Willkommen auf dem ITS World Congress 2019

Urbane Mobilität wird sich radikal verändern, denn Städte wachsen permanent. Damit sie nicht im Verkehr versinken, muss dieser zentral gesteuert werden. In Singapur präsentiert Siemens Mobility Konzepte, die neben zukunftsweisenden Maßnahmen auch Lösungen für das Verkehrsmanagement von heute bieten.

Je nach vorhandenem Mobilitätskonzept führt ein Anstieg des Stadtverkehrs zu unterschiedlichen Herausforderungen. Besonders groß sind diese im asiatischen Raum, wo Megacities oft über eine gewachsene Infrastruktur ohne Spurverkehr oder zentrale Steuerung verfügen. In manchen Metropolen ist die Situation so verfahren, dass sie mit der bestehenden Infrastruktur nicht mehr vereinbar ist. In diesem Zusammenhang wird derzeit sogar der Neubau ganzer Städte diskutiert.

Der Gegenentwurf zu solch drastischen Maßnahmen ist eine proaktive, zentrale und automatisierte Steuerung des Verkehrs durch ein übergeordnetes Management System. Denn Umweltschutz, Verkehrsfluss und Lebensqualität sind auch in Zukunft realisierbar – wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Dazu gehören:

  1. Vernetzte Verkehrsteilnehmer und intelligente Sensoren, welche die Straße mit dem IoT verbinden.
  2. Ein System, das all diese Informationen sammelt, auswertet und aufgrund der Daten optimale Strategien entwirft und so den Verkehr regelt.
  3. Virtuelle Schilder, Ampelanlagen und Apps, die Verkehrsteilnehmer anhand des aktuellen Bedarfs lenken.

Doch all das kann nur funktionieren, wenn sich sämtliche Verkehrsteilnehmer auch an die Regeln halten. Werden Ampeln lediglich als Unterhaltungsangebot wahrgenommen, nützt selbst das beste Verkehrsleitsystem nichts. In allen Punkten übernimmt Singapur derzeit die Vorreiterrolle. Bereits vor 20 Jahren hat der Inselstaat begonnen, die Voraussetzungen für eine vernetzte Infrastruktur zu schaffen und treibt diese Entwicklung seitdem konsequent voran. Bis 2030 wird im Schnitt alle zwei Monate eine neue U-Bahn-Station eröffnet. Zudem verkehren im Stadtgebiet 850 Buslinien mit knapp 6.000 Bussen. Denn um den Verkehr in den Städten zu reduzieren, muss der individuelle Nahverkehr zurückgefahren werden und durch möglichst attraktive öffentliche Verkehrsmittel ersetzt werden. Dieses Prinzip wird nirgendwo so konsequent umgesetzt wie in Singapur. Doch wie genau funktioniert das?

Die Besonderheiten von Singapur

Geht es um das Thema urbane Mobilität, wird Singapur oft als leuchtendes Beispiel genannt. Das ist gleichermaßen richtig und falsch. Denn zum einen ist Singapur im Verkehrsmanagement wirklich führend, zum anderen gibt es hier eine sehr spezielle Konstellation, die sich nicht einfach reproduzieren lässt.

Fred Kalt, Managing Director ITS Asia Pacific bei Siemens Mobility mit Sitz in Singapur vergleicht die Organisation der Stadt gern mit einem gut strukturierten Unternehmen. Denn genauso klar sind die Strategien in Singapur formuliert. So stellte der Premier Minister unlängst eine Strategie für die nächsten 100 Jahre vor, z.B. für Massnahmen zum Thema Klimawandel. Davon abgeleitet wird sehr präzise definiert, welche Gesellschaftsbereiche welche Aufgaben übernehmen. Eine stabile politische Konstellation kombiniert mit ausreichenden finanziellen Mitteln ermöglicht es, die Pläne auch umzusetzen. Hinzu kommt die asiatische Kultur, in der die Gemeinschaft die wichtigste Rolle einnimmt. Dadurch werden Maßnahmen, die einzelne Individuen beschränken, aber große Vorteile für alle bringen bereitwillig akzeptiert. An erster Stelle ist dabei der Verzicht auf private Autos zu nennen. Der Grund dafür sind schlicht äußerst unbequeme Rahmenbedingungen für die Anschaffung eines Autos. Die Folge: In einer Stadt mit 5,5 Mio. Einwohnern besitzen weniger als 10% der Menschen ein Auto. Doch damit kann man sich hier leicht arrangieren, denn die Regierung hat es geschafft, Lösungen anzubieten die so attraktiv sind, dass sie den Besitz eines Privatautos ökonomisch sinnlos werden lassen. Die öffentlichen Verkehrsmittel wurden bereits genannt, hinzu kommen drei Ride Hailing- und mehrere Taxi-Unternehmen, die zu extrem günstigen Konditionen operieren und im Schnitt in ca. 5 Minuten zur Verfügung stehen. Davon abgesehen gilt die Zulassung für ein Auto nur zehn Jahre lang. Beschließt die Regierung, ab sofort nur noch Elektroautos zuzulassen, ist in zehn Jahren der letzte Benzinmotor automatisch verschwunden.

 

Damit bildet Singapur den perfekten Rahmen für den ersten Digitalisierungs-Hub für Road Solutions von Siemens Mobility. Ein Kompetenzzentrum, das die Umsetzung bestehender Technologien sowie die Entwicklung neuer Lösungen vorantreibt.  Dazu gehören Tunnelmanagement- und Expressway-Systeme genauso wie Verkehrsmanagement-Lösungen im urbanen Bereich. Ein Reseach Collaboration Agreement mit dem Forschungsinstitut in Singapur dient dem Zweck, die nächste Generation von Verkehrsmanagement-Lösungen mitzugestalten. Einige dieser Lösungen wird Siemens Mobility auf dem ITS World Congress präsentieren.

 

Denn auch wenn Singapur im wahrsten Sinne des Wortes eine Insellösung darstellt, zeigt die Stadt auf, was möglich ist, wenn alle Mobilitätsbereiche optimal zusammenarbeiten. Und davon lassen sich durchaus auch Erkenntnisse für die Zukunft der Mobilität in anderen Städten ableiten. 

Die vier Meilensteine zur Smart City

Laut Fred Kalt führen vier Schritte zur vernetzten Verkehrsstadt: Zuerst muss die Infrastruktur in Form von Straßen und IT-Lösungen bereit gestellt werden, dann geht es darum, die nötige Technologie zu entwickeln und Prozesse zu optimieren, die eine Zulassung von z.B. autonomen Verkehrsmitteln ermöglichen. Parallel dazu gilt es, die Akzeptanz der Bevölkerung für diese Maßnahmen zu gewinnen. Doch selbst wenn das in Singapur gut funktioniert, ist hier nicht alles perfekt. Mit der starken Konzentration auf den öffentlichen Nahverkehr wurde der Straßenverkehr in den letzten Jahren etwas vernachlässigt. Das soll sich jetzt ändern. Denn bis 2030 werden sämtliche Busse in Singapur sowohl autonom als auch demand responsive sein. D.h. sie sind ohne Fahrer unterwegs und stoppen nicht an vorgegebenen Haltestellen, sondern sie orientieren sich am individuellen Bedarf der Nutzer, die ihren Bus per App buchen. Im Jahr 2023 sollen erste Testläufe in drei Stadtbezirken durchgeführt werden. Wie das genau aussieht und welche Technik dafür nötig ist, können Sie sich im Rahmen der Messe auf dem „CETRAN“ Testfeld ansehen. Dazu veranstaltet Siemens Mobility diverse Vorträge und Special Interest Sessions sowie ausführliche Pressekonferenzen.

Nur weil ein Auto autonom ist, heißt das nicht, dass es keinen Stau verursacht.
Fred Kalt

Unter dem technischen Aspekt sind autonome Fahrzeuge eine beachtliche Errungenschaft. Doch erst, wenn sie eine echte Alternative zum Individualverkehr ermöglichen, reduzieren sie die Verkehrsbelastung in den Städten. Dafür ist jedoch eine umfangreiche IT- und Kommunikationsinfrastruktur nötig wie z.B. ein stabiles 5G Netz, das die Vehicle 2X Communication in Echtzeit ermöglicht. Steht das technische Setup, gilt es die Akzeptanz der Bevölkerung zu gewinnen. Ein Punkt, der besonders im stark vom Auto geprägten Deutschland noch einiges an Überzeugungsarbeit erfordert.

 

Fred Kalt sagt dazu: „In Deutschland hatte ich und brauchte ich ein Auto. Hier in Singapur habe ich seit zwei Jahren keines mehr. Und ich lebe nicht schlecht damit, denn in Summe ist das wesentlich günstiger, stressfreier und einfacher. Außerdem muss ich keinen Parkplatz suchen oder eine KFZ-Versicherung bezahlen“. Doch die Verbindung zwischen Fred Kalt und dem Verkehr in Singapur geht noch wesentlich tiefer: Aus Dankbarkeit, dass seine Frau bei der Geburt das Krankenhaus rechtzeitig erreichte und alles gut verlief, gab er seinem Sohn den Namen des Stadtwappens – Merlion – der Löwe aus dem Meer.

 

In einem Flächenstaat wie Deutschland dagegen wird es auch in Zukunft Signalanlagen, Oldtimer, Staus und Mischverkehr geben. Die Herausforderung besteht hierzulande darin, die verschiedenen Standards und Systeme aller Verkehrsteilnehmer zu verbinden, sodass ein effektives Gesamtsystem entsteht.

 

Singapur ist da bereits einen Schritt weiter. Die Metro Einkäufe des täglichen Bedarfs oder die berühmten Wasserkisten werden online bestellt und wenige Stunden später ohne Aufpreis an die Haustür geliefert. Auch das erleichtert den Umstieg auf neue Mobilitätslösungen. Wo Siemens Mobility diese unterstützt und vorantreibt, sehen Sie vom 21. – 25. Oktober auf dem ITS World Congress.

 

 

Einige der Fokusthemen beinhalten:

  • Mobility Operating System
  • Self-driving vehicles/Infrastructure for autonomous driving via Vehicle 2X communication
  • Tunnel Management
  • Künstliche Intelligenz im Straßenverkehr
  • Intermodale Mobilität – die Verbindung von öffentlichem und Individualverkehr (MaaS)
  • Verkehrssimulation (Aimsun/TASS)

 

Besuchen Sie uns auf dem Stand 343 und entdecken Sie innovative Lösungen für eine urbane Mobilität, die nicht im Widerspruch zu einem lebenswerten Umfeld steht. Gerne würden wir Sie bei unseren Vorträgen zu Themen wie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im Verkehrsmanagement, Vehicle-to-X (V2X) Kommunikation begrüßen dürfen. Bei unseren Technical Tours erfahren Sie zudem mehr über unsere Forschung zu selbstfahrenden Fahrzeugen (SDV).

 

 

Kommen Sie einfach vorbei – wir freuen uns auf Sie!

18.10.2019

Bildquellen: Siemens Mobility GmbH

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