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Carl Friedrich von Siemens

1919–1941

Carl Friedrich Portrait Carl Friedrich Portrait verschwommen
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Architekt des Hauses Siemens

Werner von Siemens’ jüngster Sohn, Carl Friedrich, übernimmt kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs die Firmenleitung. Als „Chef des Hauses“ gestaltet er die Entwicklung des Unternehmens während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es gelingt ihm, Siemens nach dem Ersten Weltkrieg und den damit einhergehenden Verlusten wieder zu einem weltweit führenden Elektrokonzern zu machen und umfassend zu modernisieren.

„Das Streben nach Gewinn darf nicht das treibende Motiv für die Arbeit sein, sondern allein der Wille nach Verbesserung der Technik, verbunden mit höchster Wirtschaftlichkeit der Ausführung bei Vermeidung aller unproduktiver Reibungsarbeit.“

Carl Friedrich von Siemens auf der außerordentlichen
Hauptversammlung der Siemens & Halske AG am 13.6.1939
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1872

1872

Carl Friedrich
Geschwister

Die Geschwister Hertha und Carl Friedrich stehen 
sich zeitlebens sehr nah und pflegen ein enges freundliches Verhältnis.

Carl Friedrich von Siemens wird am 5. September 1872 geboren. Als sein Vater Ende 1892 stirbt, ist er gerade 20 Jahre alt. Wie der seiner Brüder ist auch sein Weg an die Spitze des Unternehmens vorgezeichnet. Besonders in dem 17 Jahre älteren Wilhelm findet Carl Friedrich ein ideales Vorbild und einen erfahrenen Ratgeber.

Doch aller Anfang ist schwer: Seine schulischen Leistungen sind alles andere als glänzend, und er hat „absolut keine Begabung für Schulkram“, wie er von sich selbst sagt. Bei seiner ersten Tätigkeit für Siemens in London wird deutlich, dass Carl Friedrich ein Mann der Praxis ist.

1899

London Belegschaft London Belegschaft verschwommen

Carl Friedrich von Siemens wird 1906 zum Managing Director der neu gegründeten Siemens Brothers Dynamo Works Ltd. in London ernannt.

Nach einer eineinhalbjährigen Lehre bei Siemens in Berlin wird Carl Friedrich 1901 in die Londoner Filiale geschickt, wo er wertvolle Erfahrungen sammelt und bald das Energiegeschäft verantwortet.

1908

Carl Friedrich

Wieder zurück in Berlin, betraut man ihn 1908 mit der Leitung der neu gegründeten zentralen Auslandsorganisation, einer Aufgabe, für die ihn seine langjährige Erfahrung in anderen Ländern in besonderer Weise qualifiziert. Als Carl Friedrich 1912 Vorstandsvorsitzender der Siemens-Schuckertwerke wird, ist er in der Führungsspitze angekommen.

1919

Streik

Das Jahr 1919 markiert einen entscheidenden Einschnitt im Leben Carl Friedrich von Siemens’: Nach dem Tod seiner Brüder Arnold und Wilhelm wird der 47-Jährige „Chef des Hauses“ und steht nun in der Verantwortung, Siemens durch die schwierigen Nachkriegsjahre zu führen. Politische Unruhen, zahlreiche Streiks und wirtschaftliche Instabilität kennzeichnen diese Phase. Doch mit klarem Blick und ruhiger Hand bewährt sich Carl Friedrich von Siemens als „Schlechtwetterkapitän“ in dieser unternehmerischen Krisenzeit.

1920er

Siemensstadt Gebäude
Carl Friedrich

Das Leitbild, an dem Carl Friedrich sein unternehmerisches Handeln ausrichtet, ist die „Einheit des Hauses“ Siemens. Auf der Grundlage einer klaren Unternehmensidentität zielt seine Portfoliopolitik darauf ab, erfolgreich in allen Geschäftsfeldern der Elektroindustrie vertreten zu sein und die Elektrotechnik maßgeblich zu prägen. Innerhalb der Branche engagiert sich Siemens als einzige globale Firma sowohl in der Nachrichten- als auch der Energietechnik.

1925

Fabrik

Carl Friedrich von Siemens ist sich bewusst, dass Erfolg und Wachstum eines Unternehmens nicht allein auf technischen Innovationen basieren. Um schneller auf Veränderungen der Produktions- und Nachfragestruktur reagieren zu können, folgt Siemens dem allgemeinen Trend und führt die Fließfertigung ein. Ab 1925 gehen nach und nach zahlreiche Siemens-Werke dazu über, ihre Abläufe auf Massenproduktion umzustellen.

1927

Männer am Tisch

Der Schwerpunkt seiner betrieblichen Sozialpolitik liegt auf der Altersversorgung – ein Gebiet, auf dem Siemens mit Gründung der Pensionskasse 1872 Maßstäbe gesetzt hat.

Wie Werner von Siemens ist auch Carl Friedrich an einer fortschrittlichen Sozialpolitik interessiert und setzt damit eine lange Tradition im Unternehmen fort. Gerade in den politisch und wirtschaftlich unsteten 1920er-Jahren etabliert er mehrere Maßnahmen mit dem Ziel, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter langfristig an Siemens zu binden.

1931

Auslandsbeteiligung
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Im Ersten Weltkrieg verliert Siemens knapp 40 Prozent seiner Substanz. Fast alle Auslandsniederlassungen und -beteiligungen gehen verloren. Dennoch setzt Carl Friedrich von Siemens alles daran, das Unternehmen an den Weltmarkt zurückzuführen. Neben dem Aufbau neuer Vertriebsgesellschaften und Fertigungsstätten sind es vor allem prestigeträchtige Großprojekte wie die Elektrifizierung des Freistaats Irland, die das Renommee von Siemens als vertrauenswürdigem Partner stärken.

„Die Zeit der nationalen Abgeschlossenheit ist vorüber. Wir müssen erkennen, daß wir heute in der Welt voneinander abhängig geworden sind.“ Carl Friedrich von Siemens, 1931

1930er

Reichsbahn Gesellschaft ohne Licht Reichsbahn Gesellschaft mit Licht

Carl Friedrich von Siemens ist von 1924 bis 1934 Präsident des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.

Parallel zu seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich Carl Friedrich von Siemens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Von 1920 bis 1924 ist er Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei. Darüber hinaus gehört er zur Führungsspitze zahlreicher Wirtschafts- und Wissenschaftsorganisationen wie dem Zentralverband der deutschen elektrotechnischen Industrie, dem Reichswirtschaftsrat oder der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 zieht sich Carl Friedrich von Siemens aus allen öffentlichen Ämtern zurück. Fortan widmet er sich ganz der Leitung des Unternehmens.

1941

Beerdingung

Als überzeugtem Demokraten ist Carl Friedrich von Siemens die Nazi-Diktatur zuwider, gleichwohl gilt es, sich für das Wohl und den Erhalt seines Unternehmens einzusetzen. Trotz einer zunehmend durch den Staat reglementierten Wirtschaft bewahrt er sich Handlungsspielräume – mit Erfolg. Die Rüstungsfertigung konzentriert sich weitgehend auf elektrotechnische Fabrikate. Und es gelingt, die Ausweitung der Produktion von Waffen oder anderen kriegswichtigen Geräten über den Beginn des Zweiten Weltkriegs hinaus zu verhindern. Doch das kostet Kraft. Erschöpft von den herausfordernden Jahren an der Spitze des Hauses stirbt Carl Friedrich von Siemens am 9. Juli 1941 in Berlin.

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Eine Reise durch
die Siemens-Geschichte

Wer sich mit der Geschichte von Unternehmen beschäftigt, wird Zeuge spannender Entwicklungen, taucht ein in eine Abfolge von Höhen und Tiefen, Erfolgen und Misserfolgen, ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Und er lernt nicht nur die Gründer sondern auch die Persönlichkeiten kennen, die diese Firmen erfolgreich weiterentwickelt haben, die sie lenkten und leiteten. Genau damit beschäftigt sich das neue Buch des Siemens Historical Institute. Es zeichnet anhand von 13 ausführlichen Porträts nach, wie die mehr als 170-jährige Geschichte von Siemens mit der Geschichte Deutschlands, Europas und der Welt verwoben ist. Vom Gründer Werner von Siemens über Carl Friedrich von Siemens bis hin zu Joe Kaeser wird deutlich, dass es Personen an der Spitze braucht, die mit Mut, Tatkraft und Verantwortungsbewusstsein vorangehen und nicht davor zurückschrecken, sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen und die Zukunft zu gestalten.

Carl Friedrich von Siemens

Architekt des Hauses Siemens

1872

„Keine Begabung für Schulkram“ – Die Praxis als Lehrmeister

1899

Auf dem Weg nach oben – Vom Lehrling zum Direktor

1919

„Schlechtwetterkapitän“ auf Erfolgskurs – Von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft

1920er

Die „Einheit des Hauses“ als Leitbild – Siemens ist mehr als die Summe seiner Teile

1925

„Fliessarbeit in höchster Vollendung“ – Konsequente Rationalisierung

1927

Vorbildliche Sozialpolitik – Der Mitarbeiter als Partner

1931

Über die eigenen Grenzen hinaus – Neue Märkte erschließen

1930er

Ein Mann der Praxis – Zu Hause in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

1941

Verantwortung in schwierigen Zeiten – Unternehmertum in Zeiten des Nationalsozialismus

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