John Rabe

„Der gute Deutsche von Nanjing“

Mit der Herausgabe der Tagebücher von John Rabe stößt der Diplomat und Schriftsteller Ernst Wickert 1997 die Diskussion über John Rabe an, dessen humanitärer Einsatz für die chinesische Zivilbevölkerung während des grausam geführten zweiten japanisch-chinesischen Krieges 1937/38 in Vergessenheit zu geraten drohte. 2009 trägt Florian Gallenbergers Spielfilmdrama über den „Oskar Schindler von China“ maßgeblich dazu bei, den engagierten Siemensianer einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.   

Der „gute Deutsche von Nanjing“ – Lebensretter für Hunderttausende

John Rabe wird am 23. November 1882 in Hamburg geboren. Nach einer dort absolvierten kaufmännischen Lehre ist er von 1903 bis 1906 in Afrika und ab 1908 schließlich in China tätig.

 

Um 1910/11 tritt Rabe als kaufmännischer Angestellter in die Pekinger Filiale von Siemens China & Co. ein, einer Siemens-Auslandsvertriebsgesellschaft. Bereits drei Jahre später erweitert man seinen Verantwortungsbereich und ernennt ihn zum Handlungsbevollmächtigten.

1931 wird John Rabe in die Siemens-Niederlassung der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanjing (Nanking) versetzt und zum Geschäftsführer ernannt.

 

Während des sogenannten Massakers von Nanjing 1937 wird Rabe zum Vorsitzenden eines internationalen Komitees gewählt, das eine Sicherheitszone zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den Gräueltaten der japanischen Truppen einrichtet.

 

In diesem Zusammenhang spielt die Hoffnung eine Rolle, Rabe könne als Deutscher und NSDAP-Mitglied Einfluss auf die feindlichen Soldaten nehmen. Zeitweise bringt Rabe chinesische Zivilisten sogar in seinem Haus und auf seinem Grundstück unter.

 

Schätzungen zufolge können dank seiner Hilfe bis zu 250.000 Menschen gerettet werden. Für sein humanitäres Wirken erhält er von der chinesischen Regierung hohe Auszeichnungen.

Zurück in Berlin – zum Schweigen verurteilt und schließlich vergessen

Nach seiner Abberufung aus Nanjing kehrt Rabe im Frühjahr 1938 nach Berlin zurück. Hier versucht er immer wieder vergeblich, auf die Verbrechen an der chinesischen Zivilbevölkerung aufmerksam zu machen, bis ihm seine Aktivitäten schließlich untersagt werden.

 

Im Anschluss an eine vorübergehende Tätigkeit im Vertriebsbüro Kabul der Siemens-Schuckertwerke wird Rabe in der Auslandsabteilung des Berliner Stammhauses mit Personalfragen betraut und kümmert sich um im feindlichen Ausland in Übersee internierte Siemens-Mitarbeiter.

 

Ein Entnazifizierungsverfahren gewinnt er aufgrund seiner humanitären Verdienste in zweiter Instanz, so dass er 1946 erneut für Siemens arbeiten kann – als Übersetzer in wenig verantwortungsvoller Stellung. Verarmt und vergessen stirbt er am 5. Januar 1950 in Berlin.

Späte Würdigung durch den einstigen Arbeitgeber – die Siemens AG und John Rabe

Heute pflegt die Siemens AG die Erinnerung an John Rabe durch ehrenamtliches und materielles Engagement. In Nanjing beteiligt sich Siemens an der Renovierung von Rabes früherem Haus, das seit 2006 als Forschungszentrum und Museum dient.

 

Am 23. November 2012, dem Tag von Rabes 130. Geburtstag, wird an dessen früherem Wohnhaus in der Harriesstraße in der Berliner Siemensstadt eine Gedenktafel enthüllt. Ein Tag zuvor, am 22. November 2012, jährt sich die Errichtung der Sicherheitszone Nanjing zum 75. Mal.

Dr. Frank Wittendorfer

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