Das Berliner Werk

Die erste Fabrik von Siemens & Halske in der Markgrafenstraße

Der Umzug in das Berliner Werk in der Markgrafenstraße im Jahr 1852 ist der Beginn einer neuen Phase in der Geschichte von Siemens. Das Unternehmen wandelt sich Schritt für Schritt von einer Werkstatt im Hinterhof zu einer Fabrik. Die industrielle Mechanisierung erfasst nach und nach das neue Siemens-Werk bis auch dieser neue Standort schließlich der stetig wachsenden elektrotechnischen Produktion nicht mehr gewachsen ist. 1905 verlassen die letzten Mitarbeiter das Werk und ziehen an einen neuen Standort, der im Entstehen ist: Siemensstadt.

1852 – Erfolg braucht Platz

Das Bild zeigt eine undatierte Zeichnung des sogenannten Berliner Werkes in der Markgrafenstraße. Da die Räumlichkeiten der ersten Werkstatt in der Schöneberger Straße nicht mehr ausreichen, sucht man bereits wenige Jahre nach der Firmengründung 1847 nach einem Ausweichquartier.

 

Werner von Siemens erinnert sich in seiner Autobiografie:

 

„Wir hatten in Berlin ein ansehnliches Grundstück, Markgrafenstraße 94, gekauft, auf dessen Hinterterrain eine hübsche geräumige Werkstatt errichtet wurde, während das neu ausgebaute Vorderhaus gute Wohnungen für uns gab.“  

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Berliner Werk

(Markgrafenstraße)

Zur Ausgangsposition

1852 – Arbeiten und wohnen

Während auf dem hinteren Gelände die Produktion untergebracht ist, beziehen im Vorderhaus die damaligen Teilhaber von Siemens & Halske, Werner von Siemens, dessen Vetter Georg Siemens und Johann Georg Halske, jeweils eine Wohnung. Das Haus hat lange als Kaserne gedient und muss zunächst grundlegend renoviert werden. Ein drittes Stockwerk wird aufgesetzt, und die Seitenflügel zum Hof hin werden erweitert. Für Werner von Siemens sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, seiner künftigen Frau ein ansprechendes Zuhause zu bieten: Im Januar 1852 hält er um die Hand seiner ersten Frau Mathilde an. Das Bild zeigt das Vorderhaus um die Jahrhundertwende.

1872 – Räumliche Enge trotz Expansion

Beginnt die Produktion 1852 zunächst auf rund 3.000 Quadratmeter, so wird das Gelände schnell erweitert. 1872, im Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Firma, arbeiten rund 600 Menschen für das Unternehmen, wiederum 25 Jahre später hat sich diese Zahl auf 1.250 Personen verdoppelt. Das undatierte Bild des Fabrikhofs gibt einen guten Einblick in die beengten Verhältnisse des Werkes, müssen sich doch zahlreiche Produktionsstätten mit ihren unterschiedlichen Anforderungen auf dem immer enger werdenden Raum arrangieren. Die Produktion ist zunächst handwerklich organisiert, erst ab 1868 setzt eine Phase der „sprunghaften Mechanisierung“ ein, die bis 1873 dauert und in deren Verlauf Siemens & Halske den Übergang vom Handwerksbetrieb zur Fabrik vollzieht.

1883 – Neue Produkte, moderne Fertigungstechniken

Die ersten Jahrzehnte nach der Firmengründung liegt das Kerngeschäft von Siemens & Halske im Telegrafenbau. Zusätzlich werden elektrische Messinstrumente produziert, ab den 1870er-Jahren ergänzt durch elektrische Ausrüstung für Eisenbahnen und Telefone. Nach der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips durch Werner von Siemens 1866 vollzieht sich in den folgenden Jahrzehnten – maßgeblich beeinflusst durch Siemens-Innovationen – ein Wandel, der die gesamte Elektrobranche nachhaltig verändert: Zu nachrichtentechnischen kommen energietechnische Erzeugnisse, Dynamomaschinen und Elektromotoren immer größerer Leistungsfähigkeit werden hergestellt. Diese neuartigen Produkte benötigen immer mehr Platz. In der Konsequenz wird die Produktion schrittweise dezentralisiert. Im Berliner Werk wird ab den 1880er-Jahren die Schwachstromtechnik konzentriert. Das undatierte Bild zeigt Arbeiter in der Lampenherstellung.

1905 – Von der Innenstadt an die Peripherie

Ab 1883 zieht die gerade erst eingerichtete Kabelproduktion in neue Werkräume in Charlottenburg um. An diesem Standort werden schrittweise alle Produktionswerkstätten der Starkstromtechnik, zum Beispiel die Entwicklung und Herstellung von Dynamomaschinen, konzentriert. In der Markgrafenstraße werden in den 1890er-Jahren Telegrafen, Telefone, Feuermelder, Signalanlagen und Messgeräte produziert, ergänzt um die Bahnabteilung und die neu eingerichteten Räume der Elektrochemie. Als jedoch ab 1897 die Erweiterung der Werke auf den Nonnenwiesen beschlossen ist, verliert das innerstädtische Werk immer mehr an Bedeutung. 1905 verlassen die letzten Abteilungen und Werkstätten das Berliner Werk und ziehen als „Wernerwerk“ in die spätere Siemensstadt um. Damit wird der Standort endgültig aufgegeben, Gebäude und Grundstücke werden verkauft. 

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