Advanced Therapies

Seit mehr als 170 Jahren unterstützt Siemens mit seinen Geräten die medizinische Therapie – ob es nun um die Behandlung von Herz-Kreislauf-Problemen mit Strom geht, um die Linderungen von Hörschäden oder die effektive Behandlung von Tumoren.

1847: Schlitteninduktor

Die Geschichte der Siemens-Medizintechnik beginnt bereits 1844, als Werner von Siemens eine seiner Erfindungen erstmals medizinisch einsetzt. Mit dem von ihm entwickelten Voltainduktor behandelt er die Zahnschmerzen seines Bruders Friedrich. Einige Jahre später präsentiert Siemens & Halske eine verbesserte Ausführung dieses Apparats: Dank einer eingebauten Spannungs- und Stromregulierung ist der sogenannte Schlitteninduktor speziell auf die Bedürfnisse der Elektrotherapie zugeschnitten. Das Gerät ist einer der ersten elektromedizinischen Apparate überhaupt und wird über Jahrzehnte weltweit mit großem Erfolg verkauft. 

 

Ein weiterer Meilenstein in der Elektromedizin ist der Universal-Anschlussapparat Pantostat von 1910. Vom Vierzellenbad bis zur Vibrationsmassage bietet das Gerät zahlreiche therapeutische Anwendungsmöglichkeiten. Daneben kann der Pantostat auch in der Diagnostik eingesetzt werden, zum Beispiel als Stromquelle für Stirnlampen und Endoskope. Seine Multifunktionalität macht den Pantostat bis in die 1970er-Jahre hinein zu einem Verkaufsschlager.

1896: Therapie mit Röntgenstrahlen

Schon kurz nach Entdeckung der Röntgenstrahlen beginnen Mediziner damit, deren Möglichkeiten für die Therapie zu erforschen, und führen erste therapeutische Strahlenversuche durch. Um 1910 kommen die ersten speziell für die Therapie konzipierten Röntgenapparate an den Markt. Es kristallisieren sich zwei Bereiche heraus: die Oberflächen- und die Tiefentherapie. 

 

Der Grenzstrahlen-Apparat von 1931 und das Dermopan von 1950 sind zwei Klassiker aus dem Hause Siemens für die Oberflächentherapie der Haut. Mit „weichen“ Röntgenstrahlen relativ geringer Energie können unter Einsatz dieser Geräte Hautkrankheiten wie Ekzeme oder auch Hautkrebs behandelt werden.

 

Bei der Entwicklungsarbeit in der Tiefentherapie geht es anfangs darum, überhaupt Möglichkeiten zu finden, tief liegende Tumoren bestrahlen zu können. Damit die Röntgenstrahlen auch in tiefere Körperschichten vordringen können, müssen extrem hohe Spannungen erzeugt werden. Mit dem Röntgengenerator Stabilivolt stellt Siemens & Halske 1922 ein Gerät vor, das vielen Anforderungen der Tiefentherapie gerecht wird und sich über Jahre hinweg bewährt. 

1913: Esha-Phonophor

Das erste Hörgerät von Siemens wird auf Grundlage der Telefontechnik entwickelt – das Esha-Phonophor. Schon 1913 spielt bei den Hörhilfen nicht nur die Funktionalität, sondern vor allem das Design eine wichtige Rolle, schließlich sollen die Geräte möglichst klein und unauffällig sein. Für die Damen entwickelt man ein eigenes Phonophor-Modell, bei dem Mikrofon und Batterie in einer Handtasche untergebracht sind.

 

Die Entwicklung von Subminiaturröhren und Kristallmikrofonen führt die Hörgerätetechnik in den 1940er-Jahren in eine neue Ära. Siemens weiß die Vorteile dieser Innovationen zu nutzen und löst mit seinen Taschenhörgeräten Fortifon und Phonophor Alpha die Kohlemikrofonhörgeräte ab.

 

1959 wandern die Hörgeräte von der Westentasche hinter das Ohr. Die Auriculette 326 ist das erste Hinter-dem-Ohr-System von Siemens. Nach wie vor bestehen Hörgeräte aus Mikrofon, Verstärker, Hörer und Batterie. Doch die Bauteile sind jetzt so klein und leicht, dass sie bequem in einem Gehäuse direkt hinter dem Ohr getragen werden können. 1966 gelingt Siemens die Umsetzung einer weiteren Idee: Mit der Siretta kommt das erste Im-Ohr-System an den Markt.

1950: Betatron

Mit der Elektronenschleuder Betatron gelingt ein entscheidender Durchbruch in der Strahlentiefentherapie. Das Betatron beschleunigt Elektronen in einer kreisförmigen Bahn mittels eines Magnetfelds bis knapp unter Lichtgeschwindigkeit, sodass erstmals auch tief liegende Tumoren effektiv bestrahlt werden können. Diese Technik ist eine Grundlage der modernen Strahlentherapie.

 

 

Basierend auf diesen Kreisbeschleunigern entwickelt man kompakte und leichte Linearbeschleuniger, die die Elektronen auf einer geraden Bahn beschleunigen. Ab 1974 bis in die 1990er-Jahre bietet Siemens mit der Modellreihe Mevatron eine umfassende Produktpalette an Linearbeschleunigern an. 

 

 

Mit dem Linearbeschleuniger Artiste stellt Siemens 2004 eine integrierte Lösung für die Radio-Onkologie vor. Bildgebung und Bestrahlungseinstellung sind in einem System kombiniert, wodurch vor und während der Behandlung Lage und Form des Tumors sowie die Behandlungsdosis zu jeder Zeit exakt bestimmt werden können. Damit wird eine schnelle und präzise Behandlung ermöglicht.

1958: Vollimplantierbarer Herzschrittmacher

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, können Herzschrittmacher helfen. Die ersten Herzschrittmacher gibt es seit Anfang der 1950er-Jahre. Sie haben die Größe eines Röhrenfernsehers, und der Patient muss sie wie einen Einkaufswagen vor sich herschieben. Auch wenn die Herzschrittmacher allmählich kleiner werden und wie eine Kette um den Hals getragen werden können, bleiben sie doch über ein Kabel, das durch die Haut führt, direkt mit dem Herzen verbunden. Dadurch besteht ein hohes Infektionsrisiko. 

 

Heutzutage sind die Geräte etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze und werden in die Brustwand des Patienten implantiert. Einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet Rune Elmqvist, der Erfinder des ersten vollimplantierbaren Herzschrittmachers der Welt. Der schwedische Ingenieur greift dabei auf die Entwicklung kleiner Batterien und energiesparender Transistoren zurück. In einer geheimen Notoperation am 8. Oktober 1958 wird dem ehemaligen schwedischen Eishockey-Nationalspieler Arne Larsson das erste Modell eines solchen Herzschrittmachers implantiert. Diese Erfindung rettet nicht nur Arne Larsson das Leben. Allein in Deutschland erhalten jährlich rund 75.000 Patienten erstmals einen Herzschrittmacher

Ab 2000: Advanced Therapies

Die Kombination aus modernen bildgebenden Verfahren und Software-Applikationen unterstützt den gesamten Therapieverlauf: von der ersten Diagnose über die Therapieplanung und Unterstützung bei operativen Eingriffen bis hin zur Nachsorge. Ob in der Onkologie, Neurologie, Chirurgie, Frauenheilkunde oder Kardiologie – die klinischen Lösungen von Siemens Healthineers verbessern die Effizienz der Therapiemaßnahmen in vielen medizinischen Bereichen. Exemplarisch für diese Entwicklung stehen die nachfolgenden Beispiele aus der Kardiologie, wo Siemens-Innovationen immer wieder die Arbeit im Herzkatheterlabor revolutionieren.

 

So führt Siemens in Kooperation mit der Firma Stereotaxis 2003 die magnetische Navigation in die interventionelle Kardiologie ein. Ausgestattet mit einer Fernbedienung und gestützt auf eine exakte Bildgebung kann der Arzt damit den Katheter durch das Herz und die Herzkranzgefäße an bisher unerreichbare Stellen navigieren. 

 

Eine dreidimensionale Darstellung des linken Herzvorhofs auf Basis von Echtzeit-Röntgenuntersuchungen wird 2006 durch die Software syngo InSpace EP zum ersten Mal möglich. Diese Innovation unterstützt die Diagnose und Therapie von Herzrhythmusstörungen. Das Vorhofflimmern im linken Herzvorhof kann durch Katheter-Ablation bildgestützt therapiert und das mit dem Vorhofflimmern einhergehende Risiko eines kardiologischen Schlaganfalls reduziert werden.

Ab 2012 erleichtert die Software CLEARstent Live die komplexe Prozedur, einen Stent schnell und exakt zu platzieren. Die Software ist für alle Siemens-Angiografiesysteme verfügbar und friert virtuell Herzbewegungen während einer Koronarintervention ein.

 

Bei einer komplexen Operation, beispielsweise zur Behandlung von Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen, benötigt der Kardiologe Informationen zum Weichgewebe und Blutfluss aus der Ultraschalldiagnostik sowie eine detaillierte Gefäßdarstellung aus der Angiographie. 2017 vereint die Software syngo TrueFusion die Vorteile beider bildgebender Verfahren, indem sie die Ultraschalldaten auf das sogenannte Live-Fluoroskopie-Bild überlagert. Damit lassen sich alle wichtigen Informationen in einem Bild darstellen.