Hausarbeit leicht gemacht

Gründung der Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH (BSHG)

1967 als Gemeinschaftsunternehmen der Robert Bosch GmbH (Stuttgart) und der Siemens AG (München) gegründet, ist die BSH Hausgeräte GmbH heute der größte Hausgerätehersteller in Europa und eines der weltweit führenden Unternehmen der Branche. Zeit für einen Überblick über die Anfänge der Hausgeräteproduktion von Siemens und die BSH-Geschichte.

Elektrifizierung von Privathaushalten – ein neuer Markt entsteht

Siemens ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts am Hausgerätemarkt aktiv: 1904 entwickelt das Unternehmen Heizstäbe aus Siliziumkarbid, die in Kochplatten und elektrischen Heizgeräten zum Einsatz kommen. Zwei Jahre später wird der erste Siemens-Staubsauger auf den Markt gebracht. Die sogenannte Entstäubungspumpe hat einen 1-PS-Motor und wiegt stolze 300 Kilo. 

 

Als Folge der zunehmenden Elektrifizierung von Privathaushalten wird das Hausgeräteangebot in den 1920er-Jahren laufend erweitert: 1924/25 fertigt Siemens erstmals Küchen- und Bohner-, ab 1925/26 Wasch- und Bügelmaschinen. Bis Anfang der 1930er-Jahre folgten Herde und Kühlschränke (1926/27) sowie zahlreiche Kleingeräte, darunter Bügeleisen, Kaffee- und Teemaschinen, kleine Wäscheschleudern oder Haushaltsbügelmaschinen.

 

 

Ab Herbst 1925 werden die elektrischen Hausgeräte unter der Marke PROTOS beworben und verkauft. Die Marke entwickelt sich schnell zum Symbol für Zuverlässigkeit und Qualität – und Siemens nimmt am deutschen Hausgerätemarkt eine herausragende Stellung ein.

Nachkriegsaufschwung und beginnender Wohlstand – auf dem Weg zur BSHG

Ab Anfang der 1950er-Jahre verzeichnet das Geschäft mit elektrischen Hausgeräten erneut einen starken Aufschwung. In den Jahren des Wiederaufbaus symbolisieren Waschmaschinen und Kühlschränke ebenso wie Kraftfahrzeuge, Radios oder Fernsehgeräte den wachsenden Wohlstand der bundesrepublikanischen Bevölkerung. Die steigende Nachfrage veranlasst die Siemens-Führung, sämtliche Aktivitäten im Konsumgüterbereich zum 1. Oktober 1957 in die neu gegründete Siemens-Electrogeräte AG (SE) auszulagern. 

 

Mit dem Wirtschaftswachstum intensiviert sich der Wettbewerb, vor allem am hart umkämpften Waschmaschinenmarkt: In Kombination mit einer leicht verringerten Inlandsnachfrage erhöhen steigende Importe vor allem japanischer und italienischer Wettbewerber hier den Druck auf die einheimischen Hersteller. Während der 1960er-Jahre kommt es zu einem Konzentrationsprozess, in dessen Verlauf die großen deutschen Elektrokonzerne viele der kleinen und mittleren, bis dato unabhängigen Konsumgüterhersteller aufkaufen. 

Siemens und Bosch bündeln ihr Geschäft – gleichberechtigte Interessengemeinschaft

Angesichts dieser Entwicklung verständigen sich die beiden führenden Hersteller Siemens und Bosch, ihre Hausgeräteaktivitäten zu Beginn des Jahres 1967 in der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH (BSHG) zu bündeln. Am 13. Januar 1967 wird der Gesellschaftsvertrag beurkundet, am 9. Februar folgt die Eintragung ins Handelsregister. Die Robert Bosch GmbH und die Siemens AG übernehmen je eine Stammeinlage von 500.000 DM. Das Geschäft mit insgesamt 14.000 Mitarbeitern wird im Rahmen einer Interessengemeinschaft geführt, in der die auf diesem Sektor tätigen Gesellschaften von Bosch und Siemens zusammengeschlossen sind. Die sieben Firmen behalten bis zur gesellschaftsrechtlichen Neuordnung der BSHG Ende September 1972 ihre rechtliche Selbstständigkeit. 

Start in Deutschland – und Einstieg in die Massenproduktion

Nachdem Bosch und Siemens sich bereits ab 1966 wechselseitig mit Geräten beliefert haben, wird noch 1967 begonnen, die Fertigungsstruktur der bestehenden Fabriken zu optimieren: Fortan stammen Kältegeräte und Geschirrspüler aus Giengen, während in Traunreut Herde und in Berlin Waschmaschinen gebaut werden. Im Herbst 1976 geht in Dillingen an der Donau ein neues Geschirrspülerwerk in Betrieb.

 

 

Wachsende Betriebsgrößen sowie die Rationalisierung und Modernisierung der Fertigung erlauben den Einstieg in die Massenproduktion. Dank der erzielten Kostenvorteile gelingt es, den Jahresumsatz der BSHG im ersten Jahrzehnt von 750 Millionen DM (1967/68) auf zwei Milliarden DM (1977/78) zu steigern. Obwohl man gemeinsam produziert, treten die beiden Stammmarken BOSCH und SIEMENS aus strategischen Gründen nach außen getrennt voneinander auf, jede mit einem eigenen Vollsortiment.

Europäische Expansion – eigenes Vertriebsnetz samt Logistik

1976 engagiert sich die BSHG erstmals im Ausland und übernimmt gemeinsam mit Siemens Hellas den griechischen Marktführer für Kühlgeräte Pitsos. Mit dem Ziel, die Position am europäischen Markt zu stärken, baut man ab 1984 – zusätzlich zum Vertrieb über die Stammhäuser – ein eigenes Europa-Vertriebsnetz samt entsprechender Logistik auf. Ende der 1980er-Jahre erwirbt die BSHG mit den Hausgeräteherstellern Balay und Safel wichtige Standbeine am spanischen Markt, 1993 folgt der Schritt nach Slowenien. Damit ist der Weg zum europäischen Entwicklungs- und Fertigungsverbund eingeschlagen. Bereits 1994 beginnt die Internationalisierung des Unternehmens über die Grenzen Europas hinaus.

Herausforderung Umweltschutz – innovativ und sparsam im Verbrauch

Die neuen Märkte verlangen neue Produkte für ihre nationalen Bedürfnisse, doch eine besondere Herausforderung jener Zeit liegt im Umweltschutz. Als erster führender Hersteller der Branche startet die BSHG 1993 die Serienfertigung von FCKW-/FKW-freien Kältegeräten – zwei Jahre vor dem gesetzlich festgelegten Termin. Darüber hinaus leistet man mit der Entwicklung neuer wasser- und stromsparender Geräte kontinuierlich einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. So ermöglicht das 1996/97 entwickelte Aqua-Sensor-System eine variable und automatische Programmsteuerung, der Strom- und Wasserverbrauch von Geschirrspülern und Waschmaschinen kann deutlich reduziert werden. Im Jahr darauf präsentiert man Glaskeramik-Kochfelder, bei denen ausfahrbare Kochsensoren per Infrarot die Temperatur im Kochgeschirr messen und die gewünschte Temperatur exakt einhalten. 

Die Weichen werden neu gestellt – mit 13 renommierten Marken erfolgreich

Die BSH Hausgeräte GmbH, wie das Unternehmen seit 1998 heißt, ist seit Anfang 2015 ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Bosch-Gruppe. In seiner mehr als 50-jährigen Unternehmensgeschichte entwickelt sich der Konzern vom deutschen Exporteur zum zweitgrößten Hausgerätehersteller der Welt. Mit rund 61.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die BSH 2018 einen Umsatz von 13,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat weltweit 42 Fabriken, in denen das gesamte Spektrum moderner Hausgeräte produziert wird.

 

Es reicht von Herden, Backöfen und Dunstabzugshauben über Geschirrspüler, Waschmaschinen, Trockner, Kühl- und Gefrierschränke bis hin zu kleinen Hausgeräten (Consumer Products) wie Staubsaugern, Kaffeevollautomaten, Wasserkochern, Bügeleisen und Haartrocknern. Mit einem Portfolio von 13 Marken bedient die BSH unterschiedlichste Konsumentenbedürfnisse. Außer den Globalmarken Bosch und Siemens sowie Gaggenau und Neff umfasst das Portfolio die Local Hero Marken Thermador, Balay, Coldex, Constructa, Pitsos, Ufesa und Zelmer sowie die Labelmarken Junker und Viva.

Sabine Dittler

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Zum Weiterlesen

  • 40 Jahre BSH – Eine Chronik, hrsg. v. BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, München 2007