennwort wie beim Online-Banking sorgen für höchste Sicherheit. Derzeit absolviert SmartGuard seine Bewährungsprobe in einem Pilotprojekt in Karlsruhe.

 

Maßnahmen wie diese dämpfen spürbar die Aufwendungen für die Instandhaltung von Verkehrstechnik und Infrastruktur: Die Lebenszykluskosten sinken, die Wirtschaftlichkeit steigt. Unter dem Strich können alle Beteiligten nur gewinnen.

2015-10-01

Eberhard Buhl

Picture credits: Siemens AG / Video: Siemens AG

 

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