125 Jahre Siemens in Spanien

Erfolgsgeschichte auf der Iberischen Halbinsel

125 Jahre Siemens in Spanien

Obwohl Siemens & Halske (S&H) bereits 1851 erste Kontakte zu Spanien unterhält, die mit der Idee verbunden sind, vor Ort eine Telegrafenfertigung aufzubauen, etabliert sich das Unternehmen auf der Iberischen Halbinsel deutlich später als in anderen europäischen Ländern. Erst 1895 wird in Madrid ein Technisches Büro (TB) mit Zuständigkeit für Spanien und Portugal eingerichtet, fünfzehn Jahre später gibt es in Cornellá de Llobregat die erste Siemens-Fabrik. 

Risiko- und verlustreiches Unterfangen – Die Seekabelverlegung von Cartagena nach Oran

Im Verlauf des Jahres 1863 erteilt die französische Regierung dem Londoner Unternehmen „Siemens, Halske & Co.“ den Auftrag zur Fertigung und Verlegung eines Seekabels von Cartagena im Süden Spaniens nach Oran im Nordwesten Algeriens.  Die Vorbereitungen des Projekts, darunter die Kabelherstellung in Woolwich und die Entwicklung einer neuen Auslegemaschine durch den Unternehmer und Erfinder William Siemens, erstrecken sich über Monate.

Ende Dezember 1863 ist es endlich soweit: Siemens-Gründer Werner von Siemens und sein Bruder William treffen in Madrid aufeinander und reisen von dort nach Cartagena, wo sie am 5. Januar 1864 eintreffen.

Dem ambitionierten Vorhaben, über dessen Umsetzung im Detail die Brüder von Anfang an durchaus unterschiedliche Ansichten vertreten, ist kein Erfolg beschieden: Die Kabelauslegemaschine funktioniert nicht wie erhofft, Wetterkapriolen bringen das nicht für hohe See ausgelegte Schiff fast zum Kentern und die Besatzung in Lebensgefahr, ein Kabelriss und ein Kabelbruch führen zum Kabelverlust, der zugleich einen herben Geldverlust bedeutet, denn es handelt sich um die erste allein von Siemens verantwortete Seekabelverbindung. 

 

Im Gedächtnis bleiben Werner von Siemens, wie seinen Lebenserinnerungen zu entnehmen ist, nicht nur die dramatischen Ereignisse des Versuchs der Kabellegung, sondern auch der herzliche Empfang durch die Einwohner der südspanischen Stadt Almeria: „Wir […] genossen die Gastfreundlichkeit der Ortsbewohner, die es sich nicht nehmen ließen, uns feierlich zu empfangen und uns zu Ehren ein Fest in den Räumen des Theaters zu improvisieren.“

 

Anfang September 1864 startet ein zweiter Verlegungsversuch, dem ausschließlich William Siemens beiwohnt. Die Kabellegung glückt, doch nachdem die ersten Depeschen zwischen Oran und Paris gewechselt sind, kommt es erneut zum Kabelbruch und infolgedessen zum Kabelverlust.

 

Mühsamer Start – S&H fasst in Spanien nur allmählich Fuß

1890 ernennt S&H einen ersten Vertreter in Spanien, der jedoch in gleicher Mission auch für andere Firmen tätig ist. In dessen Amtszeit liefert S&H unter anderem Dynamos und Elektromotoren für die Stadt Eibar im Baskenland. Am 1. April 1895 gründet S&H in Madrid das TB Siemens & Halske, Berlin mit Zuständigkeit für Spanien und Portugal, mit dessen Leitung der Ingenieur Dr. Arthur Lietke betraut wird, der seit fünf Jahren im Unternehmen arbeitet. 

 

Das Stammhaus von S&H liefert in der Frühphase des TBs vor allem in die Städte Madrid und Barcelona Dynamos und Kabel, und bereits 1897 avanciert das Land zum wichtigsten Auslandsmarkt für das Elektrounternehmen. Doch bereits ein Jahr später kommt es durch den Spanisch-Amerikanischen Krieg zu einem deutlichen Geschäftsrückgang, auf den das Stammhaus mit der Verkleinerung des TBs reagiert.  Am 27. Mai 1902 erfolgt die Umwandlung des TB in eine Aktiengesellschaft (AG) nach spanischem Recht, die unter der Bezeichnung Siemens y Halske Compañía Anónima Española de Electricidad, Madrid firmiert.

 

Doch auch die Gründung der AG trägt nicht zur Belebung des Geschäfts bei, wie dem Schreiben eines Ingenieurs an die Leitung des Berliner Werkes von S&H vom November 1903 zu entnehmen ist. Eine Ursache sieht er darin, dass das Unternehmen seine Aktivitäten auf Nordspanien beschränkt habe, während Katalonien, Valencia, Andalusien und Galizien in Vergessenheit geraten seien – ganz im Unterschied zum Wettbewerber AEG, der in Südspanien so fest im Sattel sitze wie in Deutschland.

Auch den Süden des Landes im Blick – SSW etabliert sich in Spanien

Ein Jahr nach der Gründung der Siemens-Schuckertwerke GmbH (SSW) wird die Madrider Siemens-Dependance in Siemens-Schuckert, Compañía Anónima Española de Electricidad umgewandelt. Diese Gesellschaft fusioniert am 21. Juli 1910 mit dem 1897 in Barcelona gegründeten Unternehmen La Industria Eléctrica zur Siemens Schuckert Industria Eléctrica, Sociedad Anónima (SSIE), wobei der Sitz der Gesellschaft wiederum Madrid ist. Die SSIE hat von Anfang an sechs TBs, vier im Norden Spaniens (Barcelona, Madrid, Bilbao und Gijon) und zwei im Süden (Sevilla und Valencia).

 

Nachdem S&H bei der SSIE zunächst eine Schwachstromabteilung unterhält, erfolgt noch im Sommer 1910 die Gründung der selbständigen Vertretung Siemens & Halske Compañía Anónima Española de Electricidad mit Sitz in Madrid.

 

Während sich SSW und S&H in Spanien organisatorisch neu aufstellen, nimmt das im Osten Spaniens am Fluss Jucar errichtete Kraftwerk Molinar, das Strom für die Städte Madrid, Valencia, Alcoy und Cartagena liefern soll, sukzessive den Betrieb auf. Das Kraftwerk sorgt für Aufmerksamkeit: Zum einen wegen seiner Lage, denn die Unterstationen Madrid und Cartagena liegen jeweils über 200 Kilometer von der Zentrale entfernt, zum anderen weil erstmals in Europa die Verteilung der elektrischen Energie nicht mit der üblichen Spannung von 50.000 Volt erfolgt, sondern mit 67.000 Volt. Die Generatoren der Zentrale Molina sowie die komplette elektrische Einrichtung stammen von den SSW, an der Geräteausstattung der Fernsprechanlagen für die Verständigung zwischen Zentrale und Unterstationen ist S&H beteiligt. 

Cornellá de Llobregat – Der erste Fertigungsstandort von Siemens in Spanien

Durch die Fusion kommt die SSIE in den Besitz eines zweieinhalb Hektar großen und zu einem Fünftel bebauten Grundstücks, das die La Industria Eléctrica in der zehn Kilometer von Barcelona entfernten Kleinstadt Cornellá 1907 erworben hat. In kürzester Zeit werden weitere Gebäude auf dem Gelände errichtet, so dass die Fabrik 1911 mit rund 650 Beschäftigten den Betrieb aufnehmen kann, wobei nur solche Erzeugnisse zum Fertigungsspektrum gehören, deren Einfuhr aufgrund der geltenden Gesetze und Zollbestimmungen erschwert oder verboten ist. Das Hauptaugenmerk richtet sich zunächst auf die Herstellung von Dreh- und Gleichstrommotoren sowie von kleinen und mittleren Generatoren, gleichzeitig werden die Voraussetzungen für den Bau von Transformatoren und Schalttafeln geschaffen.

Aufschwung in unruhigen Zeiten – Fábrica de Cornellá erweitert das Fertigungsspektrum

Im Frühjahr 1913 übernimmt Carl Friedrich von Siemens den Vorsitz des Verwaltungsrates der SSIE, ein Jahr später reist er nach Spanien, wo er mehrere TBs und die Fabrik in Cornellá besichtigt. Ein Resümee seines Aufenthalts vor Ort lautet, dass dem kleinen Verkaufsgeschäft perspektivisch wesentlich größere Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse, „in dem die A.E.G. uns bei weitem voraus“ sei.  

 

Als wenige Monate später der Erste Weltkrieg ausbricht, werden die spanischen Siemens-Vertretungen und der Standort Cornellá durch den Neutralitätsstatus des Landes vom Berliner Stammhaus abgeschnitten. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Nachfrage nach Motoren und Elektromaterial steigt, doch da unter anderem Lieferanten der für die Fertigung dringend benötigten Zubehörteile und Halbzeuge wie beispielsweise die deutschen Siemens-Firmen wegbrechen und Rohstoffe immer schwieriger zu beschaffen sind, ist nicht nur der Erfindungsgeist der Beschäftigten gefragt, sondern auch eine Ausweitung des Fabrikationsprogrammes auf dereinst zugekaufte Produkte erforderlich – und das durchaus erfolgreich: „Bemerkenswert ist, dass während der 4 ½ Jahre Kriegszeit die Arbeit an keinem Tag wegen Materialmangel ausgesetzt hat.“

Millionenfach bewundert – Tramvía de Sóller und Tren de Sóller

Am 22. September 1913 finden die Probefahrten der ersten elektrischen Straßenbahn auf Mallorca statt. Die knapp fünf Kilometer lange Strecke reicht vom Bahnhof von Sóller, einer Kleinstadt im Nordwesten der Insel, bis zum zugehörigen Hafen am Mittelmeer. Die Errichtung der Strecke ist ein deutsch-spanisches Siemens-Projekt: Die SSW liefern das Fahrgestell und den Antrieb, die SSIE baut das kleine Kraftwerk am Bahnhof von Sóller, das unter anderem mit einem Generator von SSW ausgestattet ist. Der offizielle Betrieb der Linie startet am 4. Oktober desselben Jahres, wobei die Bahn zunächst sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr dient. Seit über sechzig Jahren ist die weltberühmte Touristenattraktion wie in ihren Anfangsjahren die einzige Straßenbahn auf der Insel.

 

Bei ihrer Errichtung ist die Tramvia de Sóller von vornherein als Verlängerung der 1912 eröffneten Eisenbahnstrecke Palma – Sóller konzipiert. Auf der 27 Kilometer langen Strecke, deren Gleisbreite nur 914 Millimeter beträgt, passieren die Züge 13 Tunnel, aus denen der Rauch der Dampflokomotiven nur schwer entweichen kann. Das ändert sich mit der Elektrifizierung der Strecke im Jahre 1927 durch die SSIE.

Kooperation statt Koexistenz – Die Gründung der Siemens Industria Eléctrica S. A.

Mitte des Jahres 1930 legt Carl Friedrich von Siemens den Vorsitz des Verwaltungsrates der SSIE nieder. Sein Nachfolger wird der Spanier Gabriel Maura, der seit Jahren das Amt des Vize-Präsidenten des SSIE-Verwaltungsrates bekleidet. 

Ich freue mich, daß durch die Übernahme des Vorsitzes durch einen spanischen Herrn auch der nationale Charakter der Gesellschaft noch stärker zum Ausdruck kommt, ein Wunsch, den ich schon seit langem gehegt habe.
Carl Friedrich von Siemens, 1930 

Der Führungswechsel bei der SSIE geht mit der Gründung der Siemens Industria Eléctrica S. A. (SIE) einher, in der die spanischen SSW- und S&H-Gesellschaften aufgehen. Fünf Jahre später hat die SIE rund 1.000 Beschäftigte und unterhält neben der Leitung und Zentralverwaltung in Madrid 14 TBs und Vertretungen in ganz Spanien sowie in Nordafrika.

 

Bereits während des Spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939) gerät das Land in eine Wirtschaftskrise, die während des Zweiten Weltkriegs anhält. Die Verbindung zwischen dem Stammhaus des Unternehmens und der SIE hält seit dem Bürgerkrieg eine in Berlin-Siemensstadt eingerichtete Verbindungsstelle aufrecht. 

Erst Expansion, dann Konsolidierung – Siemens in Spanien stellt sich neu auf

Nach Kriegsende werden die spanischen Siemens-Gesellschaften als deutsches Auslandsvermögen enteignet. Anfang der 1950er-Jahre kann Siemens die Mehrheit der Aktien an seinen spanischen Gesellschaften zurückerwerben, außerdem firmiert die SIE ab 1955 wieder als offizielle Siemens-Vertriebsgesellschaft.  Im selben Jahr kommt es zum einen zur Gründung der Siemens Electromedica Española S. A., deren Geschichte über Vorläufergesellschaften auf dem Gebiet der Medizintechnik bis in das Jahr 1917 zurückreicht, und zum anderen zur Verlagerung der ursprünglich in Barcelona beheimateten Fertigung von Röntgen- und Diagnosegeräten in die bei Madrid gelegene Stadt Getafe. 1958 nimmt in Getafe außerdem eine S&H- sowie SSW-Werkstatt für den Bau von Messgeräten und Schalttafeln sowie für die Reparatur von Motoren und Transformatoren den Betrieb auf. Zehn Jahre später übernimmt Siemens in Spanien einen seit 1955 bestehenden Fertigungsstandort für Bauelemente wie Kondensatoren in Malaga.

 

1970 erfolgt die Umbenennung der SIE in Siemens S.A. Madrid. Zu diesem Zeitpunkt existieren in Spanien drei weitere Siemens-Gesellschaften – zwei fertigen und vertreiben Medizintechnik, eine produziert Bauelemente. Im Juni 1972 haben die vier Gesellschaften insgesamt knapp 4.400 Beschäftigte, von denen 3.000 an den Produktionsstandorten Cornellá, Getafe und Malaga arbeiten. 1974 kommt es schließlich zur Fusion der Siemens S.A. Madrid mit den drei anderen Siemens-Gesellschaften. Zwei Jahre später erreicht das Personal bei Siemens in Spanien mit 5.000 Mitarbeitern einen neuen Höchststand.

Fábrica de Cornellá – Massgeblich am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt

Auch am Fertigungsstandort Cornellá geht es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufwärts: Die Zahl der Beschäftigten steigt zwischen 1945 und 1950 von 755 auf knapp 1.330, 1946 nimmt eine Berufsschule den Betrieb auf, 1951 können ein neues Verwaltungsgebäude und technische Labore eingeweiht werden. Außerdem kommt es erneut zu Grundstückserweiterungen, so dass die Grundfläche des Standorts 1956 zehn Hektar und 1972 bereits 15 Hektar beträgt.

 

 

Neben Zählern und Motoren liefert das Werk in den 1960er- und 1970er-Jahren immer leistungsstärkere Generatoren für Kraftwerke und Transformatoren sowie Sicherungen, Schaltgeräte, Pumpen, Relais und Widerstände. Mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern ist die Fabrik Cornellá Mitte der 1970er-Jahre einer der größten Fertigungsstandorte von Siemens außerhalb Deutschlands. 

Unverzagtes Engagement – Vorzeigeprojekte im zeitlichen Umfeld der Rezession

In der ersten Hälfte der 1970er-Jahre ist das starke spanische Wirtschaftswachstum im europäischen Vergleich beispielslos. Doch zwischen der sogenannten Transición – der Übergangsphase vom Franquismus zu einer parlamentarischen Demokratie zwischen 1975 und 1982 – und dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahre 1986 verändern sich die Marktbedingungen gravierend. Vorzeigeprojekte gibt es dennoch.

Fast wie im Fluge von A nach B – Vorreiter beim Einsatz von Hochgeschwindigkeitszügen

Zwischen April und Oktober 1992 findet auf der Insel La Cartuja in Sevilla die „Expo 92“ statt, auf der sich Siemens erstmals mit einem eigenen Pavillon präsentiert. Zu den aus Anlass der Weltausstellung realisierten Infrastrukturprojekten gehört die unter der Federführung von Siemens realisierte erste spanische Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke: Die 474 Kilometer lange Trasse zwischen Madrid und Sevilla kann mit bis zu 300 Stundenkilometern befahren werden, so dass sich die bis dato übliche Reisezeit zwischen den beiden Städten halbiert. Für viele Schlagzeilen sorgt 15 Jahre später der von Siemens entwickelte Velaro E, der in Krefeld und Cornellá gebaut wird. Seit 2007 verbindet der Zug, der bei Testfahrten den Spitzenwert von 404 Stundenkilometern erreicht hat, womit er zum schnellsten Serientriebzug der Welt avanciert, die Metropolen Madrid und Sevilla sowie Madrid und Tarragona bei Barcelona. Weitere Projekte dieser Art folgen, so dass Spanien 2014 mit mehr als 2.600 Streckenkilometern über das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas verfügt

Auch andere Bahnprojekte verdienen Erwähnung: Bereits 2002 gründen Siemens und das staatliche spanische Bahnunternehmen Renfe das Tochterunternehmen NERTUS zur Wartung und Instandsetzung von Regionalzügen, die im Großraum Barcelonas zum Einsatz kommen. Im gleichen Jahr beginnt in der Hauptstadt Kataloniens der Bau der ersten vollautomatischen U-Bahn Spaniens. Siemens liefert für die rund 41 Kilometer lange Strecke die Zugsteuerung, die Stellwerkstechnik und die Betriebsleitzentrale.

Siemens and Spain have a successful partnership dating back well over one hundred years. In this country, we see ourselves as a Spanish company and an integral part of the economy.
Heinrich von Pierer (CEO Siemens AG von 1990 bis 2005), 2002

Bei Wind und Wetter – Erneuerbare Energieerzeugung auf dem Vormarsch

Nachdem Siemens für die Solarparks in Beneixama, Mahora, Bonete und Alconchel die gesamte elektrotechnische Ausrüstung geliefert hat, erhält das Unternehmen 2009 einen Full-Service- und Instandhaltungsvertrag für die vier Photovoltaik-Anlagen mit der Laufzeit von 23 beziehungsweise 24 Jahren. In den Folgejahren erhält das Unternehmen wiederholt Aufträge aus Spanien für die Lieferung von Solarfeldern. Für das solarthermische Kraftwerk Lebrija in Südandalusien liefert Siemens zum ersten Mal nicht nur – wie in der Vergangenheit – entweder die Dampfturbine oder das Solarfeld, sondern beide Komponenten. Das am 27. Dezember 2011 in Betrieb genommene Kraftwerk hat eine Leistung von 50 MW und versorgt rund 30.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom.

Im Juni 2016 beschließen Siemens und das seit 1976 bestehende  Maschinenbauunternehmen Grupo Auxiliar Metalúrgico, SA (Gamesa) die Fusion ihrer Windkraftgeschäfte, ein knappes Jahr später, am 3. April 2017, erfolgt die Gründung des börsennotierten Unternehmens Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE), das seinen Hauptsitz in Zamudio bei Bilbao in der nordspanischen Provinz Vizcaya hat.  

Wir treten heute in eine neue Ära ein und schaffen zusammen mit Siemens einen weltweit führenden Anbieter in der Windkraftbranche.
Ignacio Martin, CEO Gamesa, 2016

Alles in allem äußerst erfolgreich – 125 Jahre Zusammenarbeit zwischen Siemens und Spanien 

Der Weg vom TB in Madrid bis zur Landesgesellschaft Siemens S.A. in ihrer jetzigen Gestalt ist über 125 Jahre hinweg unter anderem von einer Vielzahl organisatorischer Veränderungen geprägt – nicht zuletzt als Folge von Fusionen und Abspaltungen, und nicht alle der im Laufe der Jahrzehnte neu eroberten Geschäftsfelder haben auf Dauer Bestand. Von den drei ersten Fertigungsstandorten existiert heute nur noch die traditionsreiche Fábrica de Cornellá, die seit mehr als 20 Jahren unter anderem Traktionsmotoren und Umrichter für Hochgeschwindigkeitszüge herstellt und sich zum Vorreiter der Industrie 4.0 entwickelt hat. Was für den Fertigungsstandort im Kleinen gilt, gilt auch im Großen: Siemens Spanien ist im eigenen Land zur ersten Adresse von industriebezogenen Digitalisierungsprozessen avanciert.

 

Heute sind bei Siemens in Spanien einschließlich Healthineers über 3.600 Mitarbeiter beschäftigt. 455 von ihnen gehören dem Fertigungsstandort Cornellá an und über 1.600 von ihnen sind in der 2005 feierlich eingeweihten Siemens-Zentrale in Tres Cantos tätig. 

 

 

Dr. Claudia Salchow