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Die Unternehmer der Siemens AG

1966–2018

Siemens AG Siemens AG verschwommen
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Seit den Anfängen bis 1966 stellen Mitglieder der Familie Siemens die „Chefs des Hauses“. Dies ändert sich mit Gründung der Siemens AG: Mit Gerd Tacke steht ab 1967 erstmals ein angestellter Manager an der Spitze des Konzerns. Die Maxime, die Zukunft zu gestalten und ihren Nachfolgern ein besseres Unternehmen zu übergeben, leitet weiterhin sowohl ihn als auch alle folgenden Vorstandsvorsitzenden bis hin zu Joe Kaeser.

„Wenn unser Haus – bei aller Achtung vor der echten Tradition, die es groß gemacht hat – erforderliche Neuerungen ohne unnötiges Zögern durchführt, dann zweifle ich nicht, daß es uns glückt, auch künftig die großen Probleme, die auf uns zukommen, zu meistern.“

Ernst von Siemens vor Vorstandsmitgliedern und Generalbevollmächtigten am 1.2.1966
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1966

Haus Siemens
Standort

Mit Gründung der Siemens AG wandelt sich die Bedeutung des S&H-Logos von „Siemens & Halske“ in „Haus Siemens”.

Zum 1. Oktober 1966 wird die heutige Siemens AG gegründet, in der die Siemens & Halske AG, die Siemens Schuckertwerke AG und die Siemens-Reiniger-Werke AG rechtlich und organisatorisch aufgehen. Zunächst bleiben sämtliche Vorstandsmitglieder der fusionierten Stammgesellschaften im Amt und bilden den Gesamtvorstand des Unternehmens. Aus diesem Kreis bestellt der Aufsichtsrat ein dreiköpfiges Vorstandspräsidium, das jedoch nur zwei Jahre besteht.

1967–1971

Gerd Tacke

Menschengruppe
Siemens Bus
Siemens do Brasil

Gerd Tacke ist der erste Vorstandsvorsitzende der neu gegründeten Siemens AG. In den 1950er-Jahren hat er sich an der Seite von Ernst von Siemens schwerpunktmäßig um die Entwicklung des Auslandsgeschäfts gekümmert. Im Kollegenkreis bringt ihm das den Titel „Außenminister des Hauses Siemens“ ein. Auch in seiner neuen Funktion behält er die Weltmärkte im Blick. Mit Erfolg: 1969 ist Siemens in 48 Ländern der Erde mit eigenen Gesellschaften vertreten, deren Umsatz im Geschäftsjahr 1968/69 erstmals die Fünf-Milliarden-D-Mark-Grenze überschreitet.

Gestalter im Inneren und im Äußeren

Als Leiter der Zentralverwaltung Ausland bringt Gerd Tacke das Geschäft mit Kunden außerhalb Deutschlands entscheidend voran und baut eine schlagkräftige Auslandsorganisation auf. Im Kollegenkreis bringt ihm das den Titel „Außenminister des Hauses Siemens“ ein.

1967 wird Tacke Sprecher des Vorstandspräsidiums der neu gegründeten Siemens AG und im Jahr darauf ihr erster Vorstandsvorsitzender. Mit seinem Willen zur Gestaltung unternehmensinterner Strukturen beeinflusst er maßgeblich die Neuorganisation der Gesellschaft in den Jahren 1966 bis 1969, die in die sogenannte Grundordnung des Hauses mündet.

1971 scheidet er aus dem Vorstand aus und wird ein Jahr später in den Aufsichtsrat gewählt, dem er bis 1978 angehört.

1967–1971

Gerd Tacke

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Zentralabteilungen
Unternehmensinfo
Unternehmensinfo
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Nun gilt es, die bestehenden Strukturen und Organisationsformen dem größer gewordenen Geschäftsumfang anzupassen. Damit Siemens flexibler auf Kundenwünsche und die Herausforderungen eines zunehmend globalen Wettbewerbs reagieren kann, erarbeitet ein interdisziplinäres Team aus „jungen Leuten und alterfahrenen Herren“ eine neue Firmenstruktur. Sie gliedert die Siemens AG in Unternehmensbereiche, regionale Einheiten und Zentralabteilungen.

1971–1981

Bernhard Plettner

USA Standorte
USA Zweigstelle

1970 gründet Siemens die in Iselin, New Jersey, ansässige Siemens Corporation und beginnt mit der systematischen Erschließung des amerikanischen Elektromarkts. Unter der Führung Bernhard Plettners wird ab 1973 kontinuierlich in den Auf- und Ausbau der Firmenpräsenz vor Ort investiert. Dank zahlreicher Beteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen erreicht der deutsche Elektrokonzern auf einer Reihe strategisch bedeutsamer Geschäftsfelder gute Marktpositionen.

Der Pragmatiker

Bernhard Plettner wird 1971 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Der Elektroingenieur, der zu dieser Zeit bereits mehr als 25 Jahre für das Unternehmen arbeitet, fördert mit Nachdruck die Entfaltung zukunftsträchtiger Technologien wie der Datenverarbeitung. Unter seiner Ägide wird die Position des Konzerns im Ausland ausgebaut und besonders der amerikanische Markt zielstrebig erschlossen.

1981 wird Bernhard Plettner als erstes Nichtfamilienmitglied Vorsitzender des Aufsichtsrats; er behält diese Position bis 1988.

1981–1992

Karlheinz Kaske

Chip Detail
Chipvorstellung

Karlheinz Kaske präsentiert am 9. Juli 1988 das Labormuster eines 4-Mbit-Chip.

In der Amtszeit von Karlheinz Kaske erklärt Siemens die Entwicklung von Megabit-Speicherchips zum strategischen Unternehmensziel. Vier Jahre nach dem Start des „MEGA-Projekts“ werden Ende 1987 in Regensburg die ersten 1-Mbit-Chips produziert. In Kooperation mit internationalen Partnern gelingt es, die Speicherkapazität mit jeder Chipgeneration zu steigern. Diese Erfolge sind die Basis für viele Siemens-Innovationen im Bereich der Kommunikations-, Informations- und Automatisierungstechnik.

Ein stiller Macher

Karlheinz Kaske gehört dem Vorstand der Siemens AG bereits seit 1975 an, bevor er den Vorstandsvorsitz Ende Januar 1981 übernimmt. Neben vielen anderen Schwerpunkten treibt der Physiker bei Siemens den technologischen Wandel von der Elektromechanik zur Elektronik voran, baut das weltweite Geschäft weiter aus und führt gegen Ende seiner Amtszeit eine zukunftsweisende Neuorganisation durch. Damit schafft er die Voraussetzung dafür, im Zeitalter der Deregulierung und des globalen Wettbewerbs erfolgreich agieren zu können.

1992–2005

Heinrich von Pierer

Chinesischer Geschäftsmann
Pierer Gratulation

Anfang der 1990er-Jahre gilt Siemens vielen als deutsches Unternehmen. Für die Wettbewerbsfähigkeit ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, sich intensiver als zuvor mit der zunehmenden Globalisierung der Märkte zu befassen. Entsprechend zielt das von Heinrich von Pierer Anfang 1993 initiierte top-Programm auch auf eine konsequente Erschließung der neuen Märkte im Asien-Pazifik-Raum und in Nordamerika ab.

Um Exporterfolge auf Dauer abzusichern, fordert Pierer nachdrücklich den Aufbau von Wertschöpfung und Know-how vor Ort. Im Frühjahr 1997 ist Siemens bereits mit 45.000 Mitarbeitern, rund 70 Gemeinschaftsunternehmen und mehr als 60 Produktionsstätten fast flächendeckend im Asien-Pazifik-Raum vertreten.

Der Kapitän auf der Brücke

Als Heinrich von Pierer 1992 sein Amt als Vorstandsvorsitzender antritt, hat sich das Geschäftsumfeld für Siemens deutlich verschlechtert und verlangt nach aktivem Handeln. Mit Restrukturierungsmaßnahmen wie dem „10-Punkte-Programm“ und dem Siemens Management System (SMS) bereitet er den Konzern auf einen umfassenden Wandel vor und macht Siemens fit für die Globalisierung. Dass seine Karriere schließlich mit der sogenannten Compliance-Affäre ein abruptes Ende findet, ändert nichts an der Bedeutung, die Pierer für die Weiterentwicklung und Gestaltung des Unternehmens hat.

1992–2005

Heinrich von Pierer

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Bekanntmachung

Das 10-Punkte-Programm:

1Stabilisierung im Bereich Halbleiter

2Forcierung des top-Programms durch top+

3Desinvestitionen

4Stärkung des Portfolios

5Neuaufstellung von Arbeitsgebieten

6Reduzierung der Kapitalbindung

7Verbesserung der Kapitalstruktur

8Rechnungslegung nach US-GAAP

9Börsengang USA

10Restrukturierungskosten

1998
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1999
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2000
...................................................
2001
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Siemens wird am 12. März 2001 an der New York Stock Exchange gelistet.

1997 begeht Siemens das 150. Firmenjubiläum – eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch der Konzern erlebt eines seiner wirtschaftlich schwierigsten Jahre. Heinrich von Pierer antwortet auf diesen Einschnitt 1998 mit dem „10-Punkte-Programm“ zur nachhaltigen Steigerung der Ertragskraft. Es steht unter dem Diktum „buy, cooperate, sell or close“ und fällt radikaler und konsequenter aus als alle Unternehmensprogramme zuvor.

Das Programm wird von den Kapitalmärkten beinahe euphorisch aufgenommen. Der Kurs der Siemens-Aktie steigt steil an, Umsatz und Ergebnis verbessern sich deutlich.

2005–2007

Klaus Kleinfeld

Shanghai Meeting
Shanghai Skyline

Klaus Kleinfeld rückt am 27. Januar 2005 an die Spitze des Weltkonzerns. Mit Blick auf die Megatrends der Zukunft – die Zunahme der Weltbevölkerung im Zeichen des demografischen Wandels und die Konzentration von Menschen in Städten – identifiziert er die Anwendungsfelder Energie, Infrastruktur und Gesundheit als zukunftsweisend. Auf Grundlage dieser Schwerpunkte leitet er einen radikalen Umbau des Portfolios ein.

Sanierer und Modernisierer

Klaus Kleinfeld kommt 1987 zu Siemens und arbeitet rund zwei Jahrzehnte für den Elektrokonzern. Am 27. Januar 2005 wird der studierte Ökonom zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Bereits im April startet unter seiner Führung das unternehmensweite Arbeitsprogramm „Fit4More“. Mit ihm werden die vorgegebenen Zielmargen für jeden Geschäftsbereich im Frühjahr 2007 erstmals durchgängig erreicht oder übertroffen.

Zudem initiiert Kleinfeld in seiner Amtszeit wichtige strategische Erweiterungen der Siemens-Geschäftsaktivitäten und reorganisiert das Arbeitsgebiet Information and Communications.

Klaus Kleinfeld tritt 2007 infolge der Compliance-Krise zurück.

2007–2013

Peter Löscher

Hauptversammlung
Windräder
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Als Peter Löscher im Juli 2007 sein Amt als Siemens-Chef antritt, steckt der Konzern bedingt durch die Compliance-Affäre in einer tiefen Vertrauens- und Existenzkrise. Mit Tempo und Entschlossenheit schlägt der gebürtige Österreicher einen neuen Kurs ein und kann nur eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt infolge einer konsequenten Compliance-Arbeit einen Schlussstrich unter die Korruptionsvorwürfe ziehen.

Darüber hinaus gliedert er das operative Geschäft in die Sektoren Industry, Energy, Healthcare und später Infrastructure & Cities. Mit dieser Struktur setzt er die von Klaus Kleinfeld begonnene Ausrichtung auf die Megatrends fort; die Entwicklung zu einer grünen Weltwirtschaft betrachtet er als „Riesenchance“ für Siemens.

Der Erneuerer

Peter Löscher ist der erste extern berufene Vorstandsvorsitzende der Siemens AG. Sein großes Verdienst besteht darin, dass er im Unternehmen mit allem Nachdruck eine weltweit als vorbildlich angesehene Integritätskultur etabliert. Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit, der das durch den Compliance-Skandal gebeutelte Unternehmen mit Tatkraft und ohne Kompromisse zu hohem Ansehen und beachtlichen Erfolgen zurückführt. In den herausfordernden Zeiten der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise steht er Siemens erfolgreich vor.

seit 2013

Joe Kaeser

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Vision 2020

„Siemens muss bei Siemens über allem stehen.“ Joe Kaeser bei seiner Antrittsrede am 31.7.2013

Vision 2020

– unser Weg in eine
erfolgreiche Zukunft

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Am 1. August 2013 tritt Joe Kaeser die Nachfolge von Peter Löscher als Vorstandsvorsitzender an. Er richtet das Unternehmen mit der „Vision 2020“ nach einer Phase ökonomischer Herausforderungen strategisch neu aus und stellt wichtige Weichen für die Zukunft.

Die Zukunft gestalten

Joe Kaeser ist „Siemensianer“ durch und durch. Er fängt bereits mit 23 Jahren bei dem Konzern an und arbeitet sich über verschiedene Karrierestationen im In- und Ausland bis zum Finanzvorstand des Unternehmens hoch. Am 1. August übernimmt er den Vorstandsvorsitz und führt mit der „Vision 2020“ und deren Nachfolgeprogramm Siemens in das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

seit 2013

Joe Kaeser

Automatisierung
Automatisierung Grafik

Kaeser baut den Konzern um und erzeugt mit einer auf Elektrifizierung, Automatisierung und vor allem auf Digitalisierung ausgerichteten Portfoliostrategie, neuartigen Innovationsmethoden sowie seinen Plänen für eine zukunftsweisende Unternehmensstruktur nicht nur große Aufmerksamkeit, sondern gibt wichtige Impulse.

seit 2013

Joe Kaeser

Geschäftspartner

Joe Kaeser belässt es nicht bei strategischen oder organisatorischen Entscheidungen. Im August 2018 rückt er das große Ganze in den Blick und gibt Siemens einen Zweck, der im Mittelpunkt seiner „Vision 2020+“ steht. Für ihn muss sich Siemens seiner Verantwortung stellen und aus einer Position der Stärke heraus nachhaltigen Nutzen stiften – für seine Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden sowie für seine Geschäftspartner und die Gesellschaften überall auf der Welt.

„Ein Unternehmen muss zum Wohlergehen und Fortschritt der Gesellschaft beitragen – nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig im Interesse künftiger Generationen. Das nennen wir Business to Society.“

Joe Kaeser, 2018
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Eine Reise durch
die Siemens-Geschichte

Wer sich mit der Geschichte von Unternehmen beschäftigt, wird Zeuge spannender Entwicklungen, taucht ein in eine Abfolge von Höhen und Tiefen, Erfolgen und Misserfolgen, ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Und er lernt nicht nur die Gründer sondern auch die Persönlichkeiten kennen, die diese Firmen erfolgreich weiterentwickelt haben, die sie lenkten und leiteten. Genau damit beschäftigt sich das neue Buch des Siemens Historical Institute. Es zeichnet anhand von 13 ausführlichen Porträts nach, wie die mehr als 170-jährige Geschichte von Siemens mit der Geschichte Deutschlands, Europas und der Welt verwoben ist. Vom Gründer Werner von Siemens über Carl Friedrich von Siemens bis hin zu Joe Kaeser wird deutlich, dass es Personen an der Spitze braucht, die mit Mut, Tatkraft und Verantwortungsbewusstsein vorangehen und nicht davor zurückschrecken, sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen und die Zukunft zu gestalten.

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