„Wir stehen in den Startlöchern“

Europa hat sich vor einiger Zeit auf einen einheitlichen Standard in Sachen Europäisches Zugbeeinflussungssystem (ETCS) geeinigt. Nun geht es an die Umsetzung. Neufahrzeuge wie etwa der ICE4 bringen die ETCS-Ausrüstung gleich mit. Bestandsfahrzeuge werden nachgerüstet. Allein in Deutschland warten bis zu 9.000 existierende Triebfahrzeuge auf das neue System. Siemens Mobility ist vorbereitet – mit der notwendigen Technologie, viel Erfahrung im Retrofit und einer innovativen Toolbox.

„An ETCS führt im Schienenverkehr kein Weg mehr vorbei und das ist gut so“, stellt Jens Nordmann klar. Der Leiter der Projektabwicklung für Zugbeeinflussungssysteme bei Siemens Mobility weiß: „Das neue Zugsicherungssystem auf Lokomotiven und Zügen macht Interoperabilität erst möglich und erhöht so die Sicherheit im europäischen und weltweiten Schienenverkehr erheblich.“ Das ETCS als europäischer Standard soll die verschiedenen Zugbeeinflussungssysteme in Europa und teilweise darüber hinaus ablösen. Das Ziel ist ein harmonisierter, sicherer und grenzüberschreitender Schienenverkehr zwischen den Ländern. 

Für einheitliche Sicherheitsstandards

Heute ist dies so noch nicht oder nur mit Fahrzeugen möglich, die mehrere unterschiedliche Systeme an Board haben. „Das ist auf Dauer natürlich keine Lösung. Wir sollten jetzt mit der Modernisierung beginnen, um die bis Ende der 2020er Jahre auslaufenden Systeme ablösen zu können“, sagt Nordmann. Das gelte insbesondere für Deutschland.

 

Schon 2009 verpflichtete die Europäische Kommission die Bundesrepublik, fünf Hauptkorridore in Nord-Süd- und Ost-West-Verlauf entsprechend auszubauen. Bisher erlebt Nordmann aber noch eine gewisse Zurückhaltung bei den deutschen Kunden: „Viele sind unsicher, ob und wie sie die Nachrüstung bewerkstelligen können. Doch gemeinsam mit einem erfahrenen Technologiepartner wie Siemens Mobility wird die Umstellung rechtzeitig gelingen.“

Wirtschaftlich umrüsten mit Retrofit

Der Bedarf an sogenannten „Onboard Units“ (OBUs) ist europaweit groß. Allein in Deutschland gilt es, bis zu 9.000 Triebfahrzeuge mit diesen fahrzeugseitigen ETCS-Komponenten nachzurüsten. Der Aufwand lohnt sich. Davon ist auch Henrik Regen überzeugt. Er ist bei Siemens Mobility verantwortlich für den Bereich ETCS Engineering und Retrofit. Die Investitionen im Vergleich zum Austausch ganzer Fahrzeugflotten seien hier deutlich geringer, so Regen: „Wir halten dafür einen innovativen Werkzeugkasten mit standardisierten wie individuell anpassbaren Lösungen bereit. Damit können wir die Loks – unabhängig vom Hersteller – einfach und wirtschaftlich auf ETCS umrüsten.“

 

Wie erfolgreich das dem Unternehmen bisher gelingt, zeigt ihre globale Präsenz mit ETCS Onboard Projekten (s. Grafik).

Wie sieht eine Lok aus, die mit ETCS ausgerüstet ist? 

Wie können sich die Kunden die Systeme und ihre Installation eigentlich vorstellen? Dafür hat Siemens Mobility eigens eine ETCS-Demolokomotive ausgerüstet. Ob Balisenantennen, Radarsensoren, Anzeigedisplays oder Zentralrechner – bei der Demolokomotive gibt es alle ETCS-Komponenten zum Ansehen und Anfassen. Darüber hinaus sind die Systeme sehr flexibel. „Wir können sie innen oder außen, in vorhandene oder neue Schränke integrieren und uns so auf alle Gegebenheiten optimal einstellen“, schildert Regen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen für jeden Kunden den gewünschten Service: von der bloßen Lieferung des Systems bis hin zur Umsetzung und Koordination des Retrofits für eine gesamte Flotte.

Mit modernen Tools planen, einbauen und testen

Siemens Mobility hat Retrofitprojekte bereits in verschiedenen Ländern wie der Schweiz, in Großbritannien und in Spanien umgesetzt und am Laufen und sich dort als erfahrener und innovativer Partner bewiesen. So legen die Ingenieure zum Beispiel großen Wert auf digitale Planungswerkzeuge: „Mit unserer Toolbox können wir die Retrofitprojekte schneller planen und umsetzen und unsere Arbeit darüber hinaus für die Kunden greifbar und transparent machen“, argumentiert Regen. 

 

Anwendungen der Augmented Reality (AR) – die um virtuelle Elemente erweiterte Realität – gehören ebenso zum Standard wie 3D-Scans, Virtual Reality (VR)-Simulationen, digitale Zwillinge der ETCS-Komponenten und Applikationen für mobile Endgeräte. Durch eine AR-Brille werden den Ingenieuren beispielsweise bei der Einbauanalyse die ETCS-Komponenten ins reale Zugumfeld eingeblendet. So kann er direkt am Fahrzeug prüfen, ob Kollisionen existieren und die Funktionalität der Systeme gewährleitet ist. 

 

Mit Hilfe eines 3D-Scanners kann in Minutenschnelle ein 3D-Modell einer Komponente erstellt werden. VR-Simulationen sind etwa hilfreich, wenn die Position des Displays für Triebfahrzeugführer auf ergonomische Tauglichkeit geprüft wird. Dies geschieht bisher mit analogen Modellen. Auch eine App für mobile Endgeräte, die den Technikern die Planung erleichtern soll, ist in Arbeit. Regen schließt: „Die Technologien, das Know-how und die Erfahrung sind vorhanden. Wir stehen in den Startlöchern, sind bestens auf die ETCS-Umrüstung vorbereitet und freuen uns darauf, unseren Kunden bei dieser wichtigen Wende im Schienenverkehr als erfahrener Technologiepartner zur Seite zu stehen.“

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Ein Zugsicherungssystem überwacht die zulässige Geschwindigkeit und löst gegebenenfalls eine Bremsung aus. Im Jahr 2005 wurde die Einführung eines einheitlichen europäischen Zugsicherungssystems (ETCS) beschlossen. Es gibt drei Funktionsstufen, so genannte Level: Die erste Stufe (ETCS Level 1) ist ein punktförmiges Zugbeeinflussungssystem, das bei der Überfahrt von Balisen Informationen an den Zug überträgt. Die zweite Stufe (ETCS Level 2) basiert auf einer ständigen Kommunikation mit der streckenseitigen Infrastruktur. Die Strecke ist dabei in feste Blockabschnitte unterteilt. Erst in der dritten Stufe (ETCS Level 3) können zukünftig die ortsfesten Einrichtungen zur Erfassung der Gleisbelegung entfallen und durch sogenannte „Moving Blocks“ – mobile, sich mit dem Fahrzeug bewegende Sicherheitsblocks – ersetzt werden.

26.8.2019

Bildquellen: Siemens Mobility GmbH

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