Von Berlin über Budapest in die Welt

Metros von Siemens – gestern und heute

Siemens ist seit 1879 Pionier der Elektromobilität auf der Schiene, die ab dem Jahr 1881 moderne, leistungsfähige Nahverkehrssysteme erst möglich gemacht hat. Als Straßenbahn auf eigenen Trassen, als Hoch- oder als U-Bahn stellen die technischen Innovationen von Siemens im Bereich des Schienenverkehrs bis heute weltweit Pionierleistungen bei der Weiterentwicklung urbaner Mobilität dar.

Die Städte wachsen weiter – Umweltschonende Mobilität

Neben dem demografischen Umbruch und dem Klimawandel stellt uns vor allem die  Urbanisierung vor globale Herausforderungen. 2010 lebte bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Ballungsräumen. Es wird erwartet, dass sich 90 Prozent des künftigen Bevölkerungswachstums in Städten konzentrieren wird. Damit nimmt auch der öffentliche Nahverkehr zu: Bis 2050 wird sich die Zahl der in den Metropolen der Welt zurückgelegten Personenkilometer verdreifachen.

Effiziente und nachhaltige Mobilität ist daher das zentrale Handlungsfeld für Städte und Gemeinden weltweit. Leistungsfähige Nahverkehrssysteme sind der Schlüssel zur Bewältigung von Staus, Luftverschmutzung und Parkplatznot. Gerade schienengebundene, elektrisch angetriebene Stadtbahnen und Metros spielen dabei eine wesentliche Rolle, denn sie sichern nicht nur die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der urbanen Zentren, sondern tragen auch zum Schutz der Umwelt bei.

 

Elektromobilität von Anfang an – Von der ersten Straßenbahn bis zur Stadtbahn für Kanada

Siemens engagiert sich schon sehr früh für den elektrifizierten Nahverkehr auf der Schiene, denn seit den 1880er-Jahren entfalten die Großstädte weltweit eine große Dynamik, wirtschaftlich und beim Bevölkerungswachstum. Seitdem er 1866 das dynamoelektrische Prinzip entdeckt hat, träumt Werner von Siemens von einer Hochbahn in Berlin, die aber vorerst an technischen Restriktionen und politischen Widerständen scheitert. Doch der Unternehmer gibt nicht auf und sammelt ab 1881 wertvolle Erfahrungen mit der ersten elektrischen Straßenbahn der Welt. Begeistert von den Anwendungsmöglichkeiten des von ihm im Jahr zuvor entdeckten dynamoelektrischen Prinzips äußert Werner von Siemens bereits 1867 die Idee, „Eisenbahnen auf eisernen Säulen durch die Straßen Berlins zu bauen und dieselben elektrisch zu betreiben“. 

 

Werner von Siemens erlebt nicht mehr, wie Siemens & Halske zwei Jahre nach seinem Tod das Know-how nutzt, um in Budapest die erste U-Bahn auf dem europäischen Kontinent aufzubauen. Sie geht 1896 in Betrieb, die ersten Wagen werden 77 Jahre lang eingesetzt. Ein paar Jahre später folgt die deutsche Hauptstadt: 1902 erfüllt sich Siemens’ Traum mit der Eröffnung der ersten Hoch- und Untergrundbahn in Berlin. In den 1930er-Jahren übernimmt das Unternehmen immer mehr Pionier-Aufgaben bei U-Bahn-Projekten in Europa und Südamerika, etwa in Athen und Buenos Aires. Seit den 1950er-Jahren sind Fahrzeuge, Antriebe und Zugsicherungssysteme von Siemens international gefragt. U-Bahnen entstehen zum Beispiel in Lissabon, München, Nürnberg und Wien oder werden mit dem Know-how und den energiesparenden Zügen von Siemens weiter ausgebaut. 1977 gelingt der Durchbruch in Nordamerika mit modernen Stadtbahnzügen, einer Weiterentwicklung des Typs U2 aus Frankfurt am Main. Die Verwaltung der Region um Edmonton und Calgary in der Provinz Alberta, Kanada, bestellt immer wieder nach. Calgary ist von den in Kalifornien produzierten Zügen so überzeugt, dass Siemens seit 40 Jahren alleiniger Lieferant ist. 

Neue Kontinente, neue Lösungen – Schlüsselfertige Nahverkehrssysteme

Seit den 1970er-Jahren bewirbt sich Siemens erfolgreich um Metro-Projekte in Asien: In Singapur, Shanghai, Taipeh und Guangzhou entstehen unter seiner Regie neue Bahnen. Auch werden neue Züge und moderne Signaltechnik eingeführt, um mit kürzeren Zugfolgen höhere Beförderungskapazitäten zu schaffen. Gleichzeitig wickelt das Unternehmen neue Aufträge in Europa, Nord- und Südamerika ab. Shanghai in China und San Juan auf der Karibik-Insel Puerto Rico gehören zu den ersten schlüsselfertigen Nahverkehrssystemen, die von Siemens geplant und bis zur Inbetriebnahme vorangetrieben werden. Vom Streckenbau über Bahnhöfe, die Elektrifizierung und Zugbeeinflussungstechnik bis zu den Fahrzeugen und dem geschulten Personal – der Konzern kümmert sich um jedes Detail und koordiniert die Arbeit der Zulieferer. Beim Bau schlüsselfertiger Anlagen ist Siemens heute führender Anbieter. Das Unternehmen erhält solche Aufträge zum Beispiel aus Puerto Rico (USA, 1996), Kaohsiung (Taiwan, 2003), Riad (Saudi-Arabien, 2014), Bangkok (Thailand; mehrere Projekte 1997, 2002, 2016, 2017), Rennes (Frankreich, 2002) und Guargaon bei Delhi (Indien, 2010). Ein oberleitungsloses Tramsystem wird in Doha (Katar) installiert.

Langfristige Verantwortung für die Züge – Instandhaltung inklusive

Auch in Bangkok entwickelt Siemens die ersten Hoch- und Untergrundbahnen, übernimmt das Projektmanagement und die Produktion der Züge. Ein neuer Trend zeichnet sich um die Jahrtausendwende ab: Weil Nahverkehrsleistungen mehr und mehr ausgeschrieben und auf Zeit vergeben werden, gehört die Infrastruktur oft nicht mehr dem Betreiber. Siemens übernimmt in Bangkok für zehn Jahre und länger die Verantwortung und sorgt für die maximale Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Maximal heißt dabei: über 99 Prozent. Der Trend setzt sich schnell durch und hält bis heute an: Im Nahverkehr werden Instandhaltungsverträge für 30 Jahre und länger abgeschlossen. Die Besitzer von Fahrzeugen und Infrastruktur können so die Lebenszykluskosten der Verkehrssysteme langfristig kalkulieren. Die Unternehmen mit befristeten Verkehrsverträgen profitieren von perfekt gewarteten, immer praktisch neuwertigen Fahrzeugen und mieten diese nur an. Sie sind flexibler, weil sie keinen eigenen Fahrzeugpark finanzieren und betreuen müssen. Auch Siemens profitiert davon: Der Hersteller kennt seine Fahrzeuge am besten und kann im Betrieb entdeckte Schwachstellen bei künftigen Fahrzeuggenerationen von vornherein ausschließen.

Automatisch fahren – Flexibel und mit hoher Kapazität

Metros sind meist geschlossene Systeme, die ideal für eine Automatisierung geeignet sind. Fahrerlose Züge vergrößern durch enge Taktungen die Kapazität der Strecken und lassen sich bedarfsgerecht zentral steuern und einsetzen, ohne Fahrer für Spitzenzeiten vorhalten zu müssen. Siemens leistet im Projekt RUBIN Pionierarbeit bei der VAG Nürnberg, die zunächst die neue U-Bahn-Strecke U3 automatisiert, aber vorübergehend auch einen Mischbetrieb mit von Hand gesteuerten Zügen erlaubt. Das erfordert erhebliches Know-how bei der Sicherung der Strecke, der Bahnsteige und der Ausrüstung der kameraüberwachten Fahrzeuge. Nach jahrelangen Vorarbeiten beginnt 2008 der vollautomatische Regelbetrieb, der dann auf die U2 ausgeweitet wird.

 

Ein anderes vollautomatisches Verkehrsmittel geht schon 2007 am Flughafen Roissy-Charles de Gaulle in Paris in Betrieb. Der Val (Véhicule automatique léger oder auch Automated People Mover) pendelt vollautomatisch zwischen den drei Terminals und fährt fünf Haltestellen an. In Riad, Saudi-Arabiens Hauptstadt, entsteht das größte Metro-Projekt der Welt. Siemens erhält 2013 den 1,5 Milliarden Euro schweren Auftrag, die Züge, die Bahnstromversorgung und die Zugsicherungstechnik sowie die Systemintegration für zwei fahrerlose U-Bahn-Linien schlüsselfertig zu liefern. Die automatischen Züge können zu Spitzenzeiten im 90-Sekunden-Takt verkehren und die notwendige Kapazität für den Nahverkehr der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt bereitstellen. Seit 2018 werden die Fahrzeuge ausgeliefert.

Blick in die Zukunft – Energiesparend, automatisch, zuverlässig und komfortabel

Nahverkehrssysteme sind lebende Systeme, die ständig wachsen, weiterentwickelt und an die steigenden Fahrgastzahlen angepasst werden müssen. Die Millionenstädte und Siemens arbeiten dabei auf vielen Ebenen zusammen. Stadtbahnen und Metros sind längst als Alternative zu überlasteten Straßen samt ihren Folgen Umweltbelastung und Parkplatznot anerkannt. Moderne Züge sind energiesparend, bieten neue Beleuchtungskonzepte, WLAN, Klimatisierung, komfortable Innenräume, Unterhaltung und Information. Dank der Digitalisierung werden Fahrgäste schon in naher Zukunft Wagen mit leeren Plätzen vor Einfahrt des Zuges angezeigt bekommen. Die Vernetzung der öffentlichen Verkehrsmittel und elektronische Ticketsysteme werden die Akzeptanz von Metros und Stadtbahnen weiter erhöhen. Neue Leitsysteme und automatische Züge ermöglichen schnellere Zugfolgen und vergrößern damit die Kapazität und den Komfort für Pendler, Touristen und Gelegenheitsfahrer. Und nicht zuletzt sorgen ausgeklügelte Instandhaltungskonzepte künftig für eine Hochverfügbarkeit der Züge, die damit auch viel seltener ausfallen.

 

Siemens ist nicht nur der führende Anbieter von langfristigen Wartungsverträgen mit eigenen Werkstätten und geschultem Personal. Die Metros und Stadtbahnen werden von Siemens ständig weiterentwickelt, lassen sich modular auf die Wünsche der Betreiber zuschneiden und sind so flexibel, dass sie auch noch nach vielen Jahren auf den neuesten Stand gebracht werden können. Automatische Metro-Züge sind bereits seit vielen Jahren Realität. Siemens als Pionier des schienengebundenen Nahverkehrs entwickelt seine Fahrzeuge und Zugbeeinflussungssysteme konsequent weiter. Auf der Innotrans 2018 hat eine autonome Straßenbahn Weltpremiere, die ihre Umgebung optisch und elektronisch erfasst, mit Künstlicher Intelligenz auswertet und selbstständig auf Signale, Autos und Fußgänger achtet. Siemens ist für den Verkehr der Zukunft gut vorbereitet. 

Meilensteine urbaner Mobilität

Sehen Sie in unserer Bildergalerie ausgewählte Siemens-Lösungen für die Herausforderungen des städtischen Nahverkehrs.

Friedhelm Weidelich