Biene, Wurm und Solarstrom

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist der südafrikanische Siemens-Standort Midrand in der Cloud angekommen. Der Einsatz intelligenter Energie- und Gebäudetechnik ermöglichte es, die Stromkosten am Standort um 40 Prozent zu senken. Mit Photovoltaikanlagen wird eigener Strom produziert und überschüssiger Strom wird im Siestorage gespeichert. Weiter geben die Datenflüsse Einblick in die Verbräuche sowie Hinweise zur Wartung der Anlagen. Und dann wären da noch Bienen und eine kleine Wurmfarm.

Nachhaltiges Immobilienmanagement

Siemens und Südafrika

Als er 1996 gebaut wurde, stand der südafrikanische Siemens-Standort in Midrand relativ einsam am Rande von Johannesburg, auf halber Strecke nach Pretoria, dem sogenannten Halfway House. Inzwischen ist Midrand einer der wachstumsstärksten Stadtbezirke und der „Siemens Park“ ein weithin bekannter Orientierungspunkt mittendrin. Rund 750 Siemens-Mitarbeiter arbeiten hier.

 

Vor gut einem Jahr hat Siemens Real Estate (SRE) umfangreiche technische Verbesserungen und Optimierungen der Gebäude angestoßen. Seither ist der Standort nachhaltiger geworden und zwar grundlegend. So ist beispielsweise seit April diesen Jahres eine Photovoltaikanlage (PV) auf einem Großteil der Parkplätze und den Gebäudedächern in Betrieb, die über einen Sicam Microgrid Controller von Energy Management (EM) mit dem Standortnetz verbunden ist und mit anderen Bestandteilen ein sogenanntes Distributed Energy System (DES) bildet.

Die Anlage deckt mit einer installierten Kapazität von 998 kWp aktuell rund 40 Prozent des Strombedarfs am Standort ab. Der größere Teil der PV Module ist dabei über den Parkplätzen installiert, was den positiven Nebeneffekt hat, dass die Fahrzeuge der Mitarbeiter sich in der südafrikanischen Sonne weniger aufheizen. Der Strom fließt direkt in die Versorgung des Standortes und speist auch direkt in die eCar-Ladesäulen auf dem Mitarbeiterparkplatz, Überschüsse werden zurück ins Netz gespeist. 

Stromausfälle vermeiden mit Siemens-Technik

Und damit nicht genug. Im September wurde ein Siestorage Energiespeicher von EM integriert. Damit kann überschüssiger Strom zwischengespeichert werden. Das hilft, um den Stromausfällen im Großraum Johannesburg entgegen zu wirken und Lastspitzen abzufangen. Ein umfangreiches Energy Meter Data Management von EM liefert außerdem Informationen zum Verbrauch der einzelnen Gebäude und Flure. Die Photovoltaikanlage, die verbundenen Stromzähler und das Building Management System DESIGO CC von Building Technologies werden über eine zentrale Cloud-basierte Plattform, EnergyIP von EM, mit Informationen zum Strompreis und Wetterdaten verknüpft, ausgewertet und gesteuert. Über diese Siemens-eigene IoT-Lösung sind umfangreiche Analysen möglich und weitere, dezentrale Anlagen und Systeme können integriert werden.

 

Sebastian Granow, Leiter von SRE Südafrika, fasst das so zusammen: „Durch die intelligente Verbindung der verschiedenen Siemens-Produkte gelang es uns, den Standort grundlegend nachhaltiger auszurichten. Wir produzieren unseren eigenen Strom und wir haben den Bedarf von Energie und Wasser stark reduziert. Ein völlig analog geplanter und gebauter Standort konnte auf diese Weise digitalisiert und optimiert werden. Die so erlangte Datentransparenz nutzen wir jetzt, um zum Beispiel auch das Betreibermodell von einem arbeitsintensiven Ansatz auf einen Analyse-basierten Ansatz umzustellen. Die Informationen der einzelnen Anlagen werden in einem 3D-Modell des Standorts visualisiert und direkt mit dem Bewirtschaftungssystem des Betreibers verlinkt. Die Liste mit Ideen zu weiteren Anwendungsfällen und Analysemöglichkeiten ist noch lang und in diesem Bereich stehen wir erst am Anfang.“ 

  • Die Stromkosten reduzierten sich um durchschnittlich 40 Prozent jährlich.
  • Phasen der Spitzenbelastung im Stromverbrauch können massiv reduziert werden.
    Stromspitzenlast ist teuer, die Kosten sinken.
  • Die Wartung der eingebundenen Anlagen wird bedarfsgerecht anhand von Nutzungsdaten angestoßen, das spart Kosten und schont die Anlagen.
  • Die Arbeitszeit im Facility Management (FM) wird effektiver eingesetzt. Außerdem können die FM-Spezialisten unnötigen Verbrauch bei Strom und Wasser schneller identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten.
  • 60 Stromzähler ("Smart Meter") erleichtern die separate, verbrauchsgerechte Abrechnung einzelner Gebäudeteile und Flure.
  • Ein digitaler Zwilling des Standorts wurde erstellt aus Drohnenaufnahmen und 3D Indoor Scans mit anschließender digitaler Erfassung und Verlinkung der angebundenen Assets.

Mit Fauna und Flora nachhaltig

Auch die Grünanlagen in Midrand wurden in den letzten Monaten neu angelegt. In vielen Bereichen wurden Rasenflächen und Blumenbeete durch heimische Pflanzen, die wenig oder gar keine künstliche Bewässerung benötigen, ersetzt und werden seither in der eigenen Pflanzenschule nachgezogen. Der Biomüll, der in der Kantine des Standorts anfällt, wird vollständig am Standort recycled, indem er mit Hilfe einer Bokashi-Lösung zersetzt und anschließend über eine Wurmfarm und mehrere Kompostierstufen wieder zurück in den natürlichen Kreislauf gelangt.

 

Der Wasserlauf am Standort wurde durch den Einsatz von Wasserpflanzen und Fischen von chemischer auf biologische Reinigung umgestellt. Auch Biodiversität wird in Siemens Park großgeschrieben: durch ausschließlich einheimische Pflanzenarten fühlt sich eine Vielzahl von Insekten und Vogelarten am Standort wohl. Als positiven Nebeneffekt gab es in diesem Jahr auch die erste Honigernte. Der Honig aus Midrand wird übrigens exklusiv an Kunden verschenkt, um auf die Nachhaltigkeit der Siemens-Produkte aufmerksam zu machen. 

Ein Digitaler Zwilling zur Optimierung des Betriebs

Parallel zu den verschiedenen Installationen ist das SRE-Team dabei, einen digitalen Zwilling des mittlerweile 22 Jahre alten Standorts aufzubauen. Eine Kombination aus Innenaufnahmen und Drohnenbildern ergab ein dreidimensionales Modell des Standorts. Dieses digitale Modell mit den verschiedenen Assets und technischen Komponenten, die am Standort integriert wurden, verknüpft und erleichtert zukünftig die Planung und Ausschreibung von Leistungen sowie den Regelbetrieb. Davon profitieren Planer, FM-Dienstleister und Nutzer.

Ein echtes Vorzeigeprojekt für Siemens-Produkte

Sabine Dall’Omo, CEO von Siemens Südafrika, ist sehr zufrieden: „Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für heutige und zukünftige Kunden. Wir können damit eine erprobte Siemenslösung vorstellen, mit der Energie, Kosten und Kohlendioxidemissionen gesenkt werden können. Und darüber hinaus ist Strom ohne Ausfälle verfügbar. Microgrids und Distributed Energy Solutions sind das ideale Angebot für Afrika, für kommunale Auftraggeber ebenso wie für die Industrie.“ Außerdem betonte sie: "Das Projekt zeigt, dass unterschiedliche Stromlversorgungen genutzt werden können wie Solar- und Windkraft am Tage und – wenn die Bedingungen für erneuerbare Energien schlecht sind – können wir umschalten auf andere Systeme wie beispielsweise Biomasse.”

 

Die Amortisierung des DES dauert ungefähr zehn Jahre. Der Business Case hat wirklich alle überzeugt. Sebastian Granow von SRE wird inzwischen regelmäßig von Immobilienmanagern und Fachmedien kontaktiert, um das Projekt vorzustellen. Die involvierten Siemens-Einheiten EM, BT und DF, können diese Anwendungsbeispiele für deren Vertrieb nutzen. So hat vor kurzem das EM-Team für die in Midrand installierte Technik den „Digital Solution of the Year”-Award bei den Industry Gala Awards der Africa Utility Week (AUW) gewonnen. Außerdem konnte Siemens Südafrika bei einer exklusiven Kundenveranstaltung anlässlich der Eröffnung des Systems Ende Oktober rund 100 interessierte Kunden und Partner am Standort begrüßen.