Verkehrspolitik: Singapurs Wettlauf um Mobilitätslösungen

Singapur hat im Bereich Innovation für Landverkehr eine Vorreiterrolle inne. Als Reaktion auf eine wachsende Bevölkerung, Landknappheit und gestiegene Erwartungen und Forderungen nach Mobilität entwickelt es in einem neuen Masterplan eine Vision für den Landverkehr in den nächsten 20 Jahren.

 

von Glenn van Zutphen

Singapur wird zum Forschungslabor über die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren im Umgang mit Mobilitätsfragen. Gute Beispiele dafür sind die Singapore-MIT Alliance for Research and Technology (SMART) und TUM CREATE – ein gemeinsames Forschungsprojekt zu Elektromobilität zwischen der Nanyang Technological University in Singapur und der Technischen Universität München (TUM).

Ideales Testumfeld für Innovation

Mit seiner fortschrittlichen technologischen Infrastruktur und der Bereitschaft, auf flächenmäßig kleinem Gebiet nach innovativen Lösungen zu suchen ist Singapur der perfekte Ort, um echte Lösungen für eine wachsende Bevölkerung zu suchen. Die Regierung der Insel integriert High-Tech-Mobilitätslösungen in ihre Pläne zur Stadtentwicklung, um Herausforderungen wie die Planung und den Bau zusätzlicher Mass Rapid Transit (MRT)-Linien und den Ausbau schon bestehender zu bewältigen. Siemens ist als Anbieter von Signalanlagen und einem Mittelspannungs-Bahnstromversorgungssystem für eine fahrerlose Metro sowie Projektmanagement, Installation, Prüfung und Inbetriebnahmeleistungen beteiligt.

Intelligente Straßen

Straßen nehmen in Singapur 12 Prozent der Landfläche ein. Weil es so wenig Land gibt, muß die Zunahme des Fahrzeugbestands auf der Insel streng geregelt werden. Die Stadt hat eins der weltweit ersten elektronischen Mautsysteme (ERP-Systeme) eingeführt – Mautgebühren, die sich an die Verkehrssituation anpassen und als Staugebühr erhoben werden. Diese wird von Smartcards abgebucht, die sich in den Fahrzeugen befinden.

 

Zu den weiteren intelligenten Elementen gehören ein Expressway Monitoring and Advisory System (EMAS), das Autofahrer vor Unfällen auf Hauptverkehrsstraßen warnt, und ein in den Taxis des Stadt installiertes GPS-System, das die Verkehrsverhältnisse in der Stadt überwacht und darüber informiert.

 

Alle Informationen von den Systemen werden in das Kontrollzentrum des intelligenten Verkehrssystems eingespeist, das die Daten konsolidiert und die Öffentlichkeit mit Echtzeit-Informationen versorgt. Singapur ist nicht zuletzt aufgrund dieser Maßnahmen eine der am wenigsten von Stau geplagten Großstädte weltweit.

Intelligente Fahrzeuge

Innovation wird auch im Bereich der individuellen Mobilität gefördert. EVA zum Beispiel wurde vom TUM CREATE-Team als das erste Elektrotaxi entworfen, das auf die Bedürfnisse von tropischen Megastädten zugeschnitten ist. Die Idee, Elektrofahrzeuge als Taxis einzusetzen, wurde bisher wegen der langen Ausfallzeiten zum Aufladen nicht realisiert. Das superschnelle Ladesystem von EVA benötigt zum Aufladen der Batterie für 200 Reisekilometer nur 15 Minuten – unter Berücksichtigung des örtlichen Fahrverhaltens mit eingeschalteter Klimaanlage. Taxifahrer können nun in einer Pause für den nächsten Teil ihrer Schicht das Auto schnell aufladen. Auch hier ist Siemens als Anbieter von Smart-Grid-Lösungen beteiligt, die den Nutzen von Elektromobilität steigern.

 

Während Taxis, Busse und Züge Teil der Lösung sind, besteht immer noch das Problem der Reisezeit vom Ausgangspunkt bis zum Anfang des Verkehrsnetzes (z.B. die MRT-Station) und die Reisezeit von der Ausstiegs-Haltestelle bis zum tatsächlichen Ziel. Ein Gemeinschaftsprojekt zwischen SMART und der National University of Singapore entwickelt fahrerlose Autos, die dieses Problem der „ersten und letzten Meile“ lösen sollen. 

Singapur ist wegweisend

Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Städten hat Singapur einen klaren Vorsprung im Wettlauf um Erforschung und Entwicklung von Verkehrslösungen. Diese dienen nicht nur anderen Städten in der Region als Modelle und Ideen für Stadtplanung und Know-how in der Technologieentwicklung; sie tragen auch wesentlich dazu bei, lokale politische Unterstützung zu generieren und können in andere asiatische Länder exportiert werden.

 

Die Mobilitätsprobleme der Städte in Südostasien müssen angegangen werden. Singapur ist in der Erforschung und Erprobung innovativer Lösungen derzeit führend.

01.10.2015

Glenn van Zutphen

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