Next Generation Signaling: Fahrplan in die digitale Zukunft

Welches sind die Schlüsselfaktoren im Bereich des automatisierten Fahrens im Fernverkehr? Welche Vorteile bieten Building Information Modeling (BIM) und der „digitale Zwilling“ in der Projektabwicklung? Wie hilft Konnektivität für eine effiziente Leistungsüberwachung von Komponenten an Fahrzeug und Strecke? Und was haben die Passagiere von der Digitalisierung der Schiene? Beim interaktiven Co-Creation BarCamp „Next Generation Signaling – from ATO to Connectivity“ blickte Siemens Mobility mit den Top-Branchenvertretern in die digitale Zukunft des Bahnverkehrs.

„Unser jährliches BarCamp ist ein kollaboratives Format, um gemeinsam mit unseren Kunden zu Innovationen in der Signaltechnik in den Dialog zu gehen“, sagt Gerhard Greiter, Leiter des Segments Mainline Rail Automation der Siemens Mobility. Unter dem Motto „Co-creating new solutions“ diskutierte ein ausgewählter Kreis von Entscheidern aus der Verkehrsbranche gemeinsam mit Siemens Mobility über ausgewählte Zukunftsthemen für Signaltechnik und Bahninfrastruktur. Im Fokus standen das automatisierte Fahren im Fernverkehr, Konnektivität für Infrastruktur und Fahrzeug, Technologien zur digitalen Vermessung von Bahninfrastruktur, sowie die Arbeit mit Hilfe des digitalen Zwillings. Die Teilnehmer konnten sich in die verschiedenen Themen-Sessions einbringen und ihre Inhalte aktiv mitgestalten. „Wir wollen nicht an unseren Kunden ‚vorbeientwickeln‘, sondern einen gemeinsamen Fahrplan entwerfen. Unsere Kunden haben bereits Visionen für ihre digitale Zukunft und wir verstehen uns als maßgeblicher Partner, um diese Schritt für Schritt zu realisieren“, erklärt Greiter den Treiber der Veranstaltung. In einem „Digital Marketplace“ konnten die Teilnehmer einige dieser neuen Technologien anhand von digitalen Exponaten und simulierten Szenarien sogar hautnah erleben und erkunden.

Flexible Kapazitätsoptimierung dank ATO

Gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Stadt Hamburg realisiert Siemens Mobility bereits ein Pilotprojekt für die „Digitale Schiene Deutschland“. Ab 2021 rollen auf einem Abschnitt der Hamburger S-Bahn vier automatisierte Triebzüge, ausgerüstet mit ATO. Das Zugsteuerungssystem Trainguard ATO (Automatic Train Operation) errechnet anhand von Daten aus Infrastruktur, Strecke und Fahrplaninformationen ein optimales Geschwindigkeitsprofil, das zu jeder Zeit den aktuellen Anforderungen entspricht. Der Fahrer bleibt via Display über alle Vorgänge informiert und muss nur noch im Falle von Störungen eingreifen. Das Ergebnis: Der Energieverbrauch sinkt, der Verkehrsfluss und die Kapazität verbessern sich signifikant – und die Fahrgäste freuen sich über einen stabilen Fahrplan und mehr Pünktlichkeit. Hamburg ist damit auf dem Weg zur Modellstadt für moderne Mobilität. Mit dem automatisierten Fahren macht Siemens den Schienenverkehr zuverlässiger, umweltfreundlicher und sicherer.

Konnektivität: die Basis intelligenter Infrastruktur

„Für Sicherheit, erhöhte Effizienz und einen optimierten Verkehrsfluss brauchen wir neben höheren Automatisierungsgraden auch skalierbare Lösungen für ganzheitliche Konnektivität“, erklärt Greiter einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung. Alle Elemente der heutigen Bahninfrastruktur liefern eine riesige Menge an Daten, die sich erheben, speichern und weiterverarbeiten lassen. So bieten sich Infrastrukturbetreibern unzählige Möglichkeiten, sich diese Daten zu Nutze zu machen; von der Optimierung eines ganzen Flottenbetriebes über vorausschauende Wartung und bis hin zur bedarfsgerechten Instandhaltung zum richtigen Zeitpunkt. Siemens Mobility arbeitet an neuen Analysewerkzeugen, die tiefgreifende und gleichzeitig maßgeschneiderte Auswertungen von kundenspezifischen Leistungskennzahlen (KPIs) ermöglichen. Das sogenannte „System Performance Dashboard“ liefert volle Transparenz über Pünktlichkeit, Netzauslastung, Zustand und Kapazität etc. mit wenigen Klicks. Kurzum, mehr Konnektivität kann die Gesamtnetzleistung verbessern und den Fahrgästen damit ein komfortables Reiseerlebnis bieten.

Effizientes Asset Lifecycle Management mit Building Information Modeling (BIM)

Eine weitere interaktive Session beim BarCamp 2019 brachte den Teilnehmern die „Digital Twin“-Technologie nahe, mit ihr ist es möglich, ein gesamtes Bahnnetz sowie die dazugehörigen Equipment-Räume digital zu erfassen. „Building Information Modeling“: eine Methode, bei der anhand digitaler Modelle eines Bauwerks oder der Umgebung relevante Informationen und Daten erfasst, verwaltet und zwischen allen Beteiligten ausgetauscht werden. Auf dieser Grundlage hat Siemens „Digital Track Services“ entwickelt, einen speziellen digitalen Prozess für die Bahninfrastruktur. Dafür nimmt ein am Zug montierter Scanner in 360-Grad-Rotation während der Fahrt georeferenzierte Daten-Punkte auf. So entsteht ein digitaler Zwilling des gescannten Streckenbildes; anhand präziser Messungen und digitaler Planungs- und Anpassungstests kann der Projektfortschritt nun zu jedem Zeitpunkt interaktiv und ortsunabhängig mit dem Kunden diskutiert werden.

Nach einem spannenden Tag und vielen Zukunftsvisionen beim BarCamp 2019 zieht Gerhard Greiter Bilanz: „Die neuen digitalen Technologien eröffnen weitreichende Möglichkeiten für den Eisenbahnverkehr und kommen sowohl den Betreibern als auch den Passagieren zugute: die bestehende Infrastruktur wird optimiert und die Mobilität auf der Schiene wird effizienter, komfortabler, besser. Die Transformation ist bereits in vollem Gange – und wir begleiten unsere Kunden als zuverlässiger Technologiepartner dabei!“

05.28.2019

Bildquellen: Siemens Mobility

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