Siemens in Japan

Ausdauernde Partnerschaft 

Siemens in Russland

1851 liefert Siemens & Halske (S&H) erstmals telegrafische Ausrüstung nach Russland. Was zunächst mit 75 elektrischen Zeigertelegrafen beginnt, entfaltet sich zu einem langanhaltenden und erfolgreichen unternehmerischen Engagement – der russische Absatzmarkt hilft Siemens sogar durch eine Krise wenige Jahre nach der Firmengründung und entwickelt sich zu einem Abnehmer zahlreicher elektrotechnischer Produkte. Nach einer Phase nur geringer geschäftlicher Aktivität während des Kalten Kriegs kehrt Siemens Ende des 20. Jahrhunderts erfolgreich an den russischen Markt zurück und ist heute einer der wichtigsten Partner des Landes bei Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung.

Erste Schritte in Osteuropa – Die Anfänge von Siemens in Russland

S&H bedient den russischen Markt erstmals 1851, als die Firma 75 Zeigertelegrafen für die Telegrafenlinie St. Petersburg–Moskau liefert. Werner von Siemens reist in dieser Zeit dreimal ins Zarenreich und legt damit die Basis für das weitere Engagement des Unternehmens in den kommenden Jahren. Russland ist immens wichtig, da S&H auf dem preußischen Heimatmarkt in eine existenzbedrohende Lage geraten ist und andere Projekte in England und Frankreich nicht zustande kommen beziehungsweise scheitern. 1853 entsendet Werner von Siemens seinen jüngeren Bruder Carl nach St. Petersburg, der in den folgenden beiden Jahren das dortige Telegrafengeschäft fest etabliert.

 

Während des Krimkriegs 1853–1855 verlegt S&H rund 9.000 Kilometer Telegrafenlinien, von der preußischen Grenze über St. Petersburg, Moskau und Kiew bis ans Schwarze Meer. Darüber hinaus erhält die Firma einen langfristigen Vertrag für die Wartung der Linien, der über zwölf Jahre stabile Einnahmen sichert. Mitte der 1850er-Jahre erwirtschaftet S&H rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes in Russland, zeitweise arbeiten dort zwei Drittel der Gesamtbelegschaft. Mit den „Contrahenten [Vertragspartnern] für den Bau und die Remonte der Telegraphen-Linien im Kaiserreiche Siemens & Halske“ gründet das Unternehmen 1855 eine Niederlassung in St. Petersburg.

Russland ist ein Land wo viel zu verdienen ist wenn man sein Terrain kennt. Mit der Schreibfaulheit muss es vorbei sein. Mit jeder Dampfschiffpost (alle 8 Tage) erwarte ich bestimmt einen Brief von Dir.
Werner von Siemens an seinen Bruder Carl, 1853

Carl von Siemens wird 1859 russischer Untertan und lässt sich dauerhaft in der Hauptstadt nieder. Im folgenden Jahrzehnt stagniert die Geschäftsentwicklung zunächst, da die Industrialisierung in Russland nur langsam in Gang kommt und außer nach staatlichen Infrastrukturprojekten kaum eine privatwirtschaftliche Nachfrage besteht. Die Siemens-Brüder betätigen sich in dieser Zeit auch außerhalb des elektrotechnischen Kerngeschäfts. Dazu zählen eine Glasfabrik nahe St. Petersburg, ein Kupferbergwerk mit Hüttenwerk sowie die Erdölförderung und -raffinerie im Kaukasus. Einen weiteren Schub bringt erst wieder ein neues Großprojekt: der Bau der Indo-Europäischen Telegrafenlinie von London in die britische Kolonie Indien von 1868 bis 1870.

 

Dieses Projekt führen die drei Brüder Werner (Berlin), Carl (St. Petersburg) und William (London) gemeinsam durch, wobei der mit Abstand umfangreiste Teil der Linie über russisches Territorium verläuft. Für den logistisch enorm anspruchsvollen Bau veranschlagt S&H rund 70.000 Telegrafenmasten, es kommt modernste Telegrafentechnik zum Einsatz. In den 1870er-Jahren stockt die geschäftliche Entwicklung erneut, als Carl von Siemens für ein Jahrzehnt die Leitung des britischen Geschäfts in London übernimmt. Ein neuer Aufschwung setzt erst nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg im Jahr 1880 ein.

Neue Geschäftsfelder und unternehmerische Expansion – Siemens ist in Russland fest etabliert

Die dynamische Entwicklung der jungen Elektrotechnik erschließt nun neue Anwendungsgebiete wie Beleuchtung, elektrische Bahnen und industrielle Antriebstechnik. S&H eröffnet 1881 eine eigene Kabelfabrik im St. Petersburger Vorort Tschekuschi, die erste große elektrotechnische Produktionsstätte im Zarenreich. Ein zweites Werk nimmt, erstmals in Russland, die Fertigung von Dynamomaschinen und Elektromotoren auf. 1882 präsentiert die Firma auf der russischen Industrie- und Kunstausstellung in Moskau seine Erzeugnisse und erregt dort Interesse an höchster Stelle: Zar Alexander III. besucht den Pavillon der Firma und lässt sich mit seiner Entourage mit der eigens aufgebauten elektrischen Bahn zur Probe fahren – ein wahrer Glücksfall für S&H, denn das Unternehmen erhält nun das hohe Privileg, den kaiserlichen Doppeladler im Briefkopf zu führen. Allerdings bleibt der geschäftliche Nutzen aus, da in Russland zunächst keine elektrischen Bahnprojekte in Auftrag gegeben werden und sich die industrielle Nachfrage nach Dynamos und Motoren in engen Grenzen hält. Stattdessen avanciert die elektrische Beleuchtungstechnik zum wichtigsten Geschäftsfeld. Carl von Siemens führt mehrere prestigeträchtige Projekte in St. Petersburg durch, wie die Beleuchtung des Newski-Prospekts, einer 4,5 Kilometer langen Straße im historischen Stadtzentrum, und der Isaakskathedrale 1883. Zwei Jahre später folgt die Ausstattung des Winterpalasts, wo beim großen Winterball 1887 12.000 elektrische Glühlampen leuchten. Das Geschäft lohnt sich: Im Jahr 1886 bringt Carl von Siemens das Beleuchtungsgeschäft in die „Gesellschaft für elektrische Beleuchtung“ ein, die eine Lizenz zum Aufbau und Betrieb von Elektrizitätswerken und -netzen im ganzen Zarenreich erhält.

Unter Carl von Siemens‘ Nachfolger Hermann Görz entwickelt sich das Geschäft in den 1890er-Jahren rasant, auch da Russland in dieser Zeit das höchste Wirtschaftswachstum Europa vorweist. Allerdings muss Görz zunächst einen gewaltigen Reformbedarf bewältigen, denn S&H hat zu lange die nötige Modernisierung vernachlässigt. Dies wird umso dringlicher, als nun auch weitere internationale Elektrokonzerne wie die AEG, Schuckert und Westinghouse auf den russischen Markt drängen. Unter Hermann Görz wird das Kabelwerk in Tschekuschi um eine Gießerei erweitert, im Hauptwerk auf der Wasilewski-Insel baut die Firma die Produktionskapazitäten für Eisenbahnzubehör und Dynamomaschinen stark aus. 1895 produziert S&H dort bereits 514 Dynamos, eine deutliche Steigerung zum Vorjahr.

 

In mehreren Städten installiert das Unternehmen nun elektrische Straßenbahnlinien, wie in Nischni Nowgorod, Moskau, Warschau, Odessa und Vilnius. Auch das Geschäft mit Industriekunden nimmt nun Fahrt auf, und bald verfügt Siemens & Halske über Vertretungsbüros in Moskau, Warschau, Odessa und Charkow. Für seine Verdienste um die russische Elektroindustrie erhebt Zar Nikolaus II. Carl von Siemens 1895 in den Adelsstand. Drei Jahre später erfolgt die Umwandlung der russischen Niederlassung in eine selbstständige Aktiengesellschaft. Die Russischen Elektrotechnischen Werke S&H (REW S&H) beschäftigen zu diesem Zeitpunkt rund 1.200 Mitarbeiter. 

Die geänderte Geschäftsaufteilung zwischen Siemens & Halske und den neu gegründeten Siemens-Schuckertwerken (SSW) in den Schwach- und den Starkstrombereich nach 1903 wird etwas verzögert auch in Russland umgesetzt. 1913 erfolgt die Gründung der Russischen Aktiengesellschaft Siemens-Schuckert in St. Petersburg (RSSW), die für den russischen Markt den Starkstrombereich übernimmt. Bereits 1906 hat S&H gemeinsam mit der AEG und den Felten & Guilleaume-Lahmeyerwerke das russische Kabelgeschäft in den Vereinigten Kabelwerken zusammengelegt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs kontrollieren die beiden Siemens-Stammfirmen und die AEG knapp 70 Prozent aller Kapitalanlagen in der russischen Elektroindustrie. REW S&H und RSSW beschäftigen 1914 rund 4.000 Mitarbeiter und verfügen über 14 Geschäftsstellen zwischen Riga und Wladiwostok. Die Leitung der Moskauer Niederlassung hat Leonid B. Krasin inne, der in den folgenden Jahren eine zentrale Rolle für das Unternehmen spielt.

Schwierige Zeiten – Siemens in Russland zwischen 1914 und 1945 

 

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird die Geschäftsführung der RSSW an den russischen Staatsbürger Leonid Krasin übertragen, um damit einer drohenden Repression als feindliches Unternehmen zu begegnen. Krasin steuert das Unternehmen erfolgreich durch die ersten Kriegsjahre, in denen RSSW und REW S&H zunehmend auch Rüstungsgüter herstellen. In Nischni Nowgorod wird ein neues Werk errichtet, die Arbeiterschaft verdreifacht sich auf über 10.000 Personen, und die beiden Stammgesellschaften erhöhen ihre Aktionärsdividenden deutlich. Erst infolge der politischen Wirren nach der Februar-Revolution 1917 kommt das Geschäft weitgehend zum Erliegen. Das Nationalisierungsdekret der neuen Machthaber, der Bolschewiki, vom 28. Juni 1918 bedeutet schließlich die Enteignung und Überführung der Siemens-Gesellschaften in sowjetrussischen Staatsbesitz. Aus den Werken gehen die sowjetischen Staatsbetriebe Elektrosila, die PO Sewkabel und das NPO-Kosizki-Werk hervor.

In dieser Situation erlangt nun Krasin für das Unternehmen zentrale Bedeutung. Der ausgebildete Elektroingenieur und überzeugte Sozialist arbeitet um die Jahrhundertwende eng mit Lenin zusammen und muss wegen revolutionärer Umtriebe 1908 aus dem Zarenreich emigrieren. Er findet schnell eine Anstellung in Berlin-Siemensstadt und kann durch Fürsprache des Unternehmens 1912 nach Russland zurückkehren. 1918 schließt er sich der bolschewistischen Revolution an und wird als Volkskommissar für Außenhandel Lenins wichtigster außenwirtschaftlicher Berater. In den Bürgerkriegsjahren 1918–1921 reist Krasin mehrfach ins westliche Ausland und führt dort auch Gespräche mit Siemens-Vertretern über eine Wiederaufnahme des Russland-Geschäfts mit der neuen sowjetischen Regierung. Nach Lenins Leitspruch „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ spielt die Elektrifizierung von Industrie, Infrastruktur und Haushalten eine zentrale Rolle in der bolschewistischen Wirtschaftsplanung. Siemens kann daher bereits 1920 einen ersten Auftrag mit Sowjetrussland verbuchen und beteiligt sich in den folgenden Jahren auch an mehreren Konzessionsprojekten. Das Unternehmen liefert unter anderem technische Geräte für eine Telefonanlage im Kreml, Kraftwerksausrüstung und Eisenbahnzubehör. 

Doch erst unter der stalinistischen Industrialisierungspolitik im ersten Fünfjahresplan von 1928 bis 1932 nimmt das Sowjetgeschäft wieder größere Ausmaße an. Siemens gründet in Kooperation mit der Behörde „Elektroimport“ 1928 eine eigene Vertretung in Moskau. Großaufträge beinhalten Industrieanlagen für neue schwerindustrielle Werke wie in Magnitogorsk, Kuznetsk und Saparoschje, die Elektrifizierung einer Bahnlinie im Kaukasus sowie Bau und Betrieb von Kraftwerken. Die Hoch- und Tiefbaugesellschaft von Siemens, die Siemens-Bauunion, beteiligt sich an der Errichtung des Dnjeprostroi-Staudamms südlich von Kiew und erstellt einen Planungsentwurf für die Moskauer Metro. Das Technische Büro Ost, das im Gesamtunternehmen das Geschäft mit der Sowjetunion betreut, steuert in diesen Jahren bis zu 6,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Doch es kommt zu einer tiefgreifenden Zäsur: Die nationalsozialistische Machtübernahme bringt das Sowjetgeschäft nach 1933 weitgehend zum Erliegen. Zwar kann Siemens im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 wieder erhebliche sowjetische Aufträge verbuchen, doch kommen diese kaum mehr zu Ausführung, da mit dem deutschen Angriff im Juni 1941 der Krieg mit der Sowjetunion beginnt. Wie zahlreiche andere deutsche Unternehmen sind auch die Siemens-Firmen in die deutsche Besatzungs- und Wirtschaftspolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten involviert. Eine besondere Rolle spielte dabei das „Reichskommissariat Ukraine“. Vor allem dort übernimmt Siemens elektrotechnische Werke als sogenannte Patenbetriebe und gründet einige Technische Büros, die 1943 in der Siemens Ukraine GmbH zusammengefasst werden. Die Siemens Ukraine GmbH führt Bauprojekte zur Wiederherstellung der stark zerstörten Infrastruktur aus und liefert Produkte an die Organisationen der Besatzung. Diese Aktivitäten sind jedoch nur von kurzer Dauer, da 1943 der deutsche Rückzug aus der Ukraine einsetzt.

Zaghafter Neustart in den 1950er-Jahren – Siemens kehrt in die Sowjetunion zurück

In der unmittelbaren Nachkriegszeit gehen umfangreiche Reparationslieferungen von Siemens in die Sowjetunion, insbesondere im Bereich der Medizintechnik. Der Kalte Krieg schränkt eine umfangreiche Wiederaufnahme des Sowjetgeschäfts von Siemens stark ein. Dennoch kommt es bereits 1950 zu einer vorsichtigen Annäherung, als die Sowjetunion in Berlin eine neue Handelsvertretung eröffnet.

 

Das Technische Büro Berlin wird nun beauftragt, „für den Anlauf auch die Wahrnehmung des Russland-Geschäfts“ zu übernehmen. Eines der ersten Geschäfte bildet die Ausstattung des Eisbrechers „Moskau“ mit elektrischer Ausrüstung im Jahr 1956. Den nächsten Großauftrag vermeldet SSW 1959, als das Unternehmen 20 von Krupp gebaute Lokomotiven mit elektrischem Zubehör ausstattet. Diese Lokomotiven kommen dann im Güterzugverkehr in Sibirien zum Einsatz.

Die Sowjetunion entwickelt sich nach und nach, wenn auch auf niedrigem Niveau, zum wichtigsten Markt für Siemens in Osteuropa. 1971 eröffnet das Unternehmen wieder eine eigene Vertretung in Moskau. In den folgenden beiden Jahrzehnten beteiligt sich die Siemens AG am Apollo-Sojus-Test-Projekt, dem ersten US-amerikanisch-sowjetischen Raumfahrtprojekt, am Auf- und Ausbau von Industrieanlagen und liefert 1982 die vollständige medizintechnische Ausrüstung für das Moskauer Herzzentrum. Für das Geschäftsjahr 1983/84 weisen die Zahlen immerhin einen Auftragseingang von 138.000 DM und einen Umsatz von 216.000 DM auf. Die Mitarbeiterzahl beträgt zu diesem Zeitpunkt 46. Ein deutliches Übergewicht haben dabei die Bereiche Energie- und Automatisierungstechnik und Medizintechnik mit 77 Prozent des Umsatzes.

 

Insgesamt bleibt der Marktanteil von Siemens in der UdSSR mit nur 0,1 Prozent sehr gering. Doch ein gemeinsam mit sowjetischen Partnern betriebenes Zentrum für Automatisierungstechnik in Moskau bietet berechtigte Hoffnung auf einen zügigen Ausbau des Geschäfts im Industriesektor. Im Bereich Medizintechnik entsteht darüber hinaus 1989 mit der Siemens-Medtechnika auch das erste Joint Venture der Nachkriegszeit. Kurz vor Auflösung der Sowjetunion Anfang 1991 eröffnet Siemens eine weitere Zweigniederlassung in Leningrad (heute wieder St. Petersburg).

Ein Ende als Neubeginn – Siemens und Russland in der postsowjetischen Ära

Das Ende der Sowjetunion eröffnet Siemens wie zahlreichen anderen Unternehmen einen neuen Zugang zu einem Markt mit großem Potenzial. Seit den frühen 1990er–Jahren etabliert der Konzern daher neben St. Petersburg Büros in 16 weiteren Städten der Russischen Föderation, so beispielsweise in Jekaterinburg, Petrozawodsk, Wladiwostok und Irkutsk. Siemens ist an der Erweiterung, Modernisierung und Realisierung vieler wichtiger Projekte auf den Gebieten Industrie, Energie, Information und Kommunikation, Medizintechnik und Verkehr beteiligt. Bereits 1991 gründet Siemens gemeinsam mit Leningradsky Metallichesky Zavod das Gemeinschaftsunternehmen „Interturbo“, das über die kurz darauf endende Sowjetzeit hinaus Bestand hat. Siemens hält an Interturbo 42 Prozent, dessen Gasturbinen vor allem für den europäischen und südasiatischen Markt produziert werden. 1995 beschäftigt das Elektrounternehmen in Russland einschließlich Minderheitsbeteiligungen bereits wieder knapp 3.000 Mitarbeiter und erreicht ein Volumen von rund 40 Millionen DM an Direktinvestitionen. Im Geschäftsjahr 1997/98 umfasst der Auftragseingang der Siemens AG Rußland 1,1 Milliarden DM, und das Unternehmen ist an insgesamt acht Joint Ventures beteiligt. Besonders die Bereiche Energieerzeugung, Anlagenbau und Technische Dienstleistungen, Kommunikation, Verkehrstechnik und Medizintechnik bilden dabei Schwerpunkte.

Ein deutliches Zeichen für die Bedeutung Russlands setzt Siemens 2007 mit dem Plan, in Moskau einen neuen Hauptsitz zu errichten. Das im April 2011 schließlich bezugsfertige Gebäude fasst die bisherigen fünf Moskauer Standorte auf über 14.000 Quadratmeter für rund 1.300 Mitarbeiter in einem modernen Bürokonzept zusammen. Und im selben Jahr erhält Siemens gemeinsam mit seinem russischen Partner der Sinara-Gruppe den größten Auftrag seiner Geschichte in Russland. Das Volumen umfasst rund 2 Milliarden Euro für die Produktion von 1.200 Regionaltriebzügen vom Typ Desiro RUS. Zwei Jahre später beginnt im Jekaterinburger Werk die Produktion der Wagen mit dem Namen „Lastotschka“ („kleine Schwalbe“), die für die russische Eisenbahn vorgesehen sind. Siemens reiht sich damit ein in die erfolgreiche Etablierung von Zugprojekten in Russland. Denn bereits zwischen 2009 und 2010 liefert das Unternehmen acht Velaro-RUS-Züge, die die Strecke Moskau–St. Petersburg mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern in Rekordzeit miteinander verbinden. Der „Sapsan“ („Wanderfalke“) legt in Russland bis heute mehr als 50 Millionen Kilometer zurück und hat dabei rund 19 Millionen Passagiere transportiert. Aus der heutigen modernen Elektroindustrie Russlands ist Siemens nicht mehr wegzudenken. Rund 3.400 Mitarbeiter in acht Regionalbüros sowie an zwölf Produktionsstandorten im gesamten Land sorgen dafür, dass das Unternehmen in seinen Kernfeldern Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung zur Spitze zählt, und erwirtschaften 2019 einen Umsatz in Höhe von 1,1 Milliarden Euro.

Dr. Martin Lutz | Dr. Ewald Blocher

Das könnte Sie auch interessieren

Weiterführende Informationen zu dem Thema