Dem Unternehmen ein Gesicht geben

Siemens-Architektur gestern und heute

Mit dem Namen „Siemens“ verbindet man nicht nur technologische Höchstleistungen, sondern auch repräsentative Verwaltungsgebäude und eindrucksvolle Fabrikanlagen. Bauten wie das Schaltwerk-Hochhaus in Berlin, der „Himbeerpalast“ in Erlangen, das Siemens Center Peking oder die neue Münchner Konzernzentrale bringen das Wachstum und die stetige Weiterentwicklung des 1847 gegründeten Unternehmens zum Ausdruck. Ihre architektonische Gestalt reflektiert zum einen die Werte, die Kultur und das Selbstverständnis des Hauses und zum anderen die Formensprache der jeweiligen Zeit. Darüber hinaus setzen die Gebäude stets Maßstäbe in Sachen Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. 

Wie alles begann – Umnutzung bestehender Bausubstanz in Berlin

Die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ nimmt am 12. Oktober 1847 in einer Berliner Mietshausanlage den Betrieb auf. Die 150 Quadratmetberer große Werkstatt befindet sich im Hinterhaus der Schöneberger Straße 19, unmittelbar gegenüber dem Anhalter Bahnhof. Die beiden Firmengründer – Werner von Siemens und Johann Georg Halske – leben im selben Gebäude. Zunächst beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeiter, in der Mehrzahl Schlosser und Mechaniker. Rasch sind die Kapazitäten der ersten Werkstatt erschöpft; 1852 zieht Siemens in die nahe gelegene Markgrafenstraße 94 um.

 

 

Im Jahr zuvor hat man dort ein Grundstück samt vierstöckigem Wohnhaus erworben, dessen Umbau nun abgeschlossen ist. Durch Zukauf der umliegenden Immobilien entsteht in den folgenden Jahrzehnten ein dichter Fabrikkomplex, der aus mehreren zu Produktionsstätten umfunktionierten Wohnhäusern sowie einem Fabrikgebäude besteht. 

 

 

Ab 1890 konzentriert sich die Fertigung im fortan als „Berliner Werk“ bezeichneten Stammwerk auf die Produktion von Telegrafen, Telefonen, Feuermeldern, Signalanlagen und anderen nachrichtentechnischen Erzeugnissen. 

 

Expansion auf der grünen Wiese – Aus einer „Wildnis am Rande Berlins“ entsteht die Siemensstadt

Nachdem Siemens Ende des 19. Jahrhunderts für den schnell wachsenden Konzern innerhalb des Berliner Stadtgebiets keinen Platz mehr sieht, bricht man auf zu neuen Ufern. Auf den Nonnenwiesen, einer entlegenen Gegend nördlich der Spree zwischen Charlottenburg und Spandau, soll künftig das Herz des Unternehmens schlagen. 1897 schreitet man zur Tat und erwirbt sukzessive mehr als 200 Hektar Baugrund.

 

Diese Flächen entwickeln die Siemens-Architekten Karl Janisch und Hans Hertlein nach und nach zu einem modernen Industriecampus, der keine Wünsche offenlässt – auch nicht im Hinblick auf die Verkehrsinfrastruktur, soziale Einrichtungen und die Nutzung als Wohngebiet. Das Areal erhält zu Jahresbeginn 1914 den offiziellen Namen „Siemensstadt“. Die Bebauung ist in den 1930er-Jahren im Wesentlichen abgeschlossen und macht den Standort weit über Berlin hinaus zum Symbol moderner Arbeitswelten.

 

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg – Kontinuität und Wandel

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind vier Fünftel der Unternehmenssubstanz vernichtet, und die politische Lage im Berlin der Nachkriegszeit ist unsicher. Angesichts der drohenden Teilung Deutschlands beschließt die Siemens-Führung, den Firmensitz der Siemens & Halske AG zum 1. April 1949 nach München und den der Siemens-Schuckertwerke AG nach Erlangen zu verlegen. Berlin bleibt jeweils zweiter Firmensitz. Hans Hertlein errichtet nun Bauten in Süddeutschland und verbindet so die neuen Standorte mit dem Gründungsstandort Berlin. 1951 geht der Mann, der das Gesicht von Siemens im In- und Ausland mehr als 35 Jahre geprägt hat, in den Ruhestand. Ihm folgt der Münchner Architekt Hans Maurer, der bis 1983 in planender und beratender Funktion für das Unternehmen tätig ist. 

 

 

Was die Öffentlichkeit von uns denkt, wie sie uns beurteilt und einschätzt, hängt auch in starkem Maße von der Gestalt unserer Bauten ab. […] Wir sollten stets darauf achten, daß wir mit der Architektur unserer Bauten nicht nur imponieren, sondern auch Sympathien gewinnen.
Ernst von Siemens, 1969

Konzentration und Globalisierung – Wiedererkennbarkeit und klare Gestaltungsprinzipien

Sämtliche Bauvorhaben im In- und Ausland werden über die in München und Erlangen entstandene Zentrale Bauabteilung koordiniert. Projektbezogen arbeitet man mit unterschiedlichen Architekten zusammen. Anfang der 1990er-Jahre wird die Formensprache der Siemens-Gebäude als Ausdruck der Marke und der Unternehmensidentität neu belebt. Es entstehen prägnant gestaltete Gebäude mit klaren Gestaltungsprinzipien.

 

 

Wenige Monate vor dem 100. Jubiläum von Siemens in Südafrika bezieht die Siemens Ltd. im Frühjahr 1996 eine neue Hauptverwaltung. Der an der Autobahn zwischen Johannesburg und Pretoria gelegene Gebäudekomplex ist von der Formensprache des amerikanischen Architekten Richard Meier inspiriert. Er wird ab 1994 in Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Architekturbüro Louw, Apostolellis, Bergenthuin errichtet.

 

Funktionaler wie architektonischer Fokus der klar gegliederten Gesamtanlage ist ein sechsgeschossiger Rundbau, dessen Fassade aus weißen quadratischen Aluminiumpaneelen besteht. Mit der Investition in den Siemens Park, Midrand, demonstriert das Elektrounternehmen sein Vertrauen in die politische Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas nach dem Ende der Apartheid. Der Gebäudekomplex wird 1997 mit dem SAIA Award of Merit des South African Institute of Architects ausgezeichnet.

Ende der 1990er-Jahre wird die Münchner Unternehmenszentrale um das sogenannte SiemensForum am Oskar-von-Miller-Ring 20 erweitert. Der Komplex schließt eine der letzten kriegsbedingten Baulücken in der Münchner Innenstadt.

 

Die Geschichte des Bürogebäudes beginnt bereits 1983: Damals geht der renommierte New Yorker Architekt Richard Meier als Sieger aus einem Wettbewerb hervor. Das Projekt wird jedoch zugunsten der Arbeiten an einem Büro- und Laborgebäude in der Hofmannstraße zurückgestellt, sodass die konkreten Planungen erst 1991 beginnen können.

 

In Zusammenarbeit mit der 1994 gegründeten Einheit Siemens Immobilien Management (heute Siemens Real Estate) und dem leitenden Siemens-Architekten Gunter R. Standke entsteht ab 1997 ein um zwei Innenhöfe gruppiertes Bürogebäude für rund 1.000 Mitarbeiter. Die ersten Büros sind im Juni 1999 bezugsfertig; im September wird das neue SiemensForum als Plattform für den Dialog mit der Öffentlichkeit und den Kunden eingeweiht. 

Siemens-Architektur für das 21. Jahrhundert – Innovativ und nachhaltig 

Im neuen Jahrtausend werden die Architektur- und Planungsarbeiten des Konzerns von Siemens Real Estate gemanagt. Weltweit entstehen Vorzeigeprojekte für zukunftsweisendes, innovatives und nachhaltiges Bauen, die die Kompetenz von Siemens als Technologiekonzern unterstreichen. Die Corporate Architecture sorgt für einen Wiedererkennungswert über geografische und zeitliche Grenzen hinweg. 

 

 

Im September 2008 eröffnet Siemens China das hochmoderne Siemens Center Peking (SCB). Der 123 Meter hohe Büroturm der Hauptverwaltung der Siemens Ltd. hat 30 Stockwerke und eine Gesamtfläche von 17.500 Quadratmetern. Die intelligente Gebäudetechnik von Siemens reduziert den Energieverbrauch um rund ein Drittel gegenüber vergleichbaren chinesischen Bürogebäuden.

 

Das mit Sicherheitstechnik von Siemens ausgestattete Rechenzentrum im Gebäude ist zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme das größte und modernste Rechenzentrum des Unternehmens in Asien und wird im April 2010 mit dem „New Generation Data Center Award 2009“ ausgezeichnet. 

Unsere neue Siemens-Zentrale ist ein Ort der Begegnung von Tradition und Moderne, von Technik und Kunst, von Arbeit und Freizeit. Sie ist der richtige Ort, um inspiriert, entschlossen und umsichtig die Weichen für die Zukunft unseres Unternehmens zu stellen.
Joe Kaeser, 2016

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