Una storia italiana

120 Jahre Siemens in Italien

Als Siemens am 1. Januar 1899 in Mailand seine erste Gesellschaft in Italien gründet, beginnt eine der längsten Partnerschaften in der Geschichte des Unternehmens. Von der Errichtung von Kraftwerken sowie dem Aufbau moderner Nachrichten- und Kommunikationsnetze bis zu den neuesten Lösungen der Digitalisierung – seit über 120 Jahren leistet Siemens wichtige Beiträge zum Fortschritt des Landes. 

 

Anfänge im Süden – über die Starkstromtechnik gelingt der Markteintritt

Bereits 1855, also gerade einmal acht Jahre nach der Gründung von Siemens & Halske (S&H) in Berlin beginnt das junge deutsche Unternehmen, die ersten geschäftlichen Beziehungen nach Italien zu knüpfen. Ende der 1870er-Jahre werden die ersten Projekte erfolgreich durchgeführt – beispielsweise die elektrische Probebeleuchtung einiger Straßen in Rom –, und in der Folge baut Werner von Siemens die noch frischen Geschäftsbedingungen weiter aus. Am 1. Januar 1899 schließlich gründet Siemens seine italienische Tochtergesellschaft, die Società Italiana Siemens per Impianti Elettrici in Mailand. Schon innerhalb eines Jahres eröffnen mehrere Unterbüros in verschiedenen italienischen Städten.

 

Diese ermöglichen es Siemens, sich gleichzeitig in Nord- und Süditalien auszubreiten. In Perugia und Pisa werden kurz nach der Gründung erste Elektrizitätswerke und in Vizzola Wasserkraftanlagen errichtet, kurz darauf beginnt die Produktion von Straßenbahnen. Es ist also allen voran das Geschäft mit der Starkstromtechnik, wie die Energietechnik seinerzeit genannt wird, das es dem Berliner Unternehmen ermöglicht, schon früh in Italien Fuß zu fassen.

 

Nachdem 1903 die Società Italiana Siemens und die Società Anonima Italiana Schuckert & Co. zur Società Italiana di Elettricità Siemens-Schuckert (SIE) fusioniert sind, erweisen sich die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts als besonders erfolgreich für das Unternehmen: Neben der elektrischen Ausrüstung verschiedener Triebwagen zählen zu den wichtigsten Projekten das 1910 errichtete Wasserkraftwerk am Stura-di-Viu-Fluss – eines der ersten Pumpspeicherwerke der Welt – und die elektrische Einrichtung des Justizpalasts (Palazzo di Giustizia) und der neuen Münze (Zecca) sowie die Bauten auf der Weltausstellung in Rom. 

Harter Wettbewerb – Siemens auch im italienischen Schwachstromgeschäft aktiv 

Italien ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Siemens auch ein vielversprechender Markt in der Nachrichtentechnik, der sogenannten Schwachstromtechnik. Vor dem Ersten Weltkrieg wird das Elektrounternehmen mit größeren Aufträgen zur Installation von öffentlichen Fernsprechanlagen betraut.

 

Bereits 1900 kann sich S&H durch die Präsentation von modernsten technischen Entwicklungen in der Nachrichtentechnik auf der Pariser Weltausstellung als attraktiver Technologiepartner für das italienische Fernsprechgeschäft empfehlen. Siemens liefert für die Städte Venedig, Fermo, Cittadella und Este die technische Ausstattung der neuen Fernsprechämter.

 

Der Wettbewerb in diesem Geschäftsfeld ist allerdings sehr hart, da US-amerikanische Firmen (vor allem Western Electric) zu dieser Zeit in der Nachrichtentechnik zum Teil Siemens deutlich voraus sind und größere technologische Fortschritte erzielt haben. 

Doch das Berliner Unternehmen stellt sich dieser Herausforderung: Mit dem im Jahr 1909 erstmals in München installierten Fernsprechamt mit Selbstwählerbetrieb, also mit automatisierter Gesprächsvermittlung, gelingt es Siemens & Halske, sich schließlich auch am internationalen Markt zu behaupten. Erheblich zum erfolgreichen Bestehen in diesem Wettbewerb trägt auch das im Palazzo Chigi in Rom – seit 1961 der Amtssitz des italienischen Ministerpräsidenten – extra dafür eingerichtete Werbebüro bei. In diesem historischen Renaissance-Palast wird die neueste Selbstanschlusstechnik von S&H präsentiert. Das deutsche Unternehmen wird daraufhin mit den großen Projekten der staatlichen Telefonverwaltung in Italien beauftragt, und bereits 1912 werden erste Fernsprechämter in Rom und Genua eingerichtet.

 

Obwohl der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Installation dieser Ämter unterbricht und Siemens Italien das Jahr 1914 mit einem negativen wirtschaftlichen Ergebnis abschließt, stellt das störungsfreie Funktionieren des Fernsprechsystems den Beginn späterer Geschäftserfolge in Italien dar.

Zwischen den Kriegen – neue Produkte für neue Kunden

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gelingt es Siemens, in Italien das eigene Geschäft weiter auszubauen: Der dringende Bedarf bei der öffentlichen italienischen Stromversorgung, dem öffentlichen Verkehr und dem Ausbau wichtiger Industriebetriebe sind günstige Bedingungen für das deutsche Unternehmen.

Anfang der 1920er-Jahre gründen deshalb S&H und die Siemens-Schuckertwerke eine neue Vertriebsgesellschaft: die Siemens Società Anonima (SA) in Mailand.

 

Durch diesen Wandel werden auch neue bedeutende Kunden gewonnen, die wiederum durch ihre steigende Nachfrage die bisherige Kapazität der Siemens-Werke auslasten. Deshalb beschließt die Siemens SA, ihre Industriegebäude zu erweitern und dann 1927 die Fertigungsgesellschaft OLAP (Officine Lombarde Apparecchi di Precisione S.A.) in Mailand zu eröffnen, die ab dann für die Produktion von Siemens-Waren zuständig ist.

 

Durch diese Veränderungen steigt zudem die Gesamtbelegschaft der Siemens Italia stark an: Allein in Mailand werden Ende 1939 insgesamt 713 Mitarbeiter gezählt. Auch für diese erheblich gewachsene Beschäftigtenzahl benötigt Siemens Italia ein neues Bürogebäude mit Lager- und Werkstatträumen, für dessen Ausführung der deutsche Architekt Hans Hertlein beauftragt wird. Der berühmte Bau in der Via Fabio Filzi 29 ist 1938 fertiggestellt; er steht ab diesem Zeitpunkt für den Erfolg von Siemens Italien und prägt gleichzeitig das Stadtbild sowie die moderne Architektur Mailands.

 

Eine weitere bedeutende Geschäftsentwicklung findet Anfang der 1940er-Jahren statt: Die vielen verschiedenen Gesellschaften, die über die Jahrzehnte von Siemens Italien aufgekauft wurden, schließen sich zu einer Siemens-Großgesellschaft zusammen – die Siemens Società per Azioni (Siemens SpA). 

Umstrukturierung und Großaufträge – eine breite Produktpalette für den italienischen Markt

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden zahlreiche Siemens-Landesgesellschaften in ihren jeweiligen Ländern unter staatliche Kontrolle gestellt oder von einheimischen Unternehmen mit Regierungshilfe übernommen.

 

Der italienischen Siemens-Gesellschaft ergeht es 1950 nicht anders: Die Firma STET (Società Torinese Esercizi Telefonici), die alle Anteile der früheren Siemens SpA in ihrem Besitz hält, bietet dem deutschen Elektrounternehmen später an, nicht-nachrichtentechnische Teile der Gesellschaft zurückzukaufen.

 

1960 werden diese als Siemens Elettra (SEM) wieder Teil von Siemens & Halske und den Siemens-Schuckertwerken. Als Sitz des Unternehmens bleibt das repräsentative, bereits vor dem Krieg von Siemens genutzte Gebäude in der Mailänder Via Fabio Filzi erhalten. 27 Jahre später, im Jahr 1987, wird Siemens Elettra dann wieder in Siemens SpA zurückbenannt.


Die nachrichtentechnischen Bereiche von Siemens bleiben allerdings 1960 unter italienischer Leitung und werden in SIT (Società Italiana Telecomunicazioni Siemens) umbenannt, das später, Anfang der 1980er-Jahre, an ein privates italienisches Unternehmen verkauft wird.

Vor allem SEM baut während der 1960er- und 1970er-Jahre die Firma weiter aus: Siemens Elettra erzielt enorme Gewinne beim Vertrieb von Serienfabrikaten. Es gelingt dem Unternehmen, bei SA FIAT, dem größten Abnehmer von Maschinen, die Niederspannungsschaltgeräte standardisieren zu lassen und damit der gesamten italienischen Werkzeugmaschinenindustrie eine nationale Produktion zur Verfügung zu stellen.

 

Die Aufträge in den Nachkriegsjahren kommen von den verschiedensten Institutionen. Zu den großen italienischen Kunden gehört unter anderen auch ENEL (Ente Nazionale per l’Energia Elettrica), der zweitgrößte Energieversorger Europas, für den Siemens Fernmessanlagen mit Prozessrechnern herstellt.

 

Mit umfangreichen Beleuchtungsprojekten in öffentlichen Räumen beschäftigt sich Siemens von den späten 1960er-Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts. SEM installiert 1968 beispielsweise in der Kirche Sant’Antonio in Padua die gesamte Lichtanlage, wodurch eines der berühmtesten und meistbesuchten Heiligtümer Italiens durch neues Licht besonders hervorgehoben wird. Berühmtheit erlangt Siemens in Italien nicht zuletzt auch durch die Installation von Flutlichtanlagen in den Stadien von Mailand, Florenz, Verona und Bari anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft von 1990. Während des Turniers trägt auch die deutsche Nationalelf ihre Spiele an diesen Orten aus, die schließlich Historisches leistet: Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung gelingt der vereinten Mannschaft mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft ein großer Triumpf.

Auf ins digitale Zeitalter – Siemens Italien im neuen Jahrtausend

Digitalisierung und Nachhaltigkeit – das sind die tragenden Säulen unternehmerischer Aktivitäten, die für Siemens im neuen Jahrtausend auch in Italien bestimmend sind. Zukunftsweisend ist beispielsweise die Digitaltechnik, die Siemens Business Services im Jahr 2003 für die italienischen Polizeikräfte liefert. Es ist das größte mobile Notrufsystem des Landes: Mehr als 8.000 Einsatzfahrzeuge der Carabinieri in 113 Städten werden mit modernster Siemens-Callcenter-Technologie ausgestattet, die auch über GPS verfügen. Mit Aufträgen zur Produktion und Installation von Solaranlagen ist das deutsche Elektrounternehmen im Bereich regenerativer Energie auch in Italien in „grüner“ Technik führend.

 

2010 werden bei Siemens neue Solar-Receiver für die italienische Stadt Massa Martana entworfen, und im selben Jahr errichtet das Unternehmen in Zusammenarbeit gemeinsam mit Statkraft, Europas größtem Erzeuger erneuerbarer Energien, weitere Solaranlagen in Mittelitalien – dies ist der bislang umfangreichste Photovoltaik-Rahmenvertrag in Europa.

 

Für die Expo 2015 in Mailand schließt Siemens eine strategische Partnerschaft mit dem Energiekonzern ENEL. Zusammen entwickeln sie ein intelligentes Mikronetz, das die Weltausstellung mit Strom versorgt. Mit dieser „Smart Grid“-Siemens-Software lässt sich der Energieverbrauch auf dem gesamten Expo-Areal nicht nur an Bildschirmen in der Leitstelle, sondern überall via Smartphone überwachen und optimieren. Dies umfasst auch Beleuchtung und Klimatisierung der Länder-Pavillons. Zusätzlich bereichert Siemens das Gelände der Weltausstellung mit internationaler Kunst: Auf der Piazza Italia, der zentralen Flaniermeile, werden vier Monumentalskulpturen errichtet, die das Architekturbüro von Daniel Libeskind im Auftrag von Siemens entwirft.

Casa Siemens – ein neues und innovatives Headquarter

Willkommen in der Zukunft! Gerade einmal 18 Monate nach der Grundsteinlegung für den neuen Hauptsitz der Siemens Italia in Mailand wird am 22. März 2018 die Casa Siemens feierlich eröffnet. An diesem Tag ziehen die italienischen Mitarbeiter aus der ehemaligen, aus den 1990er-Jahren stammenden Siemens-Zentrale in den neu errichteten Standort. Der Neubau auf dem modernen Campus-Gelände ist von weiträumigen Grünflächen umgeben und entspricht den hochgesteckten Nachhaltigkeitszielen, die Siemens Building Technologies verfolgt. Die Zertifizierung mit dem international anerkannten LEED GOLD Standard ist ein deutliches Zeichen dafür. Die kosten- und energieeffiziente Bauweise des Gebäudes zeigt sich beispielsweise an einem um nahezu 50 Prozent gesenkten Stromverbrauch. Erreicht wird dies durch die Ausstattung mit rund 400 LED-Leuchten, was sich im Vergleich zu herkömmlichen Leuchtmitteln enorm stromsparend auswirkt.

„Wer wissen will, wie man in Zukunft bei Siemens arbeitet, der sollte einen Blick nach Mailand werfen“, sagt Zsolt Sluitner, Head von Siemens Real Estate. Denn neben dem innovativen Green Building wertet das 84.000 Quadratmeter umfassende  Grundstück auch den gesamten es umgebenden Mailänder Stadtteil auf: Zu dem neuen Komplex gehören nicht nur ein großer Mitarbeiterparkplatz, sondern auch ein Fußballfeld und ein neu angelegter und der öffentlichen Nutzung offenstehender Park, in dem 400 Bäume gepflanzt werden.

Carolina Maddè