Der Beginn des drahtlosen Zeitalters

Meilensteine aus der Geschichte der Telefunken

Auch mehr als 115 Jahre nach Gründung der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. System Telefunken steht der Name Telefunken noch immer für die Anfänge und Entwicklung der modernen Funk- und Nachrichtentechnik. Ohne die Leistungen der Telefunken-Ingenieure wären heute Verstärker-, Rundfunk- und Fernsehtechnik nicht denkbar. Siemens zieht sich als Stammgesellschaft 1941 von Telefunken zurück. Die wichtigsten Meilensteine der Telefunken-Historie werden im Folgenden skizziert. 

Ein Gegengewicht zu Großbritannien – AEG und Siemens bringen den Funkverkehr voran 

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wird intensiv an der Verwendung elektromagnetischer Wellen als drahtloses Kommunikationsmedium geforscht. Als Guglielmo Marconi mit Unterstützung der englischen Flotte ein Funknetz aufzubauen beginnt, droht Großbritannien eine Weltmonopolstellung in der Funkentelegrafie zu erlangen. Daraufhin drängen Kaiser Wilhelm II. sowie Militärkreise in Deutschland Siemens & Halske und die AEG, ein entsprechendes Gegengewicht zu etablieren.

 

Nach langwierigen Patentstreitigkeiten wird schließlich 1903 die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH – System Telefunken gegründet mit dem Ziel, die technische Entwicklung zu koordinieren, Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen und den Vertrieb der Anlagen und Apparate zu übernehmen. An der neuen Gesellschaft sind Siemens und die AEG jeweils zu 50 Prozent beteiligt; als Stammfirmen wird ihnen die Produktion übertragen.

 

Bis zum Ersten Weltkrieg ist Telefunken vor allem mit der Errichtung von Großsendeanlagen befasst. Kolonialverwaltungen und Admiralität fördern die Fertigung derartiger Sender, da ihnen aus wirtschaftlichen und politischen Erwägungen an einem schnellen Informationsaustausch mit den deutschen Afrika- und Überseebesitzungen gelegen ist.

 

Die später zu einem Großsender erweiterte Versuchssendeanlage in Nauen bei Berlin ermöglicht ab 1906 die Überbrückung derart weiter Strecken. Telefunken nimmt 1907 ein deutsches Küstenfunknetz in Betrieb und gründet in der Folge nationale und überseeische Dienste für den Seefunkverkehr sowie zur Versorgung des Schiffsverkehrs mit Nachrichten.

Nach dem Ersten Weltkrieg – mit Einheits-Fernsehempfänger und Schallplatten auf Erfolgskurs

Nach dem Verlust seiner Auslandsfunkstationen im Gefolge des Ersten Weltkriegs sieht sich Telefunken ab 1918 zunehmend aus dem internationalen Geschäft gedrängt. Als Konsequenz konzentriert man sich vor allem darauf, die technischen Voraussetzungen für die Einführung des Unterhaltungsrundfunks in Deutschland (1923) zu etablieren. Zur erfolgreichen Entwicklung der deutschen Rundfunkwirtschaft trägt bei, dass Telefunken seine Patente und Rechte an der Verstärkerröhre allen Firmen zur Verfügung stellt und auf eine Monopolstellung verzichtet.

 

In den 1930er-Jahren sind Telefunken-Rundfunkgeräte baugleich mit denen von Siemens; die Radios unterscheiden sich lediglich im Design. Auch an der Entwicklung eines elektronischen Fernsehsystems ist Telefunken maßgeblich beteiligt – das System kommt erstmals während der Olympischen Spiele 1936 in „öffentlichen Fernsehstuben“ zur Anwendung. Bis 1939 entwickelt Telefunken einen deutschen Einheits-Fernsehempfänger und bringt ihn zur Serienreife.

 

Erwähnung verdient auch die Gründung der Telefunkenplatte GmbH im Jahr 1932. Die Schallplatten sind dank innovativer Aufnahmeverfahren, hervorragender Pressqualität und hochrangiger Interpreten marktführend und beim Publikum äußerst beliebt.

Siemens steigt aus – doch der Markenname bleibt

1941 schließlich trennte sich Siemens von seinen Telefunken-Anteilen. Im Rahmen der sogenannten Telefunken-Transaktion erwirbt Siemens & Halske im Tausch Anteile an der Klangfilm GmbH, an der Deutschen Grammophon Gesellschaft sowie an anderen AEG-Unternehmen. Damit endete der Einfluss von Siemens auf Telefunken. 1967 verliert die Telefunken AG durch Fusion mit der AEG ihre Eigenständigkeit. Der weltbekannte Name lebte in der Firmierung „AEG-Telefunken“ noch bis zu deren Auflösung 1985 fort. Heute findet sich der Markenname auf einigen Produkten wieder und weckt so die Erinnerung an ein bedeutendes Unternehmen.

Dr. Frank Wittendorfer

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Weiterführende Informationen zu dem Thema

Zum Weiterlesen

  • Telefunken nach 100 Jahren. Das Erbe einer deutschen Weltmarke, hrsg. von Erdmann Thiele, Berlin 2003