Straßenverkehr: Smarter parken

In Großstädten sind Parkplätze rar – an Haupt- und Nebenstraßen ebenso wie in verkehrsgünstig gelegenen Parkhäusern. Gestützt auf ein neues Radarsystem von Siemens können Verkehrsteilnehmern künftig per App oder Navigationsgerät in Echtzeit freie Parkplätze gemeldet werden.

 

von Eberhard Buhl

Parkplatzsuche nervt. Endlich am Ziel angekommen, ist weit und breit keine Parklücke zu sehen. Endlose Runden um den Block drehen, kostet Zeit, Benzin und jede Menge Nerven. Nach einer aktuellen internationalen Studie zum Parkraum-Management dauert eine Parkplatzsuche in Deutschland durchschnittlich fast zehn Minuten, in Italien sogar bis zu 15 Minuten, pro Suche fährt man rund 4,5 Kilometer und belastet dabei die Umwelt unnötig mit 1,3 Kilogramm CO2. Befragungen haben zudem ergeben, dass rund 30 Prozent aller Fahrer in verstopften Innenstädten auf Parkplatz-Suche sind. In besonders belasteten Stadtvierteln werden jährlich Strecken gefahren, die 14 Umrundungen der Erde entsprechen. So weit die Statistik.

 

Siemens hat nun eine Parkmanagement-Lösung entwickelt, mit der Städte gezielt der zunehmenden Parkplatznot begegnen können. Die Lösung, die erstmals in Berlin in einem Pilotprojekt getestet wird, informieren sich Verkehrsteilnehmer mühelos vom Ausgangspunkt bis zum Zielort ihrer Fahrt über freie Parkplätze am Straßenrand. Verschiedene Sensortypen und -technologien lassen sich zu einem „smarten“ Parkraum-Managementsystem integrieren, das den individuellen Anforderungen jedes Stadtgebiets optimal angepasst werden kann und den Kommunen eine intelligente Parkraumbewirtschaftung ermöglicht.

Parkplätze finden mit Radar-Augen

Kern der Smart Parking Lösung ist eine neu entwickelte Radarsensorik, die „über Kopf“ angebracht wird, aus mehreren Metern Höhe ständig den Parkraum überwacht und den Belegungsstatus von Parkflächen an eine Parkleitzentrale meldet. Diese Sensoren können ganz unkompliziert und sicher an oder in Straßenleuchten angebracht werden und verlangen keine Eingriffe in die Infrastruktur – eine Stromversorgung ist ja ohnehin vorhanden.

 

Dennoch ist das Ergebnis genauer und aussagekräftiger als beispielsweise bei Bodensensoren, die ausschließlich „frei“ oder „belegt“ melden können: Die Radar-Sensorik zeigt nicht nur an, ob sich ein Objekt auf der Parkplatzfläche befindet, sondern liefert auch Informationen zu Position und Größe des Fahrzeugs. Selbst blockierte Radwege und Busspuren oder zu Unrecht genutzte Standflächen an Stromladesäulen erkennt das Überkopf-System und schafft so die Möglichkeit, falsch geparkte Fahrzeuge zeitnah zu detektieren.

Das System lernt dazu

Die Messdaten gehen per Mobilfunk an die Zentrale, wo sie ausgewertet, die aktuelle Parkplatzbelegung errechnet und die Informationen für Dienstleistungen wie etwa eine Parkplatz-App aufbereitet werden. Auch Routenplaner-Apps und im Fahrzeug integrierte oder infrastrukturbasierte Navigationssysteme können mithilfe dieser Informationen die Suchzeit für Autofahrer reduzieren.

 

Das Besondere an der Smart Parking Lösung ist, dass die Software mit einem lernenden System arbeitet. Sie erkennt, wenn sich die Parkplatzsituation zu bestimmten Zeiten wiederholt, kombiniert statistische und Echtzeit-Daten und errechnet Prognosen. Die Lösung unterstützt die Nutzer auch bei der Wahl des geeigneten Verkehrsmittels: Mit Informationen über den Zeitaufwand können sich Autofahrer rechtzeitig entscheiden, ob sie besser einen Park & Ride-Parkplatz am Stadtrand ansteuern oder gleich ganz mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Ein erster Schritt zur intelligenten Stadt

Die Smart Parking Lösung als modulares, infrastrukturbasiertes Sensorsystem nutzt zur Kommunikation zwischen Sensoren und Zentrale die „Internet of Things“-Plattform des US-Unternehmens Intel – und bildet damit die Grundlage für ein Sensor- und Kommunikationsnetzwerk, das selbst für künftige Smart City Konzepte geeignet ist. Wird sie durch eine RFID-Lösung ergänzt, lassen sich beispielsweise auch nutzerbezogene Berechtigungen etwa auf Anwohnerparkplätzen automatisch überprüfen oder Parkgebühren minutengenau erfassen und abrechnen.

 

Die Integrated Smart Parking Solution von Siemens geht sogar noch einen Schritt weiter: Von der Unterstützung des Verkehrsmanagements über adaptives Lichtmanagement oder die Auswertung von Emissionsdaten bis hin zu Mehrwertservices für den Einzelhandel sind viele weitere Anwendungen denkbar. Das Ergebnis ist eine „smarte” und innovative Stadt mit intelligenten Steuerungsmechanismen.

01.10.2015

Eberhard Buhl

Bildquellen: iStockphoto; Siemens AG / Video: Siemens AG

Innovative Technologien

  • Sensorik „von oben“, geschützt in die Leuchteinheiten von Straßenlaternen integriert oder autonom
  • Sensorabdeckung nicht nur des reinen Parkraums, sondern auch von Parkverbotszonen (Feuerwehrausfahrten, Tramschienen, usw.)
  • Authentifizierung berechtigter und unberechtigter Parker über RFID-Technologie (Anwohner- oder Behindertenparkplätze)
  • Automatisiertes Bezahlen möglich
  • Kommunikationsnetzwerk zur Weitergabe der Daten an Zentrale
  • Zusätzliche Services möglich, z.B. adaptive Lichtregelung auf Basis des tatsächlichen Verkehrsaufkommens

Vorteile

  • Weniger Suchfahrten, besserer Verkehrsfluss, weniger Staus
  • Statistische Daten und Echtzeitdaten über freien Parkraum
  • Optimale Nutzung der Infrastruktur
  • Einfache, kostengünstige Erfassung von Parkdaten
  • Bargeldloses Parken mit automatischer, minutengenauer Abrechnung möglich
  • Höhere Verkehrssicherheit durch effizientere Ahndung illegalen Parkens
  • Intelligente Nutzung von Parkinfrastruktur und Daten für weitere Verkehrsmanagement-Anwendungen
  • Anreiz für Autofahrer zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel durch transparente Parkraum- und Zeitbedarfsprognosen

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