Im Februar 1902 gründet Siemens die Centralstelle für das Pressewesen mit dem Ziel, Infor­mationen über die deutschen Siemens-Unternehmen zentral ko­ordinieren und steuern zu können. Dieses Ereignis markiert vor gut 115 Jahren den Beginn der Öffentlichkeitsarbeit des Elektrokonzerns. Über die Zeit hat sich die Palette an Kommunikationsmitteln stark erweitert und deckt heute von analogen bis zu digitalen Medien alle Bereiche ab.

 

Doch wie sah die Pressearbeit Anfang des 20. Jahrhunderts aus? Was waren die Aufgaben und welche Veränderungen brachte die Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmen?

E. Neisser, der Leiter der Centralstelle, soll persönlich die Beziehungen zu Redaktionen und Journalisten pflegen, Artikel verfassen und diese in relevanten Blättern lancieren. Neben der Aufgabe, die Pressevertreter mit Informationen zu versorgen, sind die Mitarbeiter auch dafür zuständig, die Medien zu beobachten und Anzeigen mit Firmenwerbung zu schalten. In Abgrenzung dazu verantwortet das sogenannte Literarische Büro (1900 gegr.) das Sammeln, Aufbereiten und Weiterleiten von produktbezogenen Informationen und sonstigen technischen Leistungen an die technisch-wissenschaftlichen Fachmedien.

 

Die wachsende Bedeutung, die das Unternehmen der Tages- und Wirtschaftspresse einräumt, spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass Publikationen einzelner Mitarbeiter nunmehr einer Freigabe durch den jeweiligen Abteilungsleiter bedürfen. Veröffentlichungen, deren Inhalt die Arbeit mehrerer Abteilungen berührt, müssen einer siebenköpfigen Pressekommission des Vorstands vorgelegt werden.

In der Sitzung des Vorstandes vom 31. Januar 1902 ist beschlossen worden, für unser gesamtes deutsches Haus eine einheitliche Centralstelle für das Pressewesen einzurichten und dieses Bureau der Central-Abteilung zu unterstellen.

Rundschreiben vom 8. Februar 1902

Erste Veröffentlichungen

Im Rahmen der Neuorganisation der Siemens-Firmen 1913 wird die bestehende Unterscheidung zwischen zentraler Pressearbeit auf der einen und absatzorientierter Pressearbeit auf der anderen Seite bestätigt und fortgeführt. Entsprechend verantwortet das „Pressebureau“, wie die Centralstelle mittlerweile heißt, die Veröffentlichung des ersten Kundenmagazins, das die Adressaten über das gesamte Arbeitsgebiet von Siemens informiert. Die „Mitteilungen aus den Gesellschaften Siemens & Halske / Siemens-Schuckertwerke“ richten sich sowohl an Kunden als auch an die Fachöffentlichkeit; ihre erste Ausgabe erscheint im Juli 1913. Allerdings wird die Zeitschrift bereits nach einem knappen Jahr wieder eingestellt.

 

Mit dem Ziel, die Verbindungen zur Tagespresse zu intensivieren, übernimmt im Mai 1922 mit Helmut Böttcher ein erfahrener externer Journalist die Leitung des Pressebüros. Die Unternehmensleitung nutzt die Bekanntgabe dieser Personalie, um erneut darauf hinzuweisen, dass im Interesse einer einheitlichen und konsistenten Außendarstellung „der gesamte Verkehr mit Redaktionen […] ausschliesslich durch das Pressebureau […] erfolgen muss“. In seiner Eigenschaft als Chef der zentralen Pressestelle nimmt Böttcher auch die Schriftleitung der seit 1919 erscheinenden „Siemens Wirtschaftlichen Mitteilungen“, der Vorgängerin der heutigen „SiemensWelt“, wahr.

 

Das Pressebureau, das seit 1917 der sogenannten Wirtschaftspolitischen Abteilung untersteht, existiert bis in die 1960er-Jahre. Mit Ende der Wiederaufbauphase und dem allmählichen Übergang von Verkäufer- zu Käufermärkten gewinnt die Unternehmenskommunikation für die klare Differenzierung konkurrierender Hersteller und Produkte in jenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung. Oder wie Gerd Tacke, der erste Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, rückblickend formuliert: Es beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, „daß die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmen eines Tages aus einem Guß’ werde sein müssen“. 

 

Im Juli 1968 ist es dann so weit: Mit Gründung der Zentralstelle für Information (ZI) wird erstmals in der langjährigen Geschichte des Hauses eine zentrale Anlauf- und Auskunftsstelle etabliert, die Medienvertreter und Interessenten aus dem Kreis der allgemeinen Öffentlichkeit mit produktbezogenen, technischen und wirtschaftlichen Informationen über das Gesamtunternehmen versorgt. Mit der Koordination und Intensivierung der regionalen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland verbunden ist das Ziel, Außenstehenden ein widerspruchsfreies, einheitliches und positives Bild des Elektrokonzerns zu vermitteln.

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